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Kolumne

Thurgauer Gericht: Der alte Bekannte darf sich nochmals bewähren

Tagesgericht
Thomas Wunderlin
Der Beschuldigte stand vor dem Bezirksgericht Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Der Beschuldigte stand vor dem Bezirksgericht Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Dank seiner kräftigen Arme kann er gelegentlich bei einer Zügelfirma aushelfen. Sonst hat der 30-jährige kahlrasierte Schweizer wenig zu tun. Er lebt von Sozialhilfe und wohnt wieder bei seiner Mutter in Zürich, seit er im Juli 2017 aus dem stationären Massnahmenvollzug im Appenzeller Vorderland entlassen worden ist. Dorthin soll er zurück, wenn es nach dem Amt für Justizvollzug geht. Denn er hat die Weisungen des Amts in den Wind geschlagen.

Er wolle eine Stelle suchen und seine Schulden sanieren, versichert er den Frauenfelder Bezirksrichtern. Die Stellensuche sei allerdings «schwierig mit diesem Strafregisterauszug». Darum nehme er demnächst an einem Arbeitsintegrationsprogramm teil. Die Richter kennen ihn: Sie hatten ihn 2014 wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte seine Freundin umbringen wollen, die sich von ihm getrennt hatte. Gemäss einem Gutachten war er alkohol- und kokainabhängig und litt zur Tatzeit an einer Alkoholvergiftung. Das Gericht schob deshalb den Vollzug der Strafe zu Gunsten einer stationären Suchtbehandlung auf.

Der Beschuldigte blieb den Terminen fern

Dort schien sich der gebürtige Schwamendinger nach zwei Jahren soweit stabilisiert zu haben, dass eine bedingte Entlassung bei einer dreijährigen Probezeit zu rechtfertigen war. Allerdings hätte er sich von Alkohol und Kokain fernhalten, sich regelmässig mit einem Bewährungshelfer treffen und einer Psychotherapie unterziehen müssen. Gemäss dem Sozialbericht der Zürcher Bewährungs- und Vollzugsdienste zeigte er sich zunächst kooperativ.

Doch bereits am 28. September 2017 wurde er positiv auf Alkohol getestet, ebenso am 1. Februar 2018. Da gestand er, er habe mehrere Tage lang Alkohol und Kokain konsumiert. Weitere Termine für die Urinkontrolle liess er unentschuldigt verstreichen. Beim Psychotherapeuten tauchte er zum letzten Mal am 24. Januar auf, nachdem er erst am 10. Januar zum ersten Mal dort gewesen war. Mit dem Bewährungshelfer sprach er zuletzt am 2. Februar, dann brach er den Kontakt ab.

Bei einem weiteren Verstoss gibt es keine Diskussion mehr

Laut dem Sozialbericht pflegt er ein «eher resigniertes Selbstbild» und ist sehr misstrauisch. Er verfüge aber «absolut über die kognitiven Fähigkeiten», um ein Leben in der Legalität zu führen, falls er sich «aus seiner doch recht anarchistisch geprägten Weltsicht lösen könne». Nach der positiven Kontrolle im Januar 2018 erklärte er laut Sozialbericht, er überlege sich, ob er einen gelegentlichen Konsum von Alkohol und Kokain mit einem legalen Leben vereinbaren könne. «Das war nur ein Gedanke», wiegelt er jetzt ab, «ich sehe nichts Gutes darin.» Seit seinem Rückfall sei er sauber.

Er mache einen besseren Eindruck als das letzte Mal, attestiert der vorsitzende Richter dem rückfälligen Kokainkonsumenten. Das Gericht lehnt seine Rückversetzung in den stationären Vollzug ab, verlängert aber seine Probezeit auf viereinhalb Jahre. Er müsse die Kontrolltermine wahrnehmen und sich in das Setting mit Bewährungshilfe und Therapie einfügen, erklärt ihm der vorsitzende Richter eindringlich. Falls «wieder etwas ist», werde er in den stationären Vollzug zurückversetzt. «Dieses Gericht wird nicht mehr lange darüber diskutieren.»

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