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Gewerbler gegen Gewerbler

Der Thurgauer Gewerbeverband unterstützt seine Mitglieder nur, wenn sie für bürgerliche Parteien kandidieren.
Thomas Wunderlin

Der Thurgauer Gewerbeverband (TGV) gibt 95000 Franken aus, um in Inseraten und Broschüren 19 Kandidaten für das eidgenössische Parlament zu unterstützen. Mit seinen 6670 Mitgliedern ist der TGV eine Macht, die eine Wahl entscheiden kann. Wer die wertvolle Hilfe erhält, darüber hat am 23. April die Präsidentenkonferenz der 30 örtlichen Gewerbevereine und der 38 Berufsverbände entschieden.

Das Gremium hat unverändert die Vorschläge des Vorstands übernommen. Drei der unterstützten Kandidaten gehören selber dem Vorstand an: Hansjörg Brunner, FDP-Nationalrat und TGV-Präsident, SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr und FDP-Kantonsrat Viktor Gschwend.

Nicht zur Wahl empfiehlt der TGV jedoch Peter Dransfeld, Inhaber eines Architekturbüros in Ermatingen, Kurt Egger, Inhaber eines Energieberatungsbüros in Sirnach, und Reto Ammann, Verwaltungsratspräsident der SBW Haus des Lernens AG. Alle drei sind Mitglieder des Gewerbeverbands. Doch Egger und Dransfeld kandidieren für die Grünen, Ammann für die Grünliberalen. Der TGV-Vorstand unterstützt keine Kandidaten der GP, GLP oder SP.

Viele Gewerbler bei den Grünen und Grünliberalen

Dransfeld spricht von einer «engstirnigen und rückwärtsgewandten Politik» des TGV. «In der GP und in der GLP haben wir einen überdurchschnittlichen Gewerbleranteil auf den Listen.» Wenn es um Differenzen etwa in der Frage der Unternehmensbesteuerung gehe, könne er die Distanzierung des TGV verstehen.

Das gelte jedoch nicht für die Energiefrage. «Die ganze Energiewende ist vom Gewerbeverband nach Strich und Faden zerzaust worden.» Dabei werde sie vor allem von Gewerblern getragen. Ausserdem kämen die neuen erneuerbaren Energien im Vergleich mit der Atomkraft mit wenig staatlichen Beihilfen aus. Egger teilt die Kritik Dransfelds am Gewerbeverband. Ammann hält sich hingegen zurück bezüglich der fehlenden Unterstützung: «Da kann man nichts machen. Ich bin trotzdem Gewerbler und Unternehmer.»

Bauernverband unterstützt Kandidatin der Grünen

Im Unterschied zum Gewerbeverband unterstützt der Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL) Kandidaten mit landwirtschaftlichem Bezug, auch wenn sie für links-grüne Parteien antreten. Dazu gehört etwa die Amriswiler GP-Nationalratskandidatin und Bäuerin Sandra Reinhart; laut GP-Parteipräsident Kurt Egger erhält sie vom VTL sogar 1000 Franken für ihren Wahlkampf.

Wie der Gewerbeverband verhält sich die Wirtschaftsgruppe des Grossen Rats, die ebenfalls von Hansjörg Brunner präsidiert wird. Sie umfasst 26 der 130 Mitglieder des Kantonsparlaments. Diese treffen sich zwei- bis drei Mal pro Jahr zur Vorberatung von Geschäften, die aus Gewerbesicht besonders wichtig sind. «Wir werden nicht eingeladen», sagt Kurt Egger, «nicht einmal, wenn es um Energie geht. Dabei wäre das Know-how bei Peter und mir.»

Auch im Kantonsparlament zeigen sich die Bauern offener als die Gewerbler. Laut Egger nehmen die GP-Kantonsräte Toni Kappeler und Mathis Müller an den Treffen der landwirtschaftlichen Gruppe des Grossen Rats teil: «Sie werden akzeptiert, auch wenn es manchmal Differenzen gibt, etwa wenn es um Pestizide geht.»

Dransfeld und Egger fühlen sich innerhalb des Gewerbeverbands in erster Linie ihrer Lokalsektion verbunden. Ammann ist sogar Mitglied in Kreuzlingen und in Romanshorn. Von seinem Mitgliederbeitrag profitiere auch der übergeordnete Gewerbeverband, sagt Dransfeld: «Mit meinem Geld macht er Werbung für Diana Gutjahr.» Egger ist vor allem aus Solidarität Mitglied des Gewerbevereins in Sirnach: «Es ist wichtig, dass wir uns austauschen.» Er habe wenige Kunden vor Ort. «Doch ich bin dafür, dass man in Sirnach einkauft und nicht in Konstanz.»

Uli Mack, Präsident des Ermatinger Gewerbevereins, bezeichnet Peter Dransfeld als «sehr engagierten Gewerbler; er bewegt viel». Ob der TGV Dransfelds Nationalratskandidatur unterstützen sollte, könne er nicht beurteilen.

Millionenaufträge fürs Thurgauer Baugewerbe

Dransfeld fragte TGV-Präsident Brunner in einem Brief, wie die Wahlempfehlungen des TGV zustanden gekommen sind und ob er bereit sei, ihn nachträglich zu unterstützen. Dransfeld strich heraus, dass er seit 25 Jahren Mitglied des Gewerbeverbands sei, ein Architekturbüro mit 10 Mitarbeitern führe, bisher 14 Lehrlinge ausgebildet und Bauaufträge von rund 50 Millionen Franken ans Thurgauer Gewerbe vergeben und betreut habe. Anstelle Brunners antwortete TGV-Geschäftsführer Marc Widler. Er bestätigte, dass der TGV-Kantonalvorstand die Zugehörigkeit zu einer bürgerlichen Partei als Kriterium bei den Wahlempfehlungen anwendet. Dabei gehe es «in erster Linie um Glaubwürdigkeit». Es wäre den Mitgliedern und der Öffentlichkeit schwer zu erklären, weshalb Kandidaten von Parteien unterstützt werden sollten, deren Programm sich nicht mit der Ausrichtung des TGV vereinbaren lasse.

Auf Anfrage sagt Widler, der Vorstand wolle keine Kandidaten von Parteien empfehlen, deren Initiativen der Verband bekämpfe. Gegenüber erneuerbaren Energien sei der Gewerbeverband sehr offen.

In der Antwort an Dransfeld wies Widler darauf hin, dass der Kantonalvorstand lediglich Vorschläge mache: «Den Teilnehmern der Präsidentenkonferenz steht es jedoch offen, die Wahlvorschläge beliebig zu erweitern.» Der Ermatinger Gewerbevereinspräsident Mack bestätigt, dass sich Dransfeld bei ihm hätte melden können, um vom TGV unterstützt zu werden. Er hätte dann der Präsidentenkonferenz den Antrag weitergeleitet. Dransfeld habe das wahrscheinlich nicht gewusst.

Mack habe das selber nicht gewusst, kommentiert Dransfeld. Der Verband habe die Präsidenten der Mitgliedervereine nie darüber informiert.

Noch ist nicht entschieden, ob der TGV-Vorstand für die Grossratswahlen vom 15. März 2020 wiederum nur Kandidaten der bürgerlichen Parteien empfiehlt. «Wir haben die kritischen Rückmeldungen gehört», sagt Widler. Damit wolle er aber nicht ankündigen, dass die Kriterien geändert würden.

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