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Thurgauer Fussballvereine in Platznot: Aufnahmestopp bei 14 von 27 Clubs

Die Beliebtheit des Fussballs steigt durch die WM in Russland, doch die 69 Fussballplätze im Kanton reichen nicht mehr aus. Ein Augenschein beim SC Berg.
Ines Biedenkapp
Die Nummer vier wartet beim Training des FC Frauenfeld auf seinen Einsatz. (Bild: Andrea Stalder)

Die Nummer vier wartet beim Training des FC Frauenfeld auf seinen Einsatz. (Bild: Andrea Stalder)

Auf dem Platz wimmelt es von Kindern. Sie jubeln, geben sich High-Fives oder feuern sich gegenseitig an. Dabei sind sie auch immer konzentriert am Ball. Gerade hat das Training beim SC Berg begonnen. Insgesamt trainieren dort jeden Dienstag 80 bis 100 Kinder gleichzeitig auf den zwei grossen Plätzen der Sportanlage «Meienägger». Das klingt zwar nach viel Platz, ist es aber nicht. Denn der Verein hat ein grosses Problem: die Anzahl der Spieler wächst, der Platz zum Trainieren bleibt jedoch der gleiche. Seit der Gründung des Vereins im Jahre 1975 ist der Verein stetig gewachsen. Waren es im Jahr 2000 noch sieben Mannschaften, so hat sich die Zahl der Trainierenden bis heute mehr als verdoppelt. Zurzeit hat der Club 14 Männer- und eine Frauenmannschaft.

Doch der SC Berg ist nur ein Beispiel und steht mit seinem Problem nicht alleine da. Denn die Fussballvereine im Thurgau platzen sprichwörtlich aus allen Nähten: 14 von 27 Vereinen sahen sich nun dazu genötigt, einen Aufnahmestopp zu verhängen. Dabei geht es vor allem um die mangelnde Infrastruktur. Es fehlt an Sportplätzen, auf denen auch ganzjährig und bei schlechtem Wetter gespielt werden kann. Aber auch Umkleidekabinen werden zur Mangelware. Zum Vergleich: das Clubhaus des SC Berg beherbergt zehn Duschen und fünf Umkleidekabinen. Trainieren mehrere Teams gleichzeitig, kommt es sehr schnell zu einem Gedränge und einem Platzproblem. Um diesem entgegenzuwirken, hat der SC Berg im Jahr 2011 das Vereinsheim im Keller zwar mit einer kleinen Umkleide für Frauen ausgebaut, dennoch reicht der Platz nicht aus.

Vor allem für Frauen-Teams eine Herausforderung

Training beim SC Berg.

Training beim SC Berg.

Von aktuell 7808 Spielern im Thurgau sind derzeit 413 Mädchen und Frauen – mit zunehmender Tendenz. Das ist ein Anteil von 5,3 Prozent. Beim Bau vieler Trainingsplätze wurde nicht berücksichtigt, dass Männer- wie Frauen-Teams auf dem selben Gelände trainieren. Das verschärft das Platzproblem. «Unter der Woche kann man zwar Rücksicht aufeinander nehmen, wenn man aber Turniere hat, wird es schwierig und auch hektischer», sagt Patrick Küng, Trainer beim SC Berg und einer der Vorsitzenden des Thurgauer Fussballverbandes. Der Ausbau der Mädchenumkleide im Keller ist daher noch keine Ideallösung.

Nun steht die Weltmeisterschaft in Russland kurz bevor und gerade solche Events verhelfen dem Fussball zu seiner Beliebtheit, weiss Patrick Küng. Bisher reichten die 69 Fussballplätze im Kanton für die Trainings der 392 Teams aus. Jedoch sind von allen Feldern nur 54 durch den Ostschweizer Fussballverband für Meisterschaften zugelassen, davon vier der sechs Kunstrasenfelder. Eine Umfrage im Rahmen des kantonalen Sportanlagenkonzepts (KASAK) zeigte darüber hinaus, dass elf der Vereine über zu wenig Garderoben verfügen und 14 Vereine zu wenig Rasenflächen haben. Da nun gleichzeitig mehr Spieler auf dem Platz stehen, steigt die Beanspruchung des Rasens, was zu einer intensiveren Pflege und höheren Kosten für die Vereine führt.

