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(Video: Amt für Archäologie des Kantons Thurgau)

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Thurgauer Archäologen tauchen zu den Überresten des Mäuseturms: Dieser hatte vielleicht römische Vorgänger

Taucharchäologen untersuchen den Grund des Bodensees bei Güttingen. Auf einer Untiefe stand dort im 12. Jahrhundert der Mäuseturm. Fundstücke deuten aber daraufhin, dass dort früher schon gesiedelt wurde.
Larissa Flammer

Wellen kräuseln die Seeoberfläche. Etwa 240 Meter vom Güttinger Ufer entfernt liegt ein verankertes Floss. Es schaukelt. Matthias Schnyder stört sich nicht daran. Der Grabungstechniker des Thurgauer Amts für Archäologie zeigt auf eine Untiefe im Wasser, Luftblasen steigen dort an die Oberfläche.

Auf der Untiefe stand im Mittelalter ein Turm – der sagenumwobene Mäuseturm. Die Luftblasen stammen von Thomas Keiser, ebenfalls Grabungstechniker beim Amt für Archäologie. Zusammen mit einer Kollegin und zwei Kollegen sucht er seit rund zwei Monaten systematisch den Seegrund rund um den Mäuseturm ab.

Die Taucher machen sich auf den Weg zum stationären Floss beim Mäuseturm. (Bild: Donato Caspari)Die Taucher machen sich auf den Weg zum stationären Floss beim Mäuseturm. (Bild: Donato Caspari)
Das Boot des Thurgauer Amts für Archäologie. (Bild: Donato Caspari)Das Boot des Thurgauer Amts für Archäologie. (Bild: Donato Caspari)
Ein Taucher mit Einkaufskorb bei taucharchäologischen Arbeiten. Bild: (Gian Ehrenzeller/KEY)Ein Taucher mit Einkaufskorb bei taucharchäologischen Arbeiten. Bild: (Gian Ehrenzeller/KEY)
Grabungstechniker Matthias Schnyder nimmt auf dem Floss die Fundstücke von Taucher Thomas Keiser entgegen. (Gian Ehrenzeller/KEY)Grabungstechniker Matthias Schnyder nimmt auf dem Floss die Fundstücke von Taucher Thomas Keiser entgegen. (Gian Ehrenzeller/KEY)
Die Pfähle wurden abgesägt oder aus dem Seegrund gezogen. Der grösste Teil ist während der Jahrhunderte im Wasser zerfallen, weshalb oft nur noch kleine Stücke da sind. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)Die Pfähle wurden abgesägt oder aus dem Seegrund gezogen. Der grösste Teil ist während der Jahrhunderte im Wasser zerfallen, weshalb oft nur noch kleine Stücke da sind. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)
So sehen die Pfähle unter Wasser aus. (Bild: PD)So sehen die Pfähle unter Wasser aus. (Bild: PD)
Ein Taucher bei der Arbeit. (Bild: PD)Ein Taucher bei der Arbeit. (Bild: PD)
Alles muss fein säuberlich kategorisiert werden. Mit Foto... (Bild: PD)Alles muss fein säuberlich kategorisiert werden. Mit Foto... (Bild: PD)
... und Notizen. Was unter Wasser gar nicht so einfach ist. (Bild: PD)... und Notizen. Was unter Wasser gar nicht so einfach ist. (Bild: PD)
Kantonsarchäologe Hansjörg Brem zeigt im Hafen eines der bronzenen Beile, die beim Mäuseturm am Seegrund gefunden wurden. (Bild: Donato Caspari)Kantonsarchäologe Hansjörg Brem zeigt im Hafen eines der bronzenen Beile, die beim Mäuseturm am Seegrund gefunden wurden. (Bild: Donato Caspari)
Jedes Jahr finden die Taucher mehrere Beile. (Bild: Donato Caspari)Jedes Jahr finden die Taucher mehrere Beile. (Bild: Donato Caspari)
Archäologin Iris Hutter mit einem mittelalterlichen Kochgeschirr, das ebenfalls am Seegrund lag. (Bild: Donato Caspari)Archäologin Iris Hutter mit einem mittelalterlichen Kochgeschirr, das ebenfalls am Seegrund lag. (Bild: Donato Caspari)
Eine der Fundstücke der vergangenen Tage. (Bild: Donato Caspari)Eine der Fundstücke der vergangenen Tage. (Bild: Donato Caspari)
Nicht alle Funde sind mehrere Jahrhunderte alt. Die weissen Tellerscherben stammen aus der jüngeren Zeit. (Bild: Donato Caspari)Nicht alle Funde sind mehrere Jahrhunderte alt. Die weissen Tellerscherben stammen aus der jüngeren Zeit. (Bild: Donato Caspari)
Ein besonders Stück: Ein gut erhaltener Metallbeschlag, der wohl als Verzierung diente. (Bild: Donato Caspari)Ein besonders Stück: Ein gut erhaltener Metallbeschlag, der wohl als Verzierung diente. (Bild: Donato Caspari)
Archäologin Iris Hutter zeigt eine Karte der Fundstelle, die etwa 240 Meter vom Ufer entfernt liegt. (Bild: Donato Caspari)Archäologin Iris Hutter zeigt eine Karte der Fundstelle, die etwa 240 Meter vom Ufer entfernt liegt. (Bild: Donato Caspari)
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Archäologen tauchen beim Mäuseturm vor Güttingen

