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Thurgauer Maturanden erhalten die Dispens zum Streiken

Mittelschüler lassen sich von ihrer Maturitätsschule für den Klimastreik entschuldigen. Ein Rektor zeigt Verständnis. Doch er will verhindern, dass die Demo anderen Schulschwänzern als Vorwand dient.
Silvan Meile
Am Freitag, 22. Februar, zogen demonstrierende Schüler durch die Altstadt von Konstanz. Bild: Andrea Stalder (22. Februar 2019)

Am Freitag, 22. Februar, zogen demonstrierende Schüler durch die Altstadt von Konstanz. Bild: Andrea Stalder (22. Februar 2019)

Die Sorge um die Zukunft macht Naomi Brot zur Aktivistin. Für die 18-jährige Kantonsschülerin aus Kreuzlingen ist klar: Die Menschheit fährt diesen Planeten an die Wand. Deshalb sollen jetzt auch die Thurgauer und ihre Regierung mitbekommen, dass die Jugend aufsteht. Am Freitag, 15. März, geht Brot deshalb auf die Strasse statt ins Schulzimmer. Dann erfasst der weltweite Klimastreik Frauenfeld.

Naomi Brot. (Bild: PD)

Naomi Brot. (Bild: PD)

Mit ihren Transparenten werden die Schüler vor das Regierungsgebäude ziehen, um dort ihre Forderungen zu platzieren: Der Thurgau soll den Klimanotstrand ausrufen und somit den Klimawandel als höchst prioritäres Problem behandeln. Die Treibhausgasemissionen sollen massiv gesenkt und nur so viel ausgestossen werden, wie auch kompensiert werden kann. «Netto null Treibhausgasemissionen bis 2030», sagt Naomi Brot. Das ist weit mehr als der Entwurf des CO2-Gesetzes vorsah, das in der Wintersession im Nationalrat durchfiel.

Erziehungsdirektorin erhebt den Mahnfinger

Doch bevor der erste Thurgauer Schüler am Freitag in einer Woche ein Demonstrationsplakat in die Höhe streckt, hebt Erziehungsdirektorin Monika Knill den Mahnfinger. Das Thurgauer Volksschulgesetz lasse keinen Spielraum, damit eine Teilnahme am Schülerstreik als entschuldigte Absenz gelten könne. Wer fürs Klima die Sekundarschule schwänzt, muss einen Jokertag (jeder Schüler hat zwei pro Jahr) einziehen. Sonst wird eine unentschuldigte Absenz ins Zeugnis geschrieben. Knill gibt damit den Schulgemeinden den Tarif für ein einheitliches Vorgehen durch.

Naomi Brot ist keine Rebellin, die sich wegen unentschuldigter Absenzen mit dem Kanton anlegt. «Für politisch engagierte Sekschüler sollte der Kanton grosszügiger sein», findet sie dennoch. Selber ist sie von dieser Regelung aber nicht betroffen.

Hoffen auf 200 Demonstrationsteilnehmer

Die Klimaveränderung bewegt vor allem Maturanden. Die meisten Schüler werden von den Thurgauer Mittelschulen Frauenfeld, Kreuzlingen und Romanshorn an der Demo teilnehmen. Sie unterstehen nicht dem Volksschulgesetz. Für sie gibt es keine Jokertage. Mit einem schriftlichen Gesuch müssen die Gymnasiasten bei ihrer Schulleitung um Erlaubnis bitten, damit sie dem Unterricht nicht unentschuldigt fern bleiben.

In der Regel gewähren die Mittelschulen Abwesenheiten sehr zurückhaltend. Ein runder Geburtstag der Grossmutter oder die Teilnahme an einem wichtigen sportlichen Wettkampf könnte allenfalls ein Grund sein.

Beim Klimastreik sind die Verantwortlichen grosszügiger. «Ziel der Mittelschule ist es ja auch, dass sich die Schüler gesellschaftlich und politisch engagieren», sagt Arno Germann, Rektor der Kantonsschule Kreuzlingen. Doch er will die verpasste Unterrichtszeit kompensieren. Möglich sei, dass die Teilnehmer des Klimastreiks ausserhalb der regulären Schulzeit an einem Unterricht teilnehmen müssen, an dem das Thema Klima vertieft wird.

Schüler lassen Demo von der Polizei bewilligen

Diese Haltung gefällt auch beim kantonalen Amt für Mittelschulen. Einerseits befürworte man das politische Engagement der Jugendlichen, anderseits dürfe der Schulbetrieb nicht beeinträchtigt werden, sagt Amtschef Urs Schwager. Mit einer Kompensation des Unterrichts soll auch verhindert werden, dass andere Schulschwänzer den Klimastreik als Vorwand benutzen.

Im Herbst kandidiert Naomi Brot auf der Liste der Jungen Grünen für den Nationalrat. Vorerst hofft sie, mit ihren Mitstreitern 200 Thurgauer Schüler für den Klimastreik zu gewinnen. Sie fordern von den politischen Leistungsträgern bessere Rahmenbedingungen zur Schonung der Umwelt. Die Kehrtwende zum Schutz des Planeten müsse eingeleitet werden. Ihre Demonstrationsroute lassen die Schüler von der Kantonspolizei bewilligen.

Greta Thunberg als Vorbild

Toll sei es, in der Masse zu spüren, mit der eigenen Haltung nicht allein zu sein, sagt Brot. Bereits im Januar ging die Vegetarierin, die in einer Familie ohne Auto lebt, mit mehr als 50 der rund 300 Kreuzlinger Kantonsschülern an den Klimastreik nach Zürich. «Ich höre aber auch immer wieder, dass die kleine Schweiz oder gar ich als Einzelperson nichts bewegen könne.»

Doch genau diese Schülerbewegung, die ein schwedisches Mädchen lostrat, beweise das Gegenteil. Am 15. März streiken Schüler auf allen Kontinenten, inspiriert von Greta Thunberg, die für den Klimaschutz kämpft und dafür jeden Freitag die Schule schwänzt.

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