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Thurgauer Fischer fordern grünere Flüsse

Um ein Massensterben von Fischen künftig zu verhindern, setzt sich der Fischereiverband Thurgau für natürliche Gewässer ein. Sogar ein Badeverbot könnte seiner Meinung nach nötig werden, wenn es weitere Hitzesommer gibt.
Larissa Flammer
Im Murg-Auen-Park in Frauenfeld wurde der Fluss vor wenigen Jahren revitalisiert. (Bild: Donato Caspari)

Im Murg-Auen-Park in Frauenfeld wurde der Fluss vor wenigen Jahren revitalisiert. (Bild: Donato Caspari)

Knapp 40 Prozent der Thurgauer Fliessgewässer befinden sich in schlechtem Zustand. Das ist unter anderem den Fischern ein Graus. «Uns gibt es zu wenig Renaturierungen», sagt Christoph Maurer, Präsident des Fischereiverbands Thurgau.

Ein Viertel dieser Fliessgewässer, die sich in schlechtem Zustand befinden oder stark verbaut sind, soll gemäss Bundesvorgabe in den kommenden 80 Jahren zwar revitalisiert werden. Das ist für Maurer aber ein zu langer Zeitraum.

Möglichst natürliche Flüsse und Bäche werden noch wichtiger, wenn es künftig vermehrt Hitzesommer gibt. Denn bereits bei Wassertemperaturen ab 23 Grad wird es für die meisten Fischarten kritisch. Maurer erklärt: «Vor allem bei künstlichen Wasserbauten wie Kanälen, bei denen das Wasser in der prallen Sonne nur geradeaus fliesst, erwärmt es stark.» Sprudelt es dagegen über Steine und spenden Bäume und Buschwerk Schatten, nimmt das Wasser viel weniger Wärmeenergie auf.

Gewässer sollen möglichst vielfältig sein

Heinz Ehmann, Leiter der Abteilung Gewässerqualität und -nutzung beim Thurgauer Amt für Umwelt, teilt die Meinung des Fischereiverbands.

«Was wir brauchen, sind möglichst viele Fliessgewässer, die einen natürlichen oder naturnahen Zustand aufweisen und vielfältige Lebensräume bieten.»

Das bedeutet Schatten, schnell und langsam fliessende Abschnitte sowie Bereiche mit grosser Wassertiefe aber auch flache Kiesbänke. «Wichtig ist auch eine gute Durchgängigkeit», sagt Ehmann. So können Fische an Rückzugsorte mit kühlerem Wasser flüchten.

Fische müssen an kühlere Stellen flüchten können

Diesen Punkt betont auch der Präsident des Fischereiverbands. Viele Bäche seien heute von den Flüssen abgeschnitten. «Auf der Thurgauer Seite des Rheins hat man diesen Sommer wieder Zuflüsse ausgebaggert», sagt Maurer. Einerseits können dadurch die Fische in die kühleren Zuflüsse rein schwimmen, andererseits entstehen so kühle Zonen im Fluss.

Der Geisslibach in Diessenhof ist ein Beispiel dafür. Maurer sagt: «Diese Zuflüsse müssten durch bauliche Massnahmen permanent geöffnet werden.» In Diessenhofen sei der Geisslibach heute durch den Hafen blockiert. Ehmann bestätigt die grosse Bedeutung einer Anbindung von Seitengewässern: «Das hat sich diesen Sommer mit den Wassertemperaturen im Rhein von bis 27 Grad gezeigt.»

Umweltreporter Leon zeigt Äschenrettung

Lokale Fischereivereine haben im Hitzesommer 2018 viele Anstrengungen unternommen, um die Fische vor dem Tod zu retten. Christoph Maurer, Präsident des Fischereiverbands Thurgau, betont, dass diese Aktivitäten alle in Fronarbeit geleistet werden. Wie die Rettungsaktion in Diessenhofen ablief, hat Umweltreporter Leon auf seinem Youtube-Kanal festgehalten:

Badende und Hunde scheuchen Fische auf

Überhaupt kein Problem haben die Thurgauer Fischer mit dem Biber, obwohl dieser ab und zu einen Schatten spendenden Baum fällt. Badende seien schon eher ein Problem. Wenn die hitzeleidenden Fische aus kühlen Gewässerzonen vertrieben werden, steigert das ihr Stresslevel noch mehr. Maurer sagt: «Es wird ein Badeverbot brauchen, wenn es künftig wieder so heiss wird.» Allerdings scheuchen auch etwa Hunde die Fische aus ihren Zufluchtsorten.

Ein Auge hat der Fischereiverband auch auf Abwärme aus Abwasser und Industrieanlagen. Abteilungsleiter Ehmann beschwichtigt: «Grosse Industrieanlagen, welche Abwärme in Fliessgewässer einleiten, gibt es im Thurgau keine.» Gereinigtes Abwasser sei im Sommer zudem normalerweise leicht kälter als die Fliessgewässer.

«Naturnah» ist bei Wasserbau-Projekten Vorgabe

Die Revitalisierung der Gewässer ist ein gesetzlicher Auftrag. 2015 erstellte der Kanton eine Revitalisierungsplanung für Bäche und Flüsse, die zum Ziel hat, den Anteil an natürlichen und naturnahen Fliessgewässern zu erhöhen. Ehmann sagt: «Im Einzelfall kann es zudem durchaus sinnvoll sein, eine zusätzliche Tiefwasserzone zu erstellen, Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen oder die Beschattung eines Baches zu erhöhen.»

Im Rahmen von Wasserbauprojekten werde jeweils eine naturnahe Strukturvielfalt so weit wie möglich wieder hergestellt. Auch bei Hochwasserschutzprojekten verlangt das Gesetz, dass eine standorttypische Ufervegetation gedeihen kann und dass Gewässer und Gewässerraum so gestaltet werden, «dass sie einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt als Lebensraum dienen».

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