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Thurgauer Lehrer finden Kompetenzprofile im Zeugnis wenig hilfreich – Eltern und Lehrbetriebe dagegen schon

In einem Schulversuch liess der Kanton Ergänzungen zum Zeugnis testen. Ein Resultat: Nur jede zehnte Lehrperson findet Kompetenzprofile sinnvoll.
Larissa Flammer
Der Thurgauer Regierungsrat entscheidet in einem Jahr, wie die Schulzeugnisse künftig aussehen und zustande kommen. (Bild: Andrea Stalder)

Der Thurgauer Regierungsrat entscheidet in einem Jahr, wie die Schulzeugnisse künftig aussehen und zustande kommen. (Bild: Andrea Stalder)

Die Aufgabe des Regierungsrats wird nicht einfach. Er muss in einem Jahr entscheiden, wie die Volksschulzeugnisse im Thurgau künftig entstehen und aussehen werden. Eine Umfrage zeigte jedoch im Januar, dass sogar Lehrpersonen und Schulleitungen unterschiedliche Wünsche haben.

Im Schulblatt veröffentlicht der Kanton nun die Ergebnisse eines Schulversuchs zu den Zeugnissen. Auch hier waren die Meinungen geteilt, manche erprobten Instrumente fielen durch.

Ziel des Versuchs war es, Praxiserfahrungen zur zweidimensionalen Leistungsbewertung zu sammeln. Die eine Dimension ist das Produkt, also die Leistung bei Prüfungen. Die andere ist der Prozess: die Lernqualität.

Einige Lehrpersonen haben zudem Kompetenzprofile getestet, im Kindergarten wurde die Einschätzung der Entwicklung erprobt. Fünf Schulen aus Amriswil, Eschlikon, Felben-Wellhausen, Lommis und Steckborn haben sich am Versuch beteiligt.

Kompetenzprofil: sinnvoll oder nicht?

Interessant sind vor allem die Erfahrungen zu den Kompetenzprofilen, die Lehrpersonen der fünften und sechsten Klasse sowie der zweiten und dritten Sekundarschule angewendet haben. Die meisten Lehrer bewerten die Profile als wenig hilfreich, heisst es im Schulblatt.

«Hingegen schätzen die Schülerinnen und Schüler, deren Eltern wie auch die Lehrbetriebe die Kompetenzprofile als hilfreich ein und finden es eine sinnvolle und nachvollziehbare Ergänzung zum Zeugnis.» Nur jede zehnte Lehrperson im Schulversuch fand, dass die Kompetenzprofile eine sinnvolle Zeugnisbeilage wären.

Zweidimensionaler Ansatz bringt zu viel Aufwand

Die pädagogische Haltung, die der zweidimensionalen Bewertung zugrunde liegt, wird von den am Versuch teilnehmenden Lehrern weitgehend unterstützt.

Ungefähr die Hälfte von ihnen sieht darin einen sinnvollen Ansatz, der jedoch Unklarheiten und einen hohen Aufwand mit sich bringt. Hilfreich sei vor allem die ganzheitlichere Beurteilung, der Ansatz sei für die prognostische Beurteilung wertvoll.

Die andere Hälfte der Lehrpersonen findet die Art und Weise der Umsetzung schwierig und kritisiert unter anderem die Art der Bewertung. Lernprozesse sollten grundsätzlich nicht «technisch» verrechnet werden. Die Lehrer und Schulleiter plädieren aufgrund des hohen Aufwands gegen die flächendeckende Einführung des zweidimensionalen Ansatzes.

Bewertung im Kindergarten ist zu wenig aussagekräftig

Der Einschätzungsbogen, mit dem im Kindergarten die Entwicklung des Kindes bewertet werden soll, wird im Schulversuch als nicht praktikabel eingestuft. Die Verknüpfung mit inhaltlichen Kompetenzen aus den Fachbereichen sei nicht gegeben. Die Grundlage für die Einschätzung eines Kindes sei damit ungenügend.

Die neun entwicklungsorientierten Zugänge gemäss Lehrplan, die der Einschätzungsbogen bewertet. (Bild: Webseite Lehrplan)

Die neun entwicklungsorientierten Zugänge gemäss Lehrplan, die der Einschätzungsbogen bewertet. (Bild: Webseite Lehrplan)

Im Schulversuch standen den Lehrpersonen auch drei neue Möglichkeiten für die Bewertung zur Verfügung: Lernzielraster, die für das Unterrichtsvorhaben definiert werden, Zyklusraster, die sich an den Grundansprüchen pro Zyklus orientieren, und Schwellenwerte. Bei Letzteren definieren die Lehrer im Voraus, welche Anzahl Punkte bei einem Test für welche Anforderungen erforderlich sind. Vor allem die Schwellenwerte werden positiv beurteilt.

Die weiteren Ergebnisse: Umfrage, Workshops und Monitoring

Im Sommer 2017 veränderten sich mit der Einführung des neuen Lehrplans im Thurgau auch die Schulzeugnisse. Der Prozess ist aber noch nicht abgeschlossen. Wie die Leistungen der Schüler künftig genau beurteilt werden, entscheidet der Regierungsrat erst im Sommer 2020. Der Kanton führte eine Umfrage bei Lehrern und Schulleitern sowie Workshops mit Bildungsverbänden, der Pädagogischen Hochschule, dem Gewerbe und weiterführenden Schulen durch. Das Amt für Volksschule hat zudem in einem Monitoring verglichen, wie andere Kantone die Herausforderung lösen. Alle Erkenntnisse – auch die aus dem Schulversuch – fliessen in einen Schlussbericht zuhanden des Regierungsrats. Er entscheidet, welche Anpassungen noch nötig sind. Ab dem Schuljahr 2021/22 sollen die neuen kantonalen Beurteilungsgrundlagen in Kraft sein.

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