Thurgauer nützen Physiotherapie besonders intensiv

Zwei SP-Kantonsrätinnen fordern Massnahmen, um den Nachwuchs an Physiotherapeuten zu verbessern. Laut Regierungsrat läuft alles bestens.

Thomas Wunderlin
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Physiotherapie hilft bei der Rehabilitation nach Verletzungen, auch bei Sportlern wie dem Skicrossfahrer Marc Bischofberger. (Bild: Hanspeter Schiess)

Physiotherapie hilft bei der Rehabilitation nach Verletzungen, auch bei Sportlern wie dem Skicrossfahrer Marc Bischofberger. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ob es im Thurgau an Physiotherapeuten mangelt – dazu haben der Regierungsrat und zwei SP-Kantonsrätinnen gegensätzliche Ansichten. Barbara Dätwyler (Frauenfeld) und Edith Wohlfender (Kreuzlingen) gehen von Zahlen des Schweizer Physiotherapie Verbands aus. Demnach werden in der Schweiz jährlich 800 bis 1000 neue Physiotherapeuten benötigt, aber nur 430 schliessen ein Studium ab.

Als Folge erhalten jährlich 500 bis 600 ausländische Physiotherapeuten die schweizerische Anerkennung. Dätwyler und Wohlfender streichen in einer Einfachen Anfrage heraus, dass Physiotherapie dazu beitrage, teure Operationen zu vermeiden.

Sie weisen darauf hin, dass die eingewanderten Therapeutinnen und Therapeuten in ihren Heimatländern fehlen. Die beiden Politikerinnen wollen auch wissen, ob sich der Regierungsrat vorstellen könne, privaten Praxen die Ausbildung von Physiotherapeuten zu ermöglichen. Laut der Antwort des Regierungsrats ist das bereits möglich. Allerdings sei es wenig attraktiv, da ein Praktikant unter ständiger Aufsicht stehen müsse.

Keine Hinweise auf eine Unterversorgung

Das Amt für Gesundheit habe keine Hinweise auf eine Unterversorgung mit Physiotherapieleistungen im Kanton Thurgau. Von einem Mangel könne keine Rede sein. Im Gegenteil beanspruchten Thurgauer seit 2006 immer zwischen 4,1 und 13,3 Prozent mehr physiotherapeutische Leistungen als die Schweizer im Durchschnitt.

Im Thurgau kommt ein selbstständiger Physiotherapeut auf 1100 Einwohner, was nur wenig vom Schweizer Durchschnitt von 960 Einwohner/Therapeut abweicht. Laut Regierungsrat stellt die Argumentation, dass die eingewanderten Fachleute in ihren Heimatländern fehlten, die Arbeitsmigration grundsätzlich in Frage.

Barbara Dätwyler, SP. (Bild: Donato Caspari)

Barbara Dätwyler, SP. (Bild: Donato Caspari)

Die Ursache für die Zuwanderung liege nicht in einem Fachkräftemangel, sondern in der durch die Personenfreizügigkeit vorhandenen Möglichkeit, im Thurgau zu arbeiten. Der Thurgau sei offensichtlich attraktiv aufgrund der Lebensqualität, der beruflichen Möglichkeiten und der Grenzlage.

«Der Regierungsrat redet das Problem schön»,

kommentiert Dätwyler. Der Mangel bestehe, es gebe Physiotherapeuten mit Zwölfstundentagen. Dätwyler unterstützt Pläne der Fachhochschule St. Gallen, an deren Trägerschaft der Thurgau beteiligt ist, eine Physiotherapieausbildung anzubieten.