Thurgau will erneuerbare Energie bis 2030 stärker fördern – für Haushalte mit geringem Verbrauch soll der Strom günstiger werden

Der Kanton veröffentlicht sein neues Energiekonzept, das 18 Massnahmen enthält. Eine ist ein Pilotprojekt «Effizienzanreize über die Stromtarife». Der Beitrag zum Klimaschutz stärke unter anderem die Thurgauer Volkswirtschaft.

Larissa Flammer
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Eine Ausstellung in der «Innovationsschüür» der Swiss Future Farm in Tänikon zum Thema Energiepotenzial im Juli 2019.

Eine Ausstellung in der «Innovationsschüür» der Swiss Future Farm in Tänikon zum Thema Energiepotenzial im Juli 2019.

Bild: Donato Caspari

Das wichtigste in Kürze:

  • Die Thurgauer Regierung will die erneuerbare Energie in den kommenden zehn Jahren stärker fördern.
  • Sie legt dem Grossen Rat eine Botschaft vor zum «Energiekonzept Kanton Thurgau für die Periode 2020 bis 2030».
  • Der Regierungsrat beabsichtigt, insgesamt 18 Massnahmen umzusetzen.
  • Weil voraussichtlich mehr Bundesmittel für das Förderprogramm zur Verfügung stehen werden, geht die Regierung davon aus, dass der Kantonsanteil an den Kosten stabil bleiben wird.

Beim Thema erneuerbare Energie ist der Kanton Thurgau schweizweit vorbildlich. Nun doppelt er nach: In den nächsten zehn Jahren will der Regierungsrat 18 Massnahmen umsetzen. Das bisherige Energiekonzept lief von 2007 bis 2015. Nun legt der Regierungsrat das Anschlusskonzept für die Periode 2020 bis 2030 vor. Im Jahr 2025 soll eine Zwischenbilanz erstellt werden. Der Grosse Rat wird das Konzept diskutieren.

Der Verbrauch fossiler Energien für Heizungen soll bis 2030 gegenüber dem Jahr 2015 um rund einen Viertel und für Mobilität um rund einen Drittel zurückgehen. Die Produktion erneuerbarer Wärme soll um 60 Prozent zunehmen. Bei der Produktion erneuerbarer Elektrizität ist der Thurgau dank der deutlich gestiegenen Anzahl Solarstromanlagen auf einem sehr guten Weg. Dieser soll weiter gegangen werden und die Produktion bis 2030 im Vergleich zu 2015 verdoppelt werden.

Im Bereich der Stromeffizienz kommt der Kanton vom früher gefassten Ziel einer Reduktion des Strombedarfs weg. Denn fossile Energien im Wärme- und Verkehrsbereich sollen schliesslich durch Elektrizität ersetzt werden. Deshalb soll bis 2030 eine Stabilisierung des Strombedarfs auf dem heutigem Niveau erreicht werden.

Die anvisierten Ziele in den Jahren 2025 und 2030.

Die anvisierten Ziele in den Jahren 2025 und 2030.

Grafik: Kanton Thurgau

Malus bei Fahrzeugen mit hohem CO2-Ausstoss

Eine der Massnahmen besteht aus einem verstärkten Bonus-/Malussystem bei der Motorfahrzeugsteuer. Das bisherige System zeige aufgrund der kleinen Beiträge wenig Wirkung. Deshalb soll die Bemessungsgrundlage nach Hubraum überprüft und nach ökologischen Kriterien, beispielsweise CO2-Ausstoss, angepasst werden.

Eine weitere Massnahme, die mit dem Bonus-/Malussystem funktioniert, betrifft den Stromtarif. Der effiziente und sparsame Umgang mit Energie soll sich für private Haushalte auch finanziell auszahlen. Wer seinen Stromverbrauch unter den Verbrauch eines durchschnittlichen Vergleichshaushalts drückt – sei es durch einen bewussteren Umgang mit Energie oder energieeffiziente Ersatzinvestitionen – wird mit einem Bonus belohnt. Andererseits soll Haushalten mit sehr hohem Verbrauch ein Malus auferlegt werden.

Mehr Bundesmittel für Energieförderprogramm

Einige der vorgeschlagenen Massnahmen werden Kostenfolgen haben. Mit der Beratung und Genehmigung des Budgets wird der Grosse Rat jährlich Einfluss auf die Umsetzung der Massnahmen nehmen können. Stand heute würden die kantonalen Aufwendungen für das Energieförderprogramm von rund 7 Millionen Franken auf ungefähr 8 Millionen pro Jahr ansteigen. Der Regierungsrat geht aber davon aus, dass mehr Bundesmittel zur Verfügung stehen werden und dadurch der Kantonsanteil stabil bleibt.

In einer Medienmitteilung zum Konzept zeigt sich der Regierungsrat überzeugt, dass auch der Thurgau seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten soll. Dort heisst es:

«Zudem erhöht der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz die Versorgungssicherheit und stärkt die einheimische Volkswirtschaft.»
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