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Thurgauer Katholiken erheben ihre Stimme gegen sexuellen Missbrauch

Eine Resolution der Thurgauer Synode verlangt eine umfassende Abklärung sexueller Übergriffe. Kirchenratspräsident Cyrill Bischof und Synodalpräsident Dominik Diezi trafen sich auf einem Podium mit Giorgio Prestele, Präsident des Fachgremiums zu sexuellen Übergriffen der Bischofskonferenz. Prestele erwartet weitere Fälle zu den 311 seit 2010 eingegangenen Meldungen.
Monika Wick
Giorgio Prestele, Leiter des Fachgremiums der Bischofskonferenz, spricht im Weinfelder Zentrum Franziskus. (Bild: Monika Wick)

Giorgio Prestele, Leiter des Fachgremiums der Bischofskonferenz, spricht im Weinfelder Zentrum Franziskus. (Bild: Monika Wick)

«Wenn wir nichts erreichen, laufen uns die Leute davon», gibt ein Mitglied der Synode der Katholischen Landeskirche Thurgau zu bedenken. Auslöser für seine drastische Formulierung sind die sexuellen Übergriffe in der katholischen Kirche, die laut seiner Aussage immer mehr Gläubige als Begründung für ihren Austritt aus der Landeskirche nennen. Im Hinblick auf die Versammlung der Präsidenten der Bischofskonferenzen zum «Schutz von Minderjährigen», die vom 21. bis zum 24. Februar 2019 in Rom stattfindet, hat die Katholische Synode des Kantons Thurgau, das Kirchenparlament, eine Resolution erarbeitet, die sie Diözesanbischof Felix Gmür übergeben wird.

Auch von Frauen begangen

«Es ist ein sehr trauriges und schwieriges Thema. Wir sind selber erschrocken über das grosse Ausmass der Fälle und fordern Massnahmen, um diese in Zukunft zu vermeiden», sagt Bruno Strassmann, Leiter der Fachstelle Kirchliche Erwachsenenbildung. Zusammen mit dem Kirchenrat Thurgau hat die Fachstelle am Donnerstagabend zu einem zur Thematik passenden Vortrag und einem Podiumsgespräch ins Zentrum Franziskus eingeladen. Als Referent begrüsst Bruno Strassmann Giorgio Prestele, der seit fünf Jahren das Fachgremium Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld der Schweizer Bischofskonferenz präsidiert. «In der Schweiz werden Fälle erst seit 2010 erfasst», erklärt er. Seither sind laut dem Experten 311 Meldungen eingegangen, die Kinder und Erwachsene gleichermassen betreffen und sowohl von Männern als auch von Frauen begangen wurden.

Opfer können sich nur schwer artikulieren

«Ich befürchte, dass hier noch viel mehr zum Vorschein kommen wird. Da es für die Opfer schwierig ist, sich zu artikulieren, gehen wir von einer Dunkelziffer in unbekannter Höhe aus», sagt Giorgio Prestele. Gegenüber der Kirche, die bis Anfangs der 2000er-Jahre den Schutz der eigenen Institution in den Vordergrund stellte, hält der Fachmann nicht mit Kritik zurück. «Es herrschten keine Empfindungen und Empathie für die Opfer. Verdrängung und Vertuschung waren an der Tagesordnung.» Mittlerweile befasst sich die Kirche Schweiz intensiv und offensiv mit der Thematik und versucht mit einer verschärften Anzeigepflicht, verstärkten Präventionsmassnahmen und dem Aufbau der diözesanen Fachgremien, weitere Übergriffe zu vermeiden. «Wir müssen Sorge dafür tragen, dass die Katholische Kirche Schweiz in diesem leidvollen Kontext über die Sprachregionen hinweg mit einer einzigen Stimme spricht und entsprechend dezidiert handelt.»

Kirchenführer fordern Reform des Pflichtzölibats

Auch die Synode wird ihre Stimme erheben, wie Giorgio Prestele, Dominik Diezi, Präsident der Katholischen Synode Thurgau, und Cyrill Bischof, Präsident des Katholischen Kirchenrates Thurgau, im anschliessenden Podiumsgespräch klarstellen.

Giorgio Prestele, Dominik Diezi und Cyrill Bischof. (Bild: Monika Wick)

Giorgio Prestele, Dominik Diezi und Cyrill Bischof. (Bild: Monika Wick)

In ihrer Resolution fordern sie eine umfassende und unabhängige Aufarbeitung beziehungsweise Aufklärung aller Missbrauchsfälle sowie eine umfassende Unterstützung der Opfer. Zudem fordern sie Reformen betreffend des Pflichtzölibats und der Rolle der Frauen in der Kirche.

Mittelalterliche Strukturen

«Im Weiteren braucht es einen grundlegend anderen, positiven Blick auf die menschliche Sexualität. An die Stelle des repressiven Einhegens eines als gefährlich empfundenen Triebes muss ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Sexualität treten», sagt Diezi. Unabdingbar erscheinen der Synode zudem strukturelle Reformen der Kirche. «Die Kirche ist mittelalterlich strukturiert und schafft so ein Verhältnis, in dem sich die Skandale abspielen können», erklärt Diezi. Soll sich daran dauerhaft etwas ändern, so kommt die Kirche laut den Synodalen nicht darum herum, die Macht auch in der Kirche zu teilen und so wirksamer zu kontrollieren.

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