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Thurgauer Landwirtschafts-Berater warnt: Private machen sich mit Herbizid-Einsatz strafbar – Gift gelangt direkt ins Wasser

Viele Privatpersonen versprühen Herbizide an Stellen, wo der Einsatz per Gesetz verboten ist. Weil meist fehlendes Wissen der Grund ist, setzen die Berater des Arenenbergs auf Information.
Larissa Flammer
Die abgestorbenen Pflanzen zeigen: Hier wurde gespritzt. Das Mittel gelangte spätestens mit dem Regen direkt in den Schacht. (Bild: PD)

Die abgestorbenen Pflanzen zeigen: Hier wurde gespritzt. Das Mittel gelangte spätestens mit dem Regen direkt in den Schacht. (Bild: PD)

Der Schweizer ist pingelig. Entlang des Vorplatzes will er kein Unkraut und auf der Kieszufahrt keinen Löwenzahn. Also greift er zu Herbiziden. Unkrautbekämpfungsmittel sind genau wie Insektenvernichter in Baumärkten und Gartencentern frei erhältlich.

Urs Müller vom Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg weist aber darauf hin:

«Schon lange ist ein Gesetz in Kraft, das den Einsatz von Herbiziden auf und an Strassen und Plätzen verbietet.»

Das würden längst nicht alle wissen. Herbizide, die auf Kies, Teer oder sonstigen Plätzen angewandt werden, gelangen leicht in Gewässer und damit ins Trinkwasser. Auch zu nahe an Strassen und Plätzen darf nicht gespritzt werden, weil der Regen das Mittel sonst in die Schächte und auf das Kies spült.

Sehr problematisch: Über den Kiesweg, der mit Herbizid behandelt wurde, führt ein direkter Wasserabfluss. (Bild: PD)

Sehr problematisch: Über den Kiesweg, der mit Herbizid behandelt wurde, führt ein direkter Wasserabfluss. (Bild: PD)

Im Gartenbeet oder auf Feldern dagegen halten die Ton- und Humusschichten die Stoffe zurück, die dann abgebaut werden können. Heikel wird es auch auf diesem Untergrund, wenn starke Regenfälle sogar Äcker überspülen.

Professionelle Mittel sind hoch konzentriert

Immer wieder mal rufen Privatpersonen beim Beratungszentrum an und fragen, wie sie ihre gekauften Pflanzengifte dosieren müssen. Denn das ist ein weiteres Problem, erklärt Müller:

«Oft werden die Mittel massiv überdosiert.»

Zwar müssen auf den Flaschen alle wichtigen Angaben und Gefahrenhinweise stehen, «aber wer liest schon das Kleingedruckte». Ausserdem stehen manche Informationen auf der Rückseite des Flaschenetiketts, weiss der Berater.

Professionelle Mittel, die für den grossflächigen Einsatz in der Landwirtschaft hergestellt wurden, sind zudem hoch konzentriert. Wenige Milliliter pro zehn Liter Wasser reichen da. Müller sagt: «Mit diesen Dosiervorgaben können die meisten nichts anfangen, weshalb dann einfach ein Gutsch genommen wird.»

Thurgauer Projekt fokussiert sich auf Landwirtschaft

Der unsachgemässe Einsatz von Chemikalien ist auch in der Landwirtschaft ein Problem. «Dort ist man sich dessen jedoch bewusst und arbeitet daran», sagt Müller. Erst dieses Jahr wurde im Thurgau das Projekt AquaSan lanciert, das einen optimierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Fokus hat.

Urs Müller Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. (Bild: PD)

Urs Müller Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. (Bild: PD)

In einer ersten Phase werden zehn Landwirtschaftsbetriebe analysiert um herauszufinden, wo Pflanzenschutzmittel in Gewässer gelangen können. Ein besonderes Augenmerk gilt bei dem Projekt der Salmsacher Aach und dem Güttinger Eschelisbach. In beiden Bächen wurden schon regelrechte Pestizidcocktails nachgewiesen. In sechs Jahren, wenn das Projekt ausläuft, sollen die Bäche sauberer sein.

Dass in den Gewässern so viele Schadstoffrückstände nachgewiesen werden können, hat auch damit zu tun, dass die Messmethoden viel genauer wurden, sagt Müller. Sorgen macht ihm vor allem der Mix verschiedener Stoffe:

«Auch wenn die einzelnen noch unter dem Grenzwert liegen, wissen wir nicht, welche Folgen der Mix vieler verschiedener Stoffe in unseren Gewässern für uns hat.»

Alternativen sind Abflammen und Hacken

Wenn der Berater durch den Thurgau fährt, sieht er jede Menge Beispiele von illegalem Spritzmitteleinsatz. «Kraft unseres Amtes könnten wir jeweils Anzeige erstatten», sagt er. Er spreche die Verantwortlichen jedoch jeweils darauf an und kläre sie darüber auf, dass ihr Tun verboten sei und vor allem warum.

«Denn Nicht-Wissen schützt vor Strafe nicht.» Pflanzen- und Insektengifte seien oft auch Grund für Nachbarschaftskonflikte, wo immer wieder mal Anzeigen eingereicht würden.

Als Alternative zu Herbiziden nennt Müller das Abflammen und das Hacken von Unkraut. Das sei zumindest besser für das Trinkwasser. Vielleicht sei auch einfach mehr Toleranz gegenüber etwas Unkraut gefragt. Der Berater ist sich sicher:

«Gegen diese Verschmutzung unseres Trinkwassers kann jeder etwas beitragen.»

Nationale Initiative und Aktionsplan des Bundes

Anfang 2018 wurde die Eidgenössische Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» eingereicht. Die Trinkwasser-Initiative ist beim Parlament hängig. Bereits im September 2017 hat der Bundesrat einen Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verabschiedet. Unter anderem werden deshalb wohl künftig alle Anwender von solchen Mitteln eine Prüfung absolvieren müssen, sagt Berater Urs Müller.

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