Wieder zeigt Matthias Schnyder ins Wasser. Einer der Taucher schwimmt auf das Arbeitsfloss zu und reicht einen gefüllten Korb hinauf. Der Grabungstechniker nimmt die Holzstücke – alle bereits mit Nummern versehen – hinaus und gibt den Korb zurück. Ein kurzes Winken, Wasser spritzt von den Flossen auf, schon ist der Taucher wieder unterwegs zu seinem aktuellen Arbeitsplatz.

Bronzebeile und Kochgeschirr

Es ist bereits das dritte Frühjahr in Folge, das die Archäologen am Grund des Bodensees verbringen. Neben den Pfählen aus dem 12. Jahrhundert, die von der mittelalterlichen Turmanlage stammen, finden sie am gleichen Ort auch Reste einer spätbronzezeitlichen Pfahlbausiedlung.

Die neusten Funde lassen vermuten, dass Teile der Konstruktion sogar römisch sein könnten. Ob die Pfahlbauer und die Menschen im Mittelalter Bauten aus früheren Zeiten übernommen haben oder einfach am jeweils gleichen Ort gesiedelt haben, ist unklar. Die in diesem Jahr geborgenen Holzstücke werden aktuell im Labor untersucht und datiert.

Neben den Holzresten finden die Taucher auch Alltagsgegenstände. Archäologin Iris Hutter zeigt unter anderem ein Kochgeschirr aus dem Mittelalter, ein Glöcklein und einen dekorativen Eisenbeschlag. Jedes Jahr holen die Taucher zudem mehrere Bronzebeile aus dem See. Einige Scherben stammen vermutlich aus der römischen Zeit.

In einigen Jahren wäre vielleicht fast alles verschwunden

Ob die Archäologen auch im nächsten Jahr wieder zum Mäuseturm tauchen, ist noch nicht sicher. Die Funde zeigen nach den Jahrhunderten im Wasser starke Erosionsspuren, von den dünneren Pfählen ist meist nur noch ein Rest vorhanden. Iris Hutter sagt:

«In zehn Jahren ist vielleicht ein Grossteil der Fundstelle verschwunden. Deshalb holen wir jetzt das raus, was für uns wichtig ist.»

Kantonsarchäologe Hansjörg Brem weist darauf hin, dass der Bodensee vielleicht vor langer Zeit deutlich weniger Wasser führte und die Untiefe des Mäuseturms im Trockenen lag. «Wir wissen es nicht.»

Sedimentsbohrungen, die demnächst durchgeführt werden, sollen Erkenntnisse dazu liefern. Amtsleiter Brem wird am Montag selber zur Fundstelle vor Güttingen tauchen. Er sagt: «Es hat sich sehr viel verändert.» Die Taucher seien heute im Gegensatz zu früher «super ausgerüstet». Trotzdem ist die Arbeit am Seegrund nicht ohne.

Funkgerät verbindet Taucher mit dem Kollegen auf dem Floss

Unbeeindruckt bleiben die Taucher vom Niederschlag, der in den vergangenen Tagen fiel. Die Sicht unter Wasser war sogar sehr gut. Nur der Kollege auf dem Floss bleibt dann buchstäblich im Regen stehen. Matthias Schnyder musste die Kollegen auch schon aus dem See holen, weil die Situation für ihn zu gefährlich wurde. Die Wellen überspülten das Floss.

Im Vergleich dazu ist das Wetter am Donnerstag gut. Aus dem Süden zurückkehrende Schwalben umkreisen die Fundstelle. Das Funkgerät, mit dem Schnyder und die Taucher in Kontakt bleiben, knackt.

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