Thurgauer Hauseigentümer für Energiewende

Für den Fachmann ist klar: Energie müsste bei Gebäuderenovationen einen Stellenwert wie Brandschutz erhalten.

Thomas Wunderlin
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Energetische Sanierung führt zu Einsparungen

Die Heizkosten für beide Hausteile sind von jährlich 7300 auf 1300 Franken gesunken

Der Eigentümer eines Zweifamilienhauses in Basadingen wollte die Heizkosten senken. (Bild: PD)

Die Handwerker setzten Abstandhalter auf die alte Fassade und montierten Weichfaserplatten darauf. Den Hohlraum füllten sie mit Papierschnitzeln. Auf die Faserplatten montierten sie als Wetterschutz eine Holzschalung.

Die dicker gewordenen Wände erleichterten den Einbau neuer Fenster. Das sanierte Haus hat weder Heizkörper noch eine Bodenheizung, jedoch eine Lüftung und eine Kleinstwärmepumpe.

Die Wärme der Abluft wird für Heizung und Warmwasser genutzt. Auf eine Fotovoltaik-Anlage verzichtete der Bauherr; vor zehn Jahren war sie noch nicht Bedingung, um das Minergie-P-Label zu erhalten. Die Sanierung kostete 500'000 Franken.

Am Basadinger Beispiel werden die Details erklärt

Der Verein Thurgauer Energiefachleute führt diesen November fünf Infoabende für Hauseigentümer an verschiedenen Orten im Kanton durch. Am geschilderten Beispiel eines Zweifamilienhauses in Basadingen erklären die Referenten die Details einer energetischen Sanierung.

In Bürglen und Altnau kamen letzte Woche jeweils über hundert Zuhörer. Das Interesse habe stark zugenommen, sagt Stefan Mischler, Geschäftsführer des Vereins Energiefachleute.

Stefan Mischler, Energieberater. (Bild: PD)

Stefan Mischler, Energieberater. (Bild: PD)

Letztes Jahr seien nur halb so viele Leute gekommen. Diese Woche folgen Infoabende in Neukirch, Felben und Steckborn (infoabende.ch). Die kantonale Abteilung für Energie finanziert die Anlässe, da es zu ihrer Aufgabe gehört, den Thurgauer Energieverbrauch zu senken. Als Sponsor tritt auch die Thurgauer Kantonalbank auf, da Hauseigentümer für Sanierungen oft Hypotheken aufnehmen.

Fördermittel sind ausgebaut worden

Der Basadinger Hauseigentümer konnte für die Sanierung Fördermittel von 70'000 Franken auftreiben. «Heute würde er 117'500 Franken erhalten», sagt Mischler und betont, dass die Bank diesen Förderbeitrag als Eigenmittel akzeptiert.

Die Heizkosten für beide Hausteile sind von jährlich 7300 auf 1300 Franken gesunken. Die Einsparung fällt rein finanziell trotz Fördermitteln nicht ins Gewicht im Verhältnis zu den Investitionskosten.

Energetische Sanierung ist immer noch weitgehend freiwillig

Der Eigentümer hätte sein Haus deutlich billiger renovieren können, wenn er auf die freiwillige energetische Sanierung verzichtet hätte. Doch die Schweiz schafft die Energiewende nur, wenn die jährlich Renovationsrate von einem Prozent aller Häuser erhöht wird.

Energie müsste laut Mischler bei Haussanierungen einen Stellenwert erhalten wie Brandschutz, Erdbebensicherheit, Behindertengleichstellung oder Denkmalpflege. Der Energieberater, der in Hüttwilen ein eigenes Büro betreibt, begrüsst die neuen Mustervorschriften für den Energiebereich, die der Grosse Rat demnächst behandelt: «Sie sind hervorragend, müssten aber schon lange in Kraft sein.»

Ältere Hauseigentümer verzichten laut Mischler oft auf eine Sanierung, da sie nicht wüssten, was in Zukunft mit ihrem Haus geschehe, ob es vielleicht abgerissen werde:

«Eigentümer sollten bedenken, dass ihr Haus mehr Wert ist, wenn es top auf Vordermann gebracht worden ist.»

Die Frage nach der Rendite ist nach Meinung des Energieberaters ohnehin falsch gestellt: «Ein Bad und eine Küche werden alle 15 Jahre saniert; da fragt auch niemand nach der Rendite.» Bei der Gebäudehülle sei eine Sanierung alle 60 Jahren fällig; wer sein Haus saniere, der solle es richtig machen und sich sagen: «Ich möchte meinen Kindern doch keine Villa Durchzug hinterlassen.» Wie der Andrang an den Infoabenden zeigt, wollen das offensichtlich viele Hauseigentümer tatsächlich nicht.