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Thurgauer Lehrer greifen künftig im Notfall zuerst zum Handy

Tragische Ereignisse können im ersten Moment handlungsunfähig machen. Der Kanton Thurgau stellt allen Schulen eine App zur Verfügung, die im Notfall die richtigen Schritte vorgibt und sogar alarmieren kann.
Larissa Flammer
Polizisten einer Sondereinheit stürmen bei einer Übung zum Thema Geiselnahme eine Schule. (Bild: Laurent Gillieron, Keystone)

Polizisten einer Sondereinheit stürmen bei einer Übung zum Thema Geiselnahme eine Schule. (Bild: Laurent Gillieron, Keystone)

Die ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Für Lehrerinnen und Lehrer sind das Horrorszenarien: Ein Kind verletzt sich auf dem Pausenplatz schwer, im Schulhaus bricht während des Unterrichts ein Feuer aus oder im Klassenlager wird plötzlich ein Schüler vermisst.

In solchen Situationen muss ein Krisenkonzept greifen, für die meisten Fälle gibt es Checklisten mit allen nötigen Handlungsschritten. Denn der Schock kann schnell dazu führen, dass die grundlegendsten Dinge vergessen gehen.

Ab diesem Sommer stellt der Kanton Thurgau allen Schulen zusätzlich eine Notfall-App zur Verfügung:

Kanton kann eigene Notfall-Szenarien hinterlegen

Die Notfall-App für Schulen ist ein Produkt des Start-Ups e-mergency AG und wurde von der Firma exanic AG aus Baar im Kanton Zug entwickelt. Für den Inhalt haben diese mit der Bildungsdirektion Zürich, der Kantonspolizei Zürich und der Fachstelle für Gewaltprävention der Stadt Zürich zusammengearbeitet.

Laura Nägeli, Leiterin Produktmanagement, erklärt die App:

«Mit ihr kann der gesamte Prozess abgewickelt werden, von der Alarmierung bis zur Ereigniskommunikation.»

Die Lehrperson, die sich mit einem Notfall konfrontiert sieht, zückt das Smartphone und kann in der App das richtige von über 15 Szenarien anwählen. Medizinische Notfälle, Gewalt und Bedrohung, Brand, Evakuation, vermisste Person sowie Todesfall sind standardmässig eingerichtet, weitere Szenarien können hinzugefügt oder gelöscht werden.

Die Ansicht der für den Thurgau angepassten Notfall-App für Schulen. (Bild: PD)

Die Ansicht der für den Thurgau angepassten Notfall-App für Schulen. (Bild: PD)

Ist das Szenario angewählt, kann die Lehrperson in einem ersten Schritt ebenfalls direkt in der App die richtigen Blaulichtorganisationen alarmieren. Danach führt das Handy den Nutzer durch die weiteren Sofortmassnahmen und informiert in einem zweiten Schritt das schulinterne Krisenteam.

«In der App können immer die aktuellen Telefonnummern von allen Verantwortlichen hinterlegt werden», erklärt Nägeli. Die App kann an dann einen Anruf auslösen oder Push-Benachrichtigungen, eine SMS oder eine E-Mail schicken.

Handy ist eher griffbereit als Checkliste aus Papier

Die Checklisten, welche die App abarbeitet, wurden von Experten ausgearbeitet. Laura Nägeli sagt: «Die Mehrheit der Notfallsituationen werden damit abgedeckt.» Wichtig sei jedoch:

«Es geht immer noch darum, wie der Mensch reagiert. Die App unterstützt aber ein rasches und angemessenes Handeln.»

Auch ein Ersatz für die bisherigen Notfallkonzepte an Schulen ist die App nicht, sagt Nägeli. «Es ist eine Ergänzung.»

Ihrer Meinung nach ist der grosse Vorteil der Notfall-App der digitale Kanal. Die Kommunikation kann so unverzüglich und mit dem ganzen Krisenteam gleichzeitig stattfinden. «Ausserdem hat eine Lehrperson beispielsweise auf dem Pausenplatz eher das Handy griffbereit, als die Checkliste aus Papier.» So müsse nicht zuerst die Schublade im Schulzimmer nach den Handlungsanweisungen durchsucht werden.

App hat bereits 26'000 Benutzer

Die Notfall-App wurde zuerst für den Schulkontext entwickelt. Mittlerweile gibt es auch die Version e-mergency für Unternehmen, die vom Inhalt her gleich funktioniert, aber in der eben von Mitarbeitern und nicht von Lehrpersonen die Rede ist.

«Von Firmen haben wir aktuell viele Anfragen», sagt Nägeli. Das Angebot ist auch nicht auf eine bestimmte Branche fokussiert. «Die App wird schon auf Baustellen, in Sportverbänden, wie auch in der Industrie genutzt. Sogar im Ausland sind wir schon vertreten.»

Insgesamt zählt die Notfall-App 26'000 Benutzer an 1200 Standorten – also Schulen und Unternehmen. Nägeli sagt:

«In Deutschschweizer Schulen sind wir Marktführer. Verschiedene Kantone haben die App für alle ihre Schulen eingeführt.»

In der Ostschweiz ist sie sogar sehr gut vertreten. Die Kantone Schaffhausen, St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden haben die App bereits eingeführt, weiss Nägeli. «Wir haben eine wachsende Anwenderzahl, die App wird aber zum Glück nicht viel gebraucht, da Notfälle selten eintreten.»

Notfall-App kann sich auch für kleine Schulen lohnen

Das Argument «Unsere Schule ist zu klein für so etwas» lässt die Leiterin Produktmanagement nicht gelten. Gerade in kleineren, älteren Schulhäusern sei die Infrastruktur nicht immer für Notfälle ausgerüstet. Wenn zum Beispiel ein Pausengong fehle, der mit verschiedenen akustischen Signalen auch zu verschiedenen Notfallmassnahmen aufrufen kann, sei die App die deutlich günstigere Lösung. Diese kann mit ihren Möglichkeiten der Alarmierung und Informierung auch Hardware ersetzen.

Hinweis: www.e-mergency.ch

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