Interview
Thurgauer Eishockey-Talent Egli: «Solange das WM-Kader nicht feststeht, kämpfe ich um einen Platz»

Der 21-jährige Frauenfelder Dominik Egli arbeitet sich mit Talent, Fleiss und Bescheidenheit an die Eishockey-WM heran. Am Donnerstag in Herisau und am Freitag in Olten bestreitet er zwei weitere Länderspiele gegen Deutschland.

Interview: Matthias Hafen aus Olten
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Dominik Egli und seine Teamkollegen bereiten sich in Olten auf die Länderspiele gegen Deutschland vor.

Dominik Egli und seine Teamkollegen bereiten sich in Olten auf die Länderspiele gegen Deutschland vor.

Bild: Marc Schumacher/Freshfocus

Nach den Aufgeboten für den Deutschland-Cup 2019 und dem Heimturnier vom Dezember in Visp steht Dominik Egli diese Woche erneut mit Nationaltrainer Patrick Fischer auf dem Eis. In Olten bereitet sich der Thurgauer Verteidiger des SC Rapperswil-Jona auf die Länderspiele gegen Deutschland vor. Gespielt wird heute in Herisau und morgen in Olten. Beginn ist jeweils um 20.15 Uhr.

Dominik Egli, die Vorfreude auf die Heim-WM im Mai wächst. Wie gross schätzen Sie Ihre Chancen ein, als Spieler dabei zu sein?

Dominik Egli: Die Chancen sind wahrscheinlich klein. Mit Raphael Diaz, Ramon Untersander, Joël Genazzi, Romain Loeffel und all den anderen, die schon WM-Erfahrung haben, ist die Konkurrenz gross. Dann kommen noch die NHL-Profis dazu, die fürs Turnier aus Nordamerika dazustossen werden. Aber solange das Kader nicht steht, kämpfe ich auf jeden Fall um einen Platz im WM-Team.

Sie schweben in dieser Saison zwischen dem Schweizer A-Kader und dem Perspektiv-Kader. Auf welcher Stufe sehen Sie sich aktuell?

Nach der vergangenen Saison hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass ich in diesem Winter überhaupt für die Nationalmannschaft aufgeboten werde. Dann aber habe ich am Deutschland-Cup meine Chance genutzt. Dennoch hätte ich erwartet, dass in Visp gegen Norwegen und Russland ein paar andere dabei sind, die in der Hierarchie eigentlich vor mir kommen. Aber natürlich habe ich mich sehr darüber gefreut.

Nun weilen Sie im Camp der inoffiziellen U23-Nationalmannschaft. Wo fühlen Sie sich mehr hingezogen?

Auch das macht grossen Spass, weil ich hier wieder mit Leuten spiele, die ich aus dem Nachwuchs kenne. Und ich merke, dass ich hier bereits eine andere Rolle habe, mehr Verantwortung übernehmen muss.

Sie haben sich primär dank starker Auftritte im NLA-Abstiegskampf mit Rapperswil-Jona für das Nationalteam aufgedrängt. Wie verschieden sind die beiden Welten für Sie?

Ich versuche immer, das Beste zu geben, egal für welche Mannschaft ich spiele. Insofern sind die Welten nicht verschieden. Das Niveau ist in der Nationalmannschaft schon ein bisschen höher. Aber wir sind mit Rapperswil-Jona in der National League nicht so schlecht dran in dieser Saison, können in jedem Spiel mithalten und verlieren oft nur ganz knapp.

Als 21-Jähriger gehören Sie bei Rapperswil-Jona schon zu den spielbestimmenden Figuren. Betrachten Sie diese Saison als Durchbruch?

Ich versuche zumindest, die Saison dazu zu nutzen. Nach der vergangenen Meisterschaft, in der ich mit mir nicht zufrieden war, wollte ich eine Reaktion zeigen. Ich wollte mir beweisen, dass ich es besser kann. Ich glaube, das ist mir bis jetzt gelungen.

Wie soll es nun weitergehen?

Eine gute Saison alleine reicht nicht, um sich in der Schweizer Elite zu etablieren und irgendwann fix zum Nationalkader zu gehören. Ich erwarte von mir eine Bestätigung dieser Saison.

Ihr Vertrag in Rapperswil läuft bis Ende 2020/21 weiter. Können Sie sich in dieser Mannschaft überhaupt noch weiterentwickeln?

Ich habe jetzt mit 21 Jahren mal eine gute Saison. Jetzt liegt es an mir, diese Leistung konstant zu erbringen, Spiel für Spiel. Dafür ist Rapperswil-Jona der richtige Ort, weil ich hier Verantwortung übernehmen kann und das Vertrauen in mich spüre. Sollte mir im nächsten Winter nochmals eine so starke Saison gelingen wie heuer, kann ich dann noch immer neu evaluieren, wo es weitergehen soll.

Ex-NHL-Profi Albelin gibt Egli das Gütesiegel

Für Tommy Albelin stellt sich die Frage nicht, ob es Verteidiger Dominik Egli ins WM-Kader des Schweizer Nationalteams schafft. Für den Assistenten von Headcoach Patrick Fischer ist das nur noch eine Frage der Zeit. «Egli bringt alles mit, was es braucht, um auch international erfolgreich zu sein», sagt Albelin, der im Schweizer Trainerstab primär für die Defensive verantwortlich ist. Und der 55-jährige Schwede muss es wissen. Als Verteidiger absolvierte er über 1000 NHL-Partien für die Quebec Nordiques, New Jersey Devils und Calgary Flames. Mit New Jersey gewann er 1995 und 2003 den Stanley Cup, davor hatte er 1987 den WM-Titel mit dem Tre-Kronor-Team gewonnen. Dominik Egli ist für Albelin ein besonderer Spieler. «Der Junge ist mit seinen 1,73 Metern nicht besonders gross, aber er schafft es dennoch, auf dem Eis Akzente zu setzen.» Heutzutage seien hinten nicht mehr nur Hünen gefragt. «Heute brauchst du auch technisch versierte Verteidiger», sagt Albelin. Solche wie Egli. Dessen Akzente sind vorab im Spiel nach vorne erkennbar. Der junge Thurgauer vom NLA-Team Rapperswil-Jona beschreibt sich selber als Offensivverteidiger mit dem Drang, etwas zu kreieren. Seine sieben Tore und 23 Assists in 37 Spielen mit Rapperswil-Jona zeugen von grossem Talent diesbezüglich. «Egli weiss sehr viel mit dem Puck anzustellen, hat das Auge für einen guten ersten Pass und einen starken Schuss», sagt Albelin. Vor allem Letzteres macht ihn auch im Powerplay sehr wertvoll. «Trotz seines Offensivdrangs verrichtet Egli aber auch gute Defensivarbeit», so Albelin. Eine besondere Schwäche hat der Ex-NHL-Profi beim Thurgauer nicht ausfindig gemacht. Aber: «Wie jeder von uns kann auch er sich in jedem Bereich noch verbessern.»