«Der Rasen muss vermehrt belüftet, gesandet und bewässert werden.»
Fritz Küng, Platzwart des SC Berg

«Der Rasen muss vermehrt belüftet, gesandet und bewässert werden», erklärt Fritz Küng, Platzwart des SC Berg. Insgesamt gebe der Verein zwischen 35000 und 40000 Franken im Jahr für den Unterhalt aus. Geld für den Platzwart ist dabei nicht mit eingerechnet. «Ich sehe das mehr als mein Hobby an», sagt Fritz Küng. Vor allem die Anschaffung der Geräte für die Pflege ist teuer. Zudem hat der Rasen durch die hohe Beanspruchung selbst kaum mehr Ruhephasen, in denen er sich wieder erholen kann.

Bei schlechtem Wetter wird es noch schwieriger

Mit vollem Einsatz dabei...

Mit vollem Einsatz dabei...

Damit die Kinder spielen können, steht Fritz Küng auch gerne mal mitten in der Nacht auf dem Platz. «Wir haben keine Bewässerungsanlage», erklärt er. Damit das Wasser bei Hitze nicht gleich verdampft, bewässert er selber den Platz – wenn nötig auch Nachts: «Im April musste ich bereits drei Mal pro Nacht bewässern, das hatte ich noch nie.» Doch wohin, wenn der Platz gesperrt ist? Gerade im Winter weiche man ja schon auf die umliegenden Gemeinden aus, meint Patrick Küng. «Wenn das Wetter schön ist, dann können gut 50 Leute auf dem Platz trainieren, aber nicht wenn es stark regnet», fügt der Platzwart Fritz Küng hinzu. Wenn die Wiesen gesperrt sind, wird zum Teil auf den roten Plätzen, im Kraftraum oder in den umliegenden Gemeinden trainiert und die Fussballplätze werden genauestens eingeteilt: «Die Jugendlichen bekommen jeweils einen halben Platz, während die Bambinis jeweils auf ein Viertel aufgeteilt werden», sagt Patrick Küng. Dennoch wünschen sich die Verantwortlichen des SC Berg einen Kunstrasen, da auf diesem während des gesamten Jahres gespielt werden kann. «So könnten wir auch andere Vereine entlasten, da wir im Winter die Halle nicht belegen müssten», zeigt Patrick Küng die Vorteile auf.

Auch der FC Frauenfeld wird derzeit von Anfragen überrannt. Da der Verein bereits über einen Kunstrasen verfügt, haben sich die Verantwortlichen eine andere Lösung ausgedacht. Wer noch keinen Platz in einem Team hat, kann vorerst ein freies Training besuchen.

Aus dem Rugby zum Fussball

Am 14. Juni beginnt die Fussball-Weltmeisterschaft in Russland. Das steigert die Beliebtheit des Sports vor allem bei jungen Spielern. Doch woher kommt Fussball? Die Geschichte der beliebten Sportart, wie wir sie heute kennen, reicht mehr als 100 Jahre zurück. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Rugby und Fussball vor allem als Schulsport beliebt. Doch jede Schule hatte ihre eigenen Regeln. So nahmen einige den Ball in die Hände, während es bei anderen verboten war. Erst im Jahre 1863 unternahm man Anstrengungen, die Regeln zu vereinheitlichen und trennte Rugby und Fussball voneinander. Daraufhin entstand die erste Interessenvertretung des Fussballs, der Englische Fussballverband. Die neue Sportart kam auch in die Schweiz, welche 1895 den Schweizerischen Fussballverband gründete. Die Schweiz agierte zudem als Gründungsmitglied des Weltverbands FIFA 1904 in Paris. Dessen Mitgliederzahl stieg rasch an, so dass 2007 der FIFA bereits 208 Nationen angehörten. Doch 1995 bewirkte das Urteil im «Fall Bosman» eine Änderung der Regeln. Damals hatte belgischer Profispieler Jean-Marc Bosman geklagt, dass sein Transfer vom RFC Lüttich zum französischen Zweitligaklub Dünkirchen durch eine zu hohe Ablösesumme unmöglich gemacht wurde. Der Europäische Gerichtshof gab ihm Recht. Damit erreichte Bosman, dass ein Klubwechsel nach beendetem Arbeitsvertragsverhältnis durch finanzielle Forderungen des abgebenden Klubs nicht mehr be- oder verhindert werden darf. Das Urteil hatte weitreichende Folgen, nicht nur im Sport, sondern auch im europäischen Arbeitsrecht. (ibi)

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