Thurgauer Lokalblätter wollen mehr Inserate

Eine Interpellation im Grossen Rat fordert mehr Werbung von kantonalen Stellen in Lokalzeitungen. Eine entsprechende Weisung zu erlassen, erachtet der Regierungsrat aber als unverhältnismässig.

Silvan Meile
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Der Thurgauer Finanzminister Jakob Stark will keine Weisung erlassen, wo die kantonalen Ämter ihre Inserate schalten müssen. (Bild: Reto Martin)

Der Thurgauer Finanzminister Jakob Stark will keine Weisung erlassen, wo die kantonalen Ämter ihre Inserate schalten müssen. (Bild: Reto Martin)

Politik und Medien sind Weggefährten. Weil es den Zeitungen laufend schlechter geht, sind sie immer wieder mal Thema bei den Politikern. Am Montagvormittag behandelte der Grosse Rat an seiner Wega-Sitzung die Interpellation «Lokale Medien im Thurgau – Partner oder Störenfriede?» Peter Bühler (CVP, Ettenhausen) hätte darin gerne erfahren, wie viel Geld für Inserate von kantonalen Stellen an Lokalblätter geht.

Doch der Thurgauer Regierungsrat argumentierte in der Beantwortung der Interpellation, dass er diese Zahlen nicht beziffern könne. Die Ämter, Schulen und Museen seien frei in der Vergabe der Inserate, welche nicht zentral erfasst werden. Deshalb sei es nicht eruierbar, in welcher Lokalzeitung wie viele Inserate geschalten werden.
Regierung erachtet Weisung als unverhältnismässig.

Bekenntnis zum Lokaljournalismus

«Das kann ich nicht glauben», sagte Bühler im Grossen Rat. Als Verwaltungsrat der Lokalzeitung «Regi die Neue» hat er ein besonders Interesse an diesen Zahlen. Bühler freute sich aber auch, dass der Regierungsrat sich zum Lokaljournalismus bekennt. Enttäuschend defensiv und mutlos sei hingegen die Aufschlüsselung der Inserate-Ausgaben ausgefallen. Denn sie fehlt komplett. Und Bühler vermisst in der Antwort auch eine verbindliche Weisung des Regierungsrates an die Amtsleiter, vermehrt in Lokalblättern zu inserieren. Regierungsrat Jakob Stark zeigte sich diesbezüglich bereit, eine «Empfehlung» abzugeben, wie dies offenbar in ähnlicher Form bereits 2013 gemacht wurde. Eine Weisung auszusprechen, bezeichnete er aber als unverhältnismässig.

Zahlreiche Redner unterstrichen die Wichtigkeit von Zeitungen für die Demokratie. Marlise Bornhauser (EDU, Weinfelden) bemerkte, dass die Leserschaft immer älter werde und so immer weniger Leute Zeitungen lesen und sich übers politische Geschehen informieren. Dass Print im Leben seiner 22 und 24 Jahre alten Söhne überhaupt keine Rolle spiele, mache ihn nachdenklich, sagte Daniel Vetterli (SVP, Rheinklingen).
In der Diskussion um eine andere Verteilung der kantonalen Gelder für Zeitungsinserate bemerkte Wolfgang Ackerknecht (EVP, Frauenfeld), dass es aus heutiger Sicht ungewiss sei, «wie lange die klassischen Inserate bestehen werden, denn mit immer tieferen Auflagen tendieren die Kunden, andere Werbekanäle zu nutzen». Die Probleme der Zeitungen müssten weiter gefasst werden. Dass die Politik Medien braucht, die über sie berichtet, stritt niemand im Rat ab.