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Kuh verendet wegen Alu-Teilchen – Thurgauer Bauer warnt: «Die Leute sollen sich überlegen, was sie mit dem Wegwerfen einer Aludose anrichten können»

In der Westschweiz hat eine Obduktion bewiesen, dass eine Kuh an verschluckten Alu-Teilchen gestorben ist. Der Thurgauer Landwirtschaftsverband kämpft mit Sensibilisierung gegen das Problem.
Larissa Flammer
So soll es sein: Diese Kühe bei Fimmelsberg geniessen abfallfreie Wiesen. (Bild: Andrea Stalder)

So soll es sein: Diese Kühe bei Fimmelsberg geniessen abfallfreie Wiesen. (Bild: Andrea Stalder)

Verschluckt eine Kuh Nägel, lässt man sie einen Magneten fressen. Er fixiert die Fremdkörper, sodass sie nicht in den Verdauungstrakt gelangen. Urs Schär, Vorstandsmitglied beim Verband Thurgauer Landwirtschaft, sagt:

«Wenn man diese Kuh dann schlachtet, staunt man, was alles an diesem Magneten haftet.»

Das Problem: Aluminium ist nicht magnetisch. Eine Kuh aus dem Kanton Freiburg ist kürzlich verendet, weil ihre Eingeweide von innen zerschnitten wurden – von einer Aludose. «20 Minuten» machte den Fall diese Woche publik.

Die Kuh habe nicht mehr fressen und trinken können, habe innerhalb einer Woche Hunderte Kilogramm abgenommen und nur noch gesabbert. Schliesslich musste der Bauer das Tier erlösen. Die Ursache kam bei einer Obduktion ans Licht.

Schnitte können nicht verkrusten

Schär, selber Landwirt in Langrickenbach, erklärt: «Eine Kuh hat fünf Mägen. Wenn sie Alu-Teilchen verschluckt, wandern diese beim Wiederkäuen und Verdauen von einem zum anderen und schliesslich in den Darm.» Die so verursachten Schnitte würden zudem nicht verheilen. Denn die Weichteile seien stark durchblutet, so dass sie nicht verkrusten könnten.

Urs Schär, Landwirt und SVP-Kantonsrat. (Bild: Donato Caspari)

Urs Schär, Landwirt und SVP-Kantonsrat. (Bild: Donato Caspari)

Schär hatte selber mal eine Kuh, die vermutlich so gestorben ist. «Sie hatte Blut im Mist.» Der Versuch, das Tier mit einer Operation zu retten, habe keinen Erfolg mehr gehabt. Der Landwirt appelliert daher an den gesunden Menschenverstand:

«Die Leute sollen sich überlegen, was sie mit dem Wegwerfen einer Aludose anrichten können.»

Sobald das Wetter wieder schöner wird, beginnen die Bauern zu mähen. «Der erste Schnitt ist immer der höchste», sagt Schär. Im hohen Gras seien die Alu-Dosen kaum zu sehen, weshalb sie von den Maschinen zerkleinert und ins Heu oder Silo gelangen können.

Der Landwirt sagt: «Ganz grosse Fremdkörper lässt die Kuh liegen. Aber sie sieht ja nicht geradeaus, deshalb frisst sie grundsätzlich einfach, was vor ihr ist.»

Aufräumaktion mit Schulklassen

Leider sei Littering in der Landwirtschaft durchaus ein Problem, sagt Schär. Manchmal werde ihm der Abfall fast vor die Maschine geworfen. Zwar gebe es Bussen, aber wenn die Polizei die Abfallsünder nicht erwische, stehe Aussage gegen Aussage.

Im Thurgau droht eine Busse von 50 Franken

Der Kanton weist seit einigen Jahren aus, was es kostet, die 800 Kilometer Kantonsstrassen von Littering zu befreien. Insgesamt stieg der Aufwand im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent auf 501'251 Franken. Pro Kilometer sind das 631 Franken, 2017 waren es 590 Franken. Schätzungen zufolge belastet das achtlose Wegwerfen von Abfall die öffentliche Hand im ganzen Kanton mit bis zu sechs Millionen Franken pro Jahr – den Löwenanteil davon berappen die Gemeinden.

Seit 2008 können Abfallsünder im Thurgau gebüsst werden. Wer zum Beispiel eine Dose auf dem Boden entsorgt, zahlt 50 Franken. Wer den Inhalt eines Aschenbechers auf die Wiese kippt, dem winkt ein Buszettel von 80 Franken. Im vergangenen Jahr sprach die Thurgauer Kantonspolizei insgesamt 170 Litteringbussen aus. Doch für die Polizei haben Kleinabfallsünder keine Priorität.

Damit es gar nicht erst so weit kommen muss, organisiert der Verband Thurgauer Landwirtschaft den sogenannten «Clean-Up-Day», Säuberungsaktionen an Feld- und Waldrändern zusammen mit Schulklassen. Mitte Juni ist es wieder so weit.

Hauptsächlich gehe es darum, die Schüler zu sensibilisieren, sagt Daniel Thür. Der Leiter Kommunikation beim Verband erklärt:

«Wir wollen nicht, dass sie einfach für uns aufräumen.»

Er besucht die entsprechenden Klassen daher jeweils ein paar Tage zuvor in der Schule und zeigt ihnen mit einer Powerpoint-Präsentation auf, worum es geht. «Ich will sie motivieren. Die Kinder sollen verstehen, was die Aktion bezweckt und davon überzeugt sein.» Der Erfolg bleibe nicht aus. Die Schüler seien jeweils beeindruckt und «begeistert bei der Sache».

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