Thurgauer Nein-Komitee schlägt Alarm: Aus dem Jagd- würde ein Abschussgesetz

Ein sich aus Vertretern von Umweltschutzverbänden und Parteien zusammensetzendes Komitee, macht mobil gegen das revidierte Jagdgesetz. Bei einem Ja an der Urne kämen auch wildlebende, geschützte Tierarten noch stärker unter Druck, so das Komitee.

Christof Lampart
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Das Thurgauer Komitee «Nein zum Jagdgesetz» macht mobil: Nina Schläfli, Nina Moser, Robert Meyer, Kurt Egger, Toni Kappeler und Robin Stacher.

Das Thurgauer Komitee «Nein zum Jagdgesetz» macht mobil: Nina Schläfli, Nina Moser, Robert Meyer, Kurt Egger, Toni Kappeler und Robin Stacher.

Bild: Christof Lampart

Der Grünen-Kantonsrat und Präsident von Pro Natura Thurgau, Toni Kappeler, warnt vor der Annahme des revidierten Jagdgesetzes am 27.September. Dieses öffne den Kantonen Tür und Tor, um bis dato geschützte Tiere abschiessen zu können – und zwar präventiv, ohne dass diese eine Schaden angerichtet hätten.

Es sei zu befürchten, dass bei einem Ja den Tieren auch in Wildschutzgebieten nachgestellt würde. Statt den Umgang mit «Problemtieren» pragmatisch zu regeln, sei eine Gesetzesvorlage geschaffen worden, die den Artenschutz in der Schweiz gefährdet, wetterte Kappeler am Donnerstag im «Eisenwerk» Frauenfeld:

«Abschüsse von Problemwölfen sind heute schon möglich. Aber was wir bei einem Ja haben werden, sind Abschüsse auf Vorrat.»

Sowieso habe die Präsenz von Wölfen im Alpenraum den Schafen bis anhin mehr genutzt als geschadet. Denn die Anwesenheit des Raubtiers habe zu verstärkten Schutzmassnahmen (Zäune, Hütehunde und Begleitung) geführt, wodurch massiv weniger Schafe während der Sömmerung ihr Leben lassen mussten als in den Jahren davor.

Biber und Birkhuhn im Fadenkreuz?

Für den Geschäftsführer des WWF Thurgau, Robin Stacher, geht mit dem neuen Gesetz «der bisher ausgewogene Kompromiss zwischen Schutz, Regulierung und Jagd verloren». Als «besonders schlimm» taxierte Stacher den Umstand, dass die bereits veröffentlichte Verordnung es den Kantonen erlaubte, Biber abzuschiessen, wenn «Baumeister Borkert» einen Flurschaden anrichtete. Der Konflikt zwischen Artenschutz und Nutzungsinteressen dürfe nicht mit «dem schnellen Griff zum Gewehr» gelöst werden, kritisierte Stacher.

Und die Geschäftsführerin des Thurgauer Vogelschutzes, Nina Moser, sah bei einem Ja zum «Abschussgesetz» bereits die «Jagd auf Waldschnepfe, Birkhahn und Schneehuhn eröffnet».

Tiere scheren sich nicht um Grenzen

Der Kantonalpräsident der Grünliberalen, Robert Meyer, monierte, dass «aus dem Jagd- ein Abschussgesetz gemacht wurde». Für ihn gibt’s deshalb nur eine Lösung:

«Zurück an den Absender!»

Dem Kantonalpräsidenten der Grünen und Nationalrat Kurt Egger stiess die Kompetenzdelegation des Bundes an die Kantone sauer auf. Denn die Gefahr, dass jeder Kanton nun nach eigenem Gusto entscheide, ob ein Tier gejagt werden dürfe oder nicht, sei gross. Egger erläuterte: «Wildtiere kennen keine politischen Grenzen und kommen so wegen dem Kantönligeist noch stärker unter Druck.»

Die Präsidentin der SP Thurgau, Nina Schläfli, sieht das ähnlich: «Alleingänge sind nicht zweckmässig. Und im neuen Gesetz wird der Artenschutz verwässert, während der Nutzen für die Jagd unverändert bleibt.»

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