Thurgauer Kantonslabor beschlagnahmt tonnenweise verschimmelten Reis

Das Kantonale Laboratorium beschlagnahmte 2018 tonnenweise verschimmelten Reis aus Sri Lanka. Drei Wildpfeffer enthielten Bleirückstände. Beanstandet wurden auch Schmuck und Schnaps. Keine Probleme zeigten sich beim Nitratgehalt der Wintersalate.

Thomas Wunderlin
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Reis aus Sri Lanka enthielt Aflatoxin und Ochratoxin, zwei Schimmelpilzarten. (Bild: Archiv)

Reis aus Sri Lanka enthielt Aflatoxin und Ochratoxin, zwei Schimmelpilzarten. (Bild: Archiv)

Die Experten suchten nach Schimmelpilz und wurden fündig. «Erschreckenderweise mussten vier grössere Importe Reis aus Sri Lanka wegen massiver Überschreitung der Höchstwerte von Aflatoxin B1 und Ochratoxin A» beschlagnahmt werden, heisst es im Jahresrückblick des Labors, der im Geschäftsbericht des Regierungsrats 2018 veröffentlicht worden ist.

Fast 170 Proben Reis, Mais, Weizen und Roggen wurden untersucht. Die Aktion fand in Zusammenarbeit mit den eidgenössischen Zollbehörden und den andern Ostschweizer Kantonen statt. Der Zoll habe die Proben genommen und dem Labor zur Untersuchung zugewiesen, sagt Kantonschemiker Christoph Spinner. Beschlagnahmt worden seien mehrere Tonnen Reis.

Christoph Spinner Kantonschemiker Thurgau. (Bild: PD)

Christoph Spinner Kantonschemiker Thurgau. (Bild: PD)

Auch zwei Proben Maisgriess und Maismehl wurden beanstandet. Der Gehalt an Deoxynivalenol, ebenfalls ein Schimmelpilz, überstieg den zulässigen Höchstwert.

Schnapsbrenner achten zu wenig auf Blausäure

 Giftstoffe fand das Kantonslabor auch im Schnaps. In 6 von 19 untersuchten Steinobstbränden lag der Ethylcarbamatgehalt über dem Höchstwert. Dieses kann bei der Verarbeitung entstehen auf der Grundlage der Blausäure, die in den Steinen des Steinobsts enthalten ist. Die beanstandeten Brände wurden beschlagnahmt. «Diese unerfreulich hohe Beanstandungsquote war überraschend und ist wohl teilweise auch auf die schlechte Steinobsternte von 2017 zurückzuführen», schreibt das Labor.

«Für mich ist erschreckend, dass ich gemeint hatte, das Problem sei gelöst»

sagt Kantonschemiker Spinner. Er zeigt ein Informationsblatt des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung von 2005. Daraus geht hervor, dass die Steine im Steinobst möglichst nicht beschädigt sein sollen, damit die Blausäure drin bleibt. Auch sollte das Destillat von Anfang an vor Licht geschützt werden. Geprüft wurden laut Spinner unter anderem Pflümli und Zwetschgenbrand aus «normalen Läden».

Fünf Verkaufsverbote für Schmuck

Die Untersuchung von Schmuck auf Nickel, Blei und Cadmium führte «im Vergleich zu den Vorjahren erfreulicherweise zu weniger Beanstandungen». In 5 von 84 aufwendig untersuchten Proben fanden sich Spuren dieser Metalle; ein Verkaufsverbot folgte jeweils. Nickel in einem Piercing oder einer Jeansniete kann laut Spinner beim Kontakt mit der Haut eine Allergie verursachen.

Piercings dürfen kein Nickel enthalten. (Bild: Urs Jaudas)

Piercings dürfen kein Nickel enthalten. (Bild: Urs Jaudas)

«Eine etwas andere Metallbelastung» stellte das Labor in drei Wildpfeffern fest. Die stark überhöhten Bleigehalte seien auf «Rückstände der Jagdmunition» zurückzuführen und deuteten auf Mängel bei der Herstellung hin. Die Proben enthielten nicht etwa Schrotkugeln, wie Spinner erklärt. Sondern das Fleisch erlegter Wildtiere enthält um den Schusskanal herum Bleiabrieb und -splitter. Das betroffene Fleisch muss deshalb weggeschnitten werden, was offensichtlich nicht alle Verarbeiter in genügendem Masse getan haben.

