Thurgau wendet sich über Instagram an Reiserückkehrer

Bei steigenden Coronafallzahlen nach dem Ende der Ferien könnte eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum zum Thema werden.

Thomas Wunderlin
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Thurgauer Hinweis für Rückkehrer aus Nordmazedonien.

Thurgauer Hinweis für Rückkehrer aus Nordmazedonien.

PD

In zehn Sprachen spricht das Thurgauer Gesundheitsamt Kantonseinwohner an, die im Ausland Ferien gemacht haben. Über Instagram und andere sozialen Medien fordert es Reiserückkehrer auf, sich online zu registrieren. Die Botschaft gibt es auf Deutsch und in den Balkansprachen Albanisch, Bosnisch, Mazedonisch und Serbisch, ferner auf Arabisch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch und Russisch.

Bundesamt für Gesundheit liefert Passagierlisten

Bisher haben sich 956 Reiserückkehrer aus 22 Ländern registriert, wie der Fachstab Pandemie am Mittwoch mitteilte. Die meisten kamen aus Nordmazedonien, Kosovo und Serbien, gefolgt von Bosnien-Herzegowina und den USA. Aktuell befinden sich 460 Reiserückkehrer in Quarantäne. Der Kanton Thurgau hat bisher neun Passagierlisten vom Bundesamt für Gesundheit als Stichproben zur Kontrolle erhalten.

SVP-Regierungsrat Urs Martin.

SVP-Regierungsrat Urs Martin.

Andrea Stalder

Nebst Flugpassagieren waren Fernbusreisende verzeichnet, sagt Urs Martin, Vorsteher des Departements für Finanzen und Soziales. Von Autoreisenden gebe es keine Listen, ebenso wenig von Flugpassagieren, die deutsche Flughäfen wie Stuttgart oder Memmingen benützen. Martin geht aber davon aus, dass sich die meisten Rückkehrer melden. Ein Verstoss gegen die Meldepflicht würde «mit aller Härte» geahndet. Bisher gab es noch keine solchen Fälle.

Nachbarn geben Hinweise

Viele Leute melden laut Martin Nachbarn, die in Risikoländer gereist sind. Von diesen seien manche noch gar nicht zurück. Auch Rückkehrer aus Balkanländern seien gemeldet worden. Deren Überprüfung habe ergeben, dass sie aus dem Nichtrisikoland Kroatien gekommen seien.

Der Thurgau verzichtet auf eine Ausweitung der Maskenpflicht. «Wir sehen im Moment keine Rechtfertigung für verschärfende Massnahmen im öffentlichen Raum», sagt Martin. Das könnte ändern, sollten die Neuinfektionen nach Ende der Schulferien stark ansteigen. Der Thurgau spreche sich mit den andern Ostschweizer Kantonen ab.

Maskentragen wird im Thurgau überall empfohlen, wo der Abstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann sowie generell im Umgang mit Risikogruppen. Explizit empfiehlt der Kanton das Tragen einer Maske in den Mittel- und Berufsfachschulen, wenn der Abstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann – etwa in einer Werkstatt oder einem Labor. In den Schulen sind die üblichen Hygiene- und Schutzmassnahmen immer zu beachten.

Maskenpflicht in höheren Schulen denkbar

Dies gilt auch für die Primarschule, wo das Tragen von Masken nicht vorgesehen ist, wie Beat Brüllmann, Chef des Amts für Volksschule, am Mittwoch bestätigte. In den Sekundar-, Mittel- und Berufsschulen ist eine Maskenpflicht denkbar, falls sich die Coronasituation verschärft.
«Diese einfachen Verhaltensweisen können bereits einen wertvollen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten», hält der Fachstab Pandemie fest.

Im Thurgau steigen im Moment die Neuinfektionen, sie bewegen sich aber auf tiefem Niveau. Seit Anfang Juli wurden nie mehr als acht Neuansteckungen pro Tag gemeldet. Laut Fachstab Pandemie liegt die kumulierte Fallentwicklung der positiv getesteten Personen pro 1000 Einwohner im Juli zwischen 1,42 und 1,66. Verbreitet hat sich das Virus vor allem im familiären Rahmen und bei privaten Anlässen wie Geburtstags- oder Familienfesten.

Von den positiv Getesteten gehörten im Juni die meisten der Altersgruppe 20 bis 29 Jahre an, im Juli war es die Altersgruppe 30 bis 59 Jahre. Besonderes Gefahrenpotenzial sieht der Fachstab Pandemie in der Kumulation mehrerer Ansteckungsketten auf einmal sowie im Auftritt eines Virus-Grossverteilers (Superspreader).

Erster Todesfall nach über zwei Monaten

Die Gesamtzahl der Coronatoten im Thurgau ist letzte Woche um 1 auf 19 gestiegen. Laut Dienststelle für Statistik ist die Person am 28. Juli gestorben. Zuvor waren seit dem 20. Mai keine Todesfälle mehr gemeldet worden.

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Larissa Flammer