Thurgauer Heimatschützer sorgen sich um die Kulturgüter: «Wir greifen unsere Einsprachen zum Schutz von Gebäuden doch nicht aus der Luft»

Bei der Jahresversammlung des Vereins Thurgauer Heimatschutz in Egnach war nicht nur das belastete Vereinskonto Thema, sondern auch die Nachlässigkeit von Behörden und Gemeinden gegenüber schützenswerten Bauten.

Judith Schuck
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Die Mitglieder des Vereins Heimatschutz Thurgau konnten die Luxburg in Egnach besichtigen.

Die Mitglieder des Vereins Heimatschutz Thurgau konnten die Luxburg in Egnach besichtigen.

Bild: Judith Schuck

«Wir freuen uns schon, wenn in der Luxburg was passiert!», rufen Anwohner den vorbeilaufenden Heimatschützern zu. Das Egnacher Schlösschen aus dem 14. Jahrhundert liegt inmitten eines Wohngebiets. Anlässlich seiner Jahresversammlung besuchte der Verein Thurgauer Heimatschutz die Liegenschaft.

Nach dem Tod ihres Besitzers wartet die Luxburg darauf, wiedererweckt zu werden. Eine Interessengemeinschaft arbeitet nun daran, das vernachlässigte Bijou der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Fassaden und Interieur schützen

Heimatschutz-Präsident Uwe Moor und Geschäftsführer Gianni Christen sahen das Objekt zum ersten Mal von innen. Der Eindruck von den ältesten Teilen des Schlosses war schockierend. Christen sagt:

«Alles ist herausgerissen, die Wände, die Böden, das ganze Innenleben zerstört.»

Beim Anbau aus dem 18.Jahrhundert konnte viel Bausubstanz bewahrt werden. Vereinspräsident Moor klagt generell, dass das Kerngeschäft des Vereins immer komplizierter würde, weil die Behörden oft nicht mehr auf ihre Einsprachen reagierten. «Dabei greifen wir unsere Einsprachen zum Schutz von Gebäuden doch nicht aus der Luft.» Sie stammten aus dem Baureglement der Gemeinden, die das oft recht «schnoddrig» abhakten. Moor sagt:

«Ich kann manchmal nur noch den Kopf schütteln, wie die Gemeinden mit ihren Quartieren umgehen. Schade, dass wir da nicht mehr Einfluss haben.»

Doch nach dem Luxburg-Besuch sei er wieder hoch motiviert. Das Schlimmste sei, wenn ein Objekt nicht mehr genutzt und dem Verfall preisgegeben werde. In seiner Ausführung zum Jahresbericht erwähnte Moor auch Positives: Fünf Objekte in Ermatingen, die in privater Hand sind: «Ich brauche immer mal wieder eine Motivation, und die gibt es, wenn Privatleute Freude haben an ihrer Bausubstanz.»

Zwei Projekte für TKB-Millionen

Nicht nur das fehlende Bewusstsein für die Zerstörung von Kulturgütern bereitet dem Vorstand der Heimatschützer Kopfzerbrechen; auch die Jahresrechnung benötigt eine «Restauration». «Wenn wir so weitermachen, sind wir in drei Jahren auf Null», sagt Christen, der ein Jahresergebnis von 30'269 Franken Minus präsentiert. Als Massnahme reduziert er sein Amt als Geschäftsführer von 30 auf 20 Stellenprozent bei gleichbleibendem Arbeitsaufwand.

Ausserdem teilt er den Mitgliedern mit, zwei Projekte für die TKB-Millionen eingereicht zu haben. Das erste betrifft die Schutzpläne, die dem Verein in den letzten zehn Jahren vermehrt aufs Portemonnaie drücken: Wenn die Gemeinden bestimmte Objekte nicht in den Schutzplan aufnehmen, obwohl der Denkmalschutz sie als schützenswert einstuft, springt der Heimatschutz ein – was Rechtskosten bedeutet. Oder aber der Thurgauer Heimatschutzpreis, der seit 2016 ausgesetzt wurde, könnte wieder lanciert werden. «Wir sind gespannt, ob eines der Projekte durchkommt», sagt Christen.