Thurgau

Veloschnellrouten kommen nur langsam voran

Grössere Städte und Kantone erarbeiten Grundsätze für den Bau von Schnellrouten für Velos, die als Pendelstrecken dienen können. Die Nachfrage steigt durch den Boom der E-Velos. Im Thurgau sind erste konkrete Massnahmen erst in einigen Jahren zu erwarten.

Thomas Wunderlin
Drucken
Teilen
E-Bikes werden zunehmend im Alltag eingesetzt.

E-Bikes werden zunehmend im Alltag eingesetzt.

Philipp Schmidli

In der Regio Wil könnte es am schnellsten gehen. Eine «Vorrangroute Velo» ist dort bereits im Agglomerationsprogramm 4. Generation erwähnt, deren öffentliche Vernehmlassung im Dezember abgeschlossen wurde.

Erste konkrete Massnahmen in diese Richtung sind sonst erst mit den Agglomerationsprogrammen der 5. Generation zu erwarten, die von 2028 bis 2032 umgesetzt werden sollen. Dies ist der Antwort des Thurgauer Regierungsrats auf eine Einfache Anfrage zu entnehmen; eingereicht wurde diese im Oktober von Cornelia Hasler-Roost (FDP, Aadorf), Nicole Zeitner (GLP, Stettfurt) und Sabina Peter Köstli (CVP, Ettenhausen).

Gemäss den drei Kantonsrätinnen wird die Fachstelle Langsamverkehr zunehmend mit dem Thema der Veloschnellrouten konfrontiert. Dabei gehe es darum, möglichst direkt, schnell und sicher an den Arbeitsplatz zu gelangen. Dafür brauche es sichere und vor allem direkte Verbindungen:

«Genau diese fehlen im Kanton Thurgau.»

Grössere Städte und Kantone seien daran, Gestaltungsgrundsätze für solche Schnellrouten zu erarbeiten. Der Auslöser sei der Boom der E-Velo und neu auch der E-Trottinetts. Diese Tendenzen hätten sich in der Coronazeit noch verstärkt. Auch stiegen die Unfälle, da sich Velo, Trottinett, E-Bike und Autos alle auf derselben Strasse bewegten.

Fachstelle Langsamverkehr bringt sich ein

Der Regierungsrat hält rückblickend fest, dass der Stellenwert des Langsamverkehrs durch die 2018 geschaffene Fachstelle Langsamverkehr «spürbar erhöht» worden sei. Sie bringe fachliche Anliegen des Velo- und Fussverkehrs bei allen Sanierungs-, Um- und Neubauprojekten des Tiefbauamts ein. Der Bau von Fuss- und Radwegen stosse jedoch oft auf dieselben Widerstände wie Strassenkorrektionsprojekte und der Landerwerb sei mitunter sehr schwierig:

«Bestehende Strassenverbindungen zu Gunsten des Fuss- und Veloverkehrs aufzuheben, ist kaum möglich.»

Beim Bau attraktiver Alltagsradstrecken oder von künftigen Veloschnellrouten sei also mit denselben Hürden, wie bei Strassenprojekten zu rechnen. Zu erwarten sei eine anspruchsvolle Interessenabwägung bezüglich Fruchtfolgeflächen, Wald, Naturschutzflächen oder Schutzzonen.

Die im Agglomerationsprogramm der Regio Wil erwähnten Vorrangrouten sind laut Regierungsrat Schnellrouten gleichzusetzen. Unter Federführung der Regio und unter Einbezug der betroffenen Gemeinden und der kantonalen Fachstellen soll ein Konzept zur Abschätzung des Potenzials und zu möglichen Linienführungen erarbeitet werden.

Zusätzliche Landflächen nötig

Sollen Schnellrouten künftig Teil der gesamtkantonalen Verkehrsstrategie werden, muss laut Regierungsrat das Langsamverkehrskonzept überarbeitet werden. Neue Netze seien auszuarbeiten, Ausbaustandards zu definieren. Auch müsse bei Veloschnellrouten eine «konsequente Entflechtung des Fuss- und Veloverkehrs» erfolgen. Ohne zusätzliche Landflächen könnten Veloschnellrouten kaum umgesetzt werden.