Thurgau: Sorgen um Hummeln und Co.

SP-Kantonsrätin Marianne Sax und der grüne Kantonsrat Mathis Müller sind durch das
Insektensterben aufgeschreckt. Sie fragen den Regierungsrat , ob er bereit sei, Massnahmen einzuleiten.

Sebastian Keller
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Eine Hummel sammelt Pollen von einem Schmetterlingsbusch. (Bild: Fotolia/ Ian Grainger)

Eine Hummel sammelt Pollen von einem Schmetterlingsbusch. (Bild: Fotolia/ Ian Grainger)

«Das grosse Sterben der Insekten»: So überschreiben die SP-Kantonsrätin Marianne Sax (Frauenfeld) und der grüne Kantonsrat Mathis Müller (Pfyn) eine Einfache Anfrage, die sie im Grossen Rat eingereicht haben. Im Vorstoss skizzieren sie eine drastische Abnahme der Insekten. Das Sterben von Insekten in ganz Mitteleuropa sei beunruhigend. Sogar in Naturschutzgebieten gingen diese um 50 bis 80 Prozent zurück. Das «ist so erschütternd, dass sich umfassende Massnahmen aufdrängen», schreiben sie.

Wildbienen, Hummeln, Falter, Käfer, Ameisen und andere geflügelte Tiere in ihrer mannigfachen Gestalt seien unersetzliche Lebewesen, halten sie im Vorstoss fest. Im literarischen Stil geht es weiter: «Deren Summen, Brummen, geschäftiges Treiben unser Herz erfreuen und deren Dasein dem Bestäuben vieler Nutzpflanzen und der Nahrung vieler Tiere dient.»

Die Biodiversität stecke in einer Talsohle

Sie erwähnen aber auch einen kleinen Lichtblick. Das Biodiversitätsmonitoring des Kantons Thurgau konnte nachweisen, dass in den vergangenen zehn Jahren keine weitere Abnahme der Tagfalter stattgefunden habe. «Das ist ein Anfang», schreiben die zwei Kantonsräte, «reicht aber nicht, weil die Biodiversität immer noch in einer Talsohle auf tiefem Niveau steckt». Deshalb gelangen sie mit Fragen an den Regierungsrat. So erkundigen sie sich, ob der Regierungsrat auch der Meinung sei, dass der Thurgau als Landwirtschaftskanton für die Artenvielfalt im Kulturland eine besondere Verantwortung trage.

Weiter halten sie fest, dass sich viele Biodiversitätsförderflächen an schattigen Waldrändern befinden, wo sie der Artenvielfalt wenig bringen. Deshalb fragen sie, ob man diese Flächen mittels Anreizen an topografisch bessere Lagen verlagern könnte, um vermehrt ökologische Qualität zu erhalten. So würden Untersuchungen zeigen, «dass es viel zu wenige Biodiversitätsflächen mit Qualität gibt, auch im Ackerland».

Weiter erkundigen sie sich, ob es Bestrebungen im Thurgau gebe, den Pestizideinsatz zu reduzieren. Und zwar über die Massnahmen im Aktionsplan Pflanzenschutzmittel des Bundes hinaus. Schliesslich wollen sie wissen, ob eine Bildungsoffensive die angehenden Landwirte und die Bevölkerung für die Not der Insekten sensibilisieren könnte.
Grüne und Umweltverbände
arbeiten an einer Initiative

Grüne und Umweltverbände planen Initiative

Wie die «Thurgauer Zeitung» Anfang November berichtete, sind bezüglich Biodiversität schwerere politische Geschütze im Anmarsch. Die Thurgauer Umweltverbände und die Grüne Partei erarbeiten eine Volksinitiative. Mit dieser wollen sie die Artenvielfalt zwischen Bodensee und Hörnli auf Vordermann bringen. Als einen Auslöser nannte GP-Präsident Kurt Egger «die massive Abnahme der Insektenpopulation».

Die Initiative hat explizit nicht die Landwirtschaft im Fokus; der Schwerpunkt liegt auf dem Siedlungsgebiet. Egger und seinen Mitstreitern schwebt vor, dass der Thurgau eine kantonale Biodiversitätsstrategie erarbeitet – wie sie andere Kantone kennen. Für deren Umsetzung sollen zusätzliche Millionen in die Hand genommen werden. «Es geht auch darum, dass der Kanton Bundesgelder abholt», betonte er. Das Volksbegehren hat zum Ziel, einen neuen Grundsatz im Gesetz zu verankern: «Der Kanton Thurgau fördert gezielt und wirkungsvoll die Biodiversität.» Bis Januar will sich das Komitee formieren.