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Thurgauer FDP-Präsident Bon: «Wenn man Politik macht, muss man auch Niederlagen ertragen können»

Trotz des verlorenen Nationalratssitzes blickt der FDP-Thurgau-Präsident David H. Bon mit Zuversicht in die Zukunft.
Judith Schuck
FDP-Thurgau-Präsident David H. Bon. (Bild: Donato Caspari)

FDP-Thurgau-Präsident David H. Bon. (Bild: Donato Caspari)

David H. Bon relativiert einen Tag nach der Wahl das desaströse Ergebnis. Es gebe Verbesserungspotenzial, aber die FDP sei mit 11,5 Prozent Wähleranteil immer noch viertstärkste Partei im Thurgau. Ob sein Posten frei wird, ist noch unklar.

Der Wahlsonntag war für die FDP ein Debakel. Was enttäuschte Sie am meisten?

David H. Bon: Der Wahlausgang ist wirklich sehr enttäuschend. Wir haben aber auch vieles richtig gemacht. 2015 waren wir mit 13 Prozent sehr hoch, 2007 hatten wir bereits 11,7 Prozent und 2011 11,2 Prozent. Schlimm ist, dass Hansjörg Brunner seinen Nationalratssitz verloren hat.

Sie sagten, Ihre Wunschlistenverbindung wäre mit der CVP gewesen. Nun hat Sie die Verbindung mit der SVP den Sitz gekostet.

Ja, mit der CVP hätte es gereicht, unseren Sitz zu halten. Was die CVP betrifft, so war es ihre alleinige Entscheidung, nicht mit uns eine Listenverbindung einzugehen.

Sie hätten sich also in der Mitte wohler gefühlt als mit den Rechten?

Mit der Listenverbindung absolut. Im Grunde bin ich aber dafür, dass Listenverbindungen abgeschafft werden. Hansjörg Brunner hatte ein hervorragendes Resultat. Viel besser als das von Kurt Egger. Da frage ich mich schon: Wurde hier der Wählerwille umgesetzt?

Hatte Ihre Partei denn gute Kandidaten, die sich im Wahlkampf ausreichend engagierten?

Wir hatten sehr gute Leute auf unseren Listen. Für eine erfolgreiche Wahl muss man Leute finden, die bekannt und verankert sind. Das war vielleicht ein Problem im Vergleich zu vor vier Jahren, da wir uns in einem Generationenwechsel befinden. Betrachtet man ihren Werdegang und ihr Engagement, waren alles sehr gute Kandidaten.

An der FDP wird immer wieder bemängelt, dass sie dem Gewerbeverband zu nahe stehe. Sollte sich Ihre Partei mehr öffnen für eine neue Wählerschaft?

Wir haben eine sehr breite Wählerschaft und sind sehr offen eingestellt. Angestellte wie Akademiker, Leute aus dem Gesundheitswesen oder Freischaffende sind in der FDP. Vom Gewerbeverband lassen wir uns nichts vorschreiben, davon möchte ich mich klar abgrenzen. Hansjörg Brunner hat das auch niemals versucht und eindeutig auch als FDPler, nicht nur als Präsident des Thurgauer Gewerbeverbands, Wahlkampf gemacht. Als Wirtschaftspartei besteht einfach historisch bedingt eine Nähe zum Gewerbeverband.

Sie sagten am Wahlsonntag, im Wahlkampf habe eine klare Linie gefehlt. Wie könnte das Profil künftig geschärft werden?

Wir haben eine liberale, klare Grundhaltung. Wir stehen für die Selbstbestimmung des Individuums in einer regulierten Gesellschaft. Aber bei spezifischen Fragen antworten wir oft zu differenziert, weil wir allen Punkten gerecht werden wollen. Nach aussen wirkt das dann wenig konkret und attraktiv. Wir müssen zugespitzter formulieren. Die Bürger sollen uns verstehen. Das hat man auch bei unseren Wahlslogans gemerkt.

Auf welche Slogans spielen Sie da an?

«Mir beweget» zum Beispiel. Das klingt erst mal gut, aber was wird denn bewegt? Wir sollten keine Angst haben, Profil zu zeigen. Schon in den 1980ern haben wir Broschüren über Biodiversität geschrieben. Aber wir waren in der Umsetzung zu wenig aktiv, weil wir nicht gerne Vorschriften machen und zurückhaltend sind bei neuen Gesetzen.

Demnach hätten Sie für die «Klimawahl» das Thema Umwelt ebenfalls deutlicher in den Wahlkampf einbringen müssen.

Die Umwelt kam definitiv zu kurz. Wir müssen zeigen, dass wir da weiterschaffen. Bei uns ist allerdings der Fokus auf Innovation wichtig, nicht Rückschritt wie bei den Grünen. Und wir wollen keinen Dogmatismus. Wir sind gegen Technologiescheuklappen und generelle Verbote.

Der Sitzverlust ist dieses Jahr nach der Abwahl als Stadtpräsident von Romanshorn Ihre zweite Niederlage. Bleiben Sie Parteipräsident?

Wenn man Politik macht, muss man auch Niederlagen ertragen können und auf das in Romanshorn Geleistete bin ich nach wie vor stolz. Ich habe gestern viele motivierende Worte gehört. Wir reden offen, dabei soll auch die Parteiführung kein Tabu sein. Für mich ist sie ein Privileg.

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