Listerien und Nitrat bleiben unter Höchstwerten

 In einer gemeinsamen schweizweiten Untersuchungskampagne wurden fast tausend Proben von verzehrfertigen Salaten, geschnittenen Früchten, Antipasti und ähnlichen Produkten genommen. In knapp 3 Prozent fanden sich Listerien-Bakterien, allerdings unterhalb des Grenzwerts. Die Hersteller wurden informiert.

Zu keinen Beanstandungen Anlass gaben die untersuchten Wintersalate Rucola, Eisberg, Spinat und Kopfsalat. Die mit dem neuen Lebensmittelrecht 2017 eingeführten Höchstwerte für Nitrat wurden nicht überschritten.

Als erfreulich bezeichnet das Kantonale Laboratorium auch die mikrobiologische Qualität der Rohmilch, die von elf Rohmilchautomaten im Kanton Thurgau stammte. Auch war auf allen Automaten der vorgeschriebene Hinweis vorhanden, dass die Milch vor dem Konsum abgekocht werden muss.

Gutes Trinkwasser, Probleme bei Badewasser

Gut scheint auch das Thurgauer Trinkwasser zu sein. Gemäss Kantonslabor wurden Proben aus 19 Trinkwasserversorgungen auf Pflanzenschutzmittel, Medikamentenrückstände und Chrom (VI) untersucht. Die rechtlichen Höchstwerte wurden in keinem Fall überschritten.

Bei fast der Hälfte der kontrollierten Bäder hatte es zu viel reizendes und giftiges Chlorat und Bromat im Badewasser. Dieses entsteht, wenn Javelwasser als Desinfektionsmittel verwendet und zu wenig Frischwasser zugeführt wird. «Nach der Sensibilisierung der Badebetreiber konnte in diesem Bereich Entwarnung gegeben werden», heisst es im Bericht des Labors. Laut Spinner handelt es sich um ein bekanntes Problem, das auf Javelwasser zurückgeht. Bei der Bewältigung gehe es um «einen Lernprozess der Bäder».

Das Wasser an den Badestellen der Seen ist hervorragend. (Bild: Urs Bucher)

Das Wasser an den Badestellen der Seen ist hervorragend. (Bild: Urs Bucher)

Eine hervorragende mikrobiologische Qualität weist das Badewasser an den untersuchten 34 Badestellen an Seen und Rhein auf. Während der Badesaison wird es regelmässig nach EU-Vorgaben untersucht. Die Messergebnisse von sieben Badestellen werden von der EU übernommen und in einem europaweiten Bericht publiziert.

Erheblicher Aufwand für Exporte nach Russland

Einen «erheblichen Aufwand» verursachen die Importbedingungen von Ländern wie Russland und China. Schweizer Betriebe, die Lebensmittel dorthin exportieren wollen, müssen nachweisen, dass diese dem ausländischen Recht entsprechen. «Zu wünschen bleibt», heisst es im Bericht des Kantonslabors, dass dieser grosse Effort «mit einem Exporterfolg des Unternehmens belohnt wird». Russland verlangt beispielsweise andere Keimuntersuchungen als hierzulande üblich, erklärt Spinner. Auch eine Übersetzung der russischen Gesetzgebung muss im Betrieb vorhanden sein.

Einmal im Monat Schnellwarnung

«Intensive und zeitaufwendige Nachforschungen» hat das Lebensmittelinspektorat 2018 aufgrund von Meldungen des europäischen Schnellwarnsystems durchgeführt. In verschiedenen Fällen wurden Thurgauer Betriebe entlastet oder die Konsumenten schnell und effizient vor möglicherweise gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln oder Gebrauchsgegenständen geschützt. Solche Warnungen aus Europa gehen laut Kantonschemiker etwa einmal im Monat ein. Dabei wird geprüft, welche Verkäufer das Produkt bezogen und wen diese damit beliefert haben. «Es geht darum, das Produkt einzusammeln und vom Markt zu nehmen.»