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Thurgau: Schmetterlinge fühlen sich wohler

Brutvögel, Tagfalter und Pflanzen: Der Rückgang der Artenvielfalt im Kanton Thurgau konnte gestoppt werden. Das zeigt das Biodiversitätsmonitoring Thurgau, das seit 2009 die Entwicklung dokumentiert.
Sebastian Keller
Matthias Künzler und Andrea Näf-Clasen erfreuen sich einer Flockenblume. (Bild: Andrea Stalder)

Matthias Künzler und Andrea Näf-Clasen erfreuen sich einer Flockenblume. (Bild: Andrea Stalder)

Die Sonne drückt da und dort durch den Nebel und den wolkenverhangenen Morgenhimmel. Lichtblicke. Das Thurgauer Amt für Raumentwicklung (ARE) hat zu einer Presseorientierung in den Norden Frauenfelds eingeladen, wo der Tägelbach in die Thur fliesst. Die Situation am Himmel widerspiegelt, was das Amt bezüglich Entwicklung der Biodiversität zu vermelden hat. Nach zwei Mehrjahresperioden Biodiversitätsmonitoring Thurgau zieht das ARE eine erste Bilanz.

Begonnen wurde 2009. Dazu wurden 72 Untersuchungsflächen über den ganzen Kanton mit einer Grösse von je einem Quadratkilometer definiert. Im Fokus stehen Pflanzen, Brutvögel und Tagfalter. Diese Flächen haben 20 Fachleute mehrmals durchschritten und das Vorkommen der Arten vermerkt. Kostenpunkt: 70000 Franken, getragen vom ARE, dem Amt für Umwelt sowie dem Landwirtschafts- und Forstamt. Kantonsplanerin Andrea Näf-Clasen sagt einleitend: «Der Thurgau ist zu recht stolz, ein grüner Kanton zu sein.» Doch grün heisse nicht automatisch, dass der Thurgau bunt sei – sprich: die Artenvielfalt gross ist. Und genau um diese Frage geht es beim Monitoring: Wie ist es um die Artenvielfalt bestellt? Wie verändert sich diese? Zeigen die Massnahmen Wirkung?

Mehr Brutvögel und Tagfalter

Matthias Künzler leitet die Abteilung Natur und Landschaft im ARE. «Die ersten Resultate stimmen mich verhalten optimistisch», sagt er. «Bei den Tagfaltern und Brutvögeln zeigt der Trend leicht nach oben.» So wurden im ersten Untersuchungszeitraum 2009 bis 2012 36 Brutvogelarten gezählt, zwischen 2013 und 2017 deren 39. Bei den Tagfaltern nahm die mittlere Anzahl pro Stichprobenfläche von 21 auf 23 zu.

Der Schachbrettfalter. (Bild: Thomas Stalling)

Der Schachbrettfalter. (Bild: Thomas Stalling)

Der Schachbrettfalter ist gehäuft zu beobachten, bei den Vögeln die Goldammer. Doch nicht überall fühlen sich dieser Schmetterling und dieser Vogel wohl: Ihre Zahl hat in sogenannten Vernetzungskorridoren zugenommen; ausserhalb ist sie rückläufig. Diese Korridore bezwecken Naturschutzgebiete über landwirtschaftliche Nutzflächen zu verbinden. Auf so einem Korridor findet die Presseorientierung statt. Zuckerrüben liegen am Rande des Feldweges, auf der anderen Seite flankiert eine Hecke den Tägelbach. Das zeigt: Landwirtschaftliche Produktion und die Förderung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen gehen Hand in Hand. Bund und Kanton fördern Biodiversitätsförderflächen von Bauern mit jährlich rund 2,5 Millionen Franken.

«Der Siedlungsraum ist keine biologische Wüste»

Der Wiesensalbei. (Bild: Thomas Stalling)

Der Wiesensalbei. (Bild: Thomas Stalling)

Doch es herrscht eben nicht nur eitel Sonnenschein – so etwa bei den Pflanzen: Deren Zahl nahm von 254 auf 253 leicht ab. «Die Situation ist stabil», sagt Künzler. Für den Laien überraschend ist, dass in der Bauzone 266 Pflanzenarten gezählt wurden. Diese Zahl liegt höher als im Wald oder auf landwirtschaftlichen Wiesen. Künzler: «Die Siedlung ist keine biologische Wüste.» Er nennt Bahndämme oder Parks als Beispiele, wo die Biodiversität spriesst.

Das Monitoring weist auch Verlierer aus: Kuckuck oder Aurorafalter etwa. Auch der Feldlerche, die auf Äckern und Wiesen brüten, konnte mit den bisherigen Massnahmen nicht geholfen werden. Das ARE beabsichtigt, das Monitoring fortzusetzen. Denn: Aus biologischer Sicht sind fünf Jahre, die Zeitspanne zwischen den zwei Erhebungen, ein «sehr kurzer Zeitraum», um Entwicklungstrends für Arten und Populationen auszubilden. So steht es im Monitoring-Bericht.

«Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg», sagt Kantonsplanerin Näf-Clasen zum Schluss. Der Blick schweift über die Thur und weiter nach Warth, wo die Sonne den Rebhang der Kartause Ittingen und die Kirche St. Martin erleuchtet.

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