Thurgauer Nachwuchsmusiker:
Die Oboe interpretiert Kindergeschrei


Frühere Teilnehmer leiten heute das Lager des Thurgauer Jugend-Symphonieorchesters. An zwei Konzerten zeigen 80 junge Musiker ihr Können.

Manuela Olgiati
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Das Symphonieorchester gastierte am Freitag im Casino Frauenfeld. (Bild: Manuela Olgiati)

Das Symphonieorchester gastierte am Freitag im Casino Frauenfeld. (Bild: Manuela Olgiati)

Die Besucher nicken sich am ersten Konzertabend in der Pause zu. Der musikalische Genuss steht im Fokus. Die Posaunistin Gianna Lang führt informativ durch den Abend. Sarah Maij, die Präsidentin des Thurgauer Jugend-Symphonieorchesters, spricht von der Vorbereitung. Sandra Röthlisberger, die Vizepräsidentin, spielt auf die gemeinsamen Werke an. «Das Besondere daran ist das Zusammenspiel verschiedener Musikstile.»

Seit 1996 trifft sich das Jugend-Symphonieorchester einmal im Jahr zu einem einwöchigen Musiklager. Frühere Teilnehmer werden später zu Lagerleitern. Die 80 Mitglieder wagten sich dieses Jahr an anspruchsvolle Kompositionen. Das Resultat war an Konzerten am Freitag in Frauenfeld und am Samstag in Kreuzlingen zu hören. Die 12 bis 22 Jahre alten Musiker begeistern das Publikum.

Voller Saal in Frauenfeld

Am Freitagabend füllen sie den Saal des Casinos Frauenfeld. Grossratspräsident Kurt Baumann weilt unter den Gästen und lobt die musikalischen Leistungen. Auch Martin Briner, der Sponsor der TKB aus der Gründerzeit, ist ein begeisterter Zuhörer.

Eröffnet wird der Abend, unter der Leitung von Tobias Engeli, vom Streichorchester mit der Old Polish Suite von Andrzej Panufnik, virtuos gespielt sind die polnischen Tänze. Das zweite Werk im Programm bildet den schönen Kontrast zur präsenten Attitüde des Streichorchesters. Das Blasorchester, unter der Leitung von Benjamin Zwick, schaffte es mit Fight For Liberty von Mario Bürki, das Publikum mit der Vielseitigkeit und den historischen Begebenheiten des Werks zu fesseln.

Der Freiheitskampf endet mit einem Paukenschlag

Wie in der Geschichte des Tiroler Freiheitskampfes um 1809 erklingt auf der Bühne in Frauenfeld erst die pompöse Fanfare des Kriegsherrn. Der Flüchtende wird verraten und von den Franzosen gefangen gehalten und schliesslich mit Paukenschlag umgebracht.

Kombiniert werden die Tugenden der beiden Formationen im zweiten Konzertteil mit dem Werk Polish Melodies von Mieczyslaw Weinberg, geleitet von Tobis Engeli. Die «Mittagshexe Op. 108» von Antonin Dvorak leitet Benjamin Zwick stimmig. Am Anfang der Dichtung noch das friedliche Leben einer Familie. Die Oboe interpretiert Kindergeschrei, weitere Instrumente wehren die Hexe ab.

Jugendlicher Charme

Die Variationen der anfänglichen Idylle bis zum dramatischen Schluss sind wunderbar intoniert. Ein würdiger Abschluss eines Abends, gefüllt mit dem Klang des souveränen Orchesters. Der jugendliche Charme und die Spielfreude übertragen sich wie ein Funke auf das begeisterte Publikum. Der Applaus ist gross. Die Zugabe sind Melodien von Brahms.