Wegen Corona-Krise: Thurgau ruft Armee um Hilfe

Im Kampf gegen das Corona-Virus sucht der Kanton medizinisches Personal. Angesprochen sind auch Studenten.

Sebastian Keller
Drucken
Teilen
Regierungsrätin Cornelia Komposch mit Hans Peter Schmid, Stabschef des kantonalen Führungsstabes.

Regierungsrätin Cornelia Komposch mit Hans Peter Schmid, Stabschef des kantonalen Führungsstabes.

Bild: Reto Martin (Frauenfeld, 13. März 2020)

Am Sonntag lag die Zahl der am Corona-Virus erkrankten Personen im Thurgau bei 15, am Freitag waren es sechs. Viel höher ist die Zahl der negativ getesteten Personen: 226 konnten nach einem Corona-Test aufatmen. Die Zahlen waren am Sonntag vom kantonalen Informationsdienst zu erfahren.

Der Kanton ist durch die Pandemie an vielen Fronten gefordert, wie sich im Gespräch mit Regierungsrätin Cornelia Komposch zeigt. Sie ist als Sicherheitsdirektorin Chefin des kantonalen Führungsstabes. Am Freitag wurde im Thurgau die ausserordentliche Lage ausgerufen. Dies hilft vor allem den Behörden, schneller auf Entwicklungen zu reagieren. Ein Fokus liegt derzeit auf den medizinischen Einrichtungen. «Wir sind daran, die Gesundheitsversorgung hochzufahren», sagt Komposch. Zusammen mit der Spital Thurgau AG werde die Kapazität ausgebaut.

«Damit wir Patienten aufnehmen können, die hospitalisiert werden müssen.»

Dazu wurde etwa der Abbruch des alten Bettenturms am Kantonsspital Frauenfeld gestoppt. «Dort ist die Infrastruktur vorhanden», sagt Komposch. Es geht darum, zu klären, ob neben genügend Betten auch ausreichend Beatmungsgeräte vorhanden sind. Aber auch um die Beschaffung von Schutzmasken und Desinfektionsmittel.

«Wir suchen auch Ärzte, Medizinstudenten und ehemaliges Pflegefachpersonal.» Wie viele Personen? «So viele wie möglich», sagt Komposch. Auch das Militär habe man um Unterstützung ersucht, bestätigt sie. «Wir hoffen, dass uns ein Spitalbataillon unterstützen wird, falls es nötig würde.»

Regierungsrätin Cornelia Komposch stellt ein Umdenken in der Bevölkerung im Umgang mit dem Virus fest. «Jetzt ist den Leuten bewusst, was passiert.» Sie spüre eine grosse Angst und Sorge «um unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft».

Das 10-Milliarden-Rettungspaket des Bundes werde wohl nicht reichen, befürchtet Cornelia Komposch. «Ob wir auch als Kanton in die Leistung gehen müssen, werden wir noch diskutieren.» Sie ist eine Anhängerin des harmonisierten Vorgehens von Bund und Kantonen. Der Föderalismus müsse in gewissen Fragen pausieren.

In Restaurants, Bars und Discos dürfen sich nicht mehr als fünfzig Personen gleichzeitig aufhalten, Personal inklusive. So will es der Bund. Komposch verneint, dass die Kantonspolizei die Umsetzung dieser Regel schwerpunktmässig kontrolliert.

«Es ist möglich, dass die Polizei mal vorbeigeht und auch mal eine Kontrolle macht.»

Doch der Schwerpunkt der Polizei bleibe ein anderer. «Sie muss auch in dieser Lage weiterhin präsent sein.» Der Fokus verändere sich aber. Komposch glaubt an die Eigenverantwortung. «Ich hatte viele Telefonate, auch private.» Wirte hätten sie gefragt, was sie machen müssten. «Die Leute wollen Verantwortung übernehmen.»

Die Hotline des Kantons wurde verstärkt

Der Kanton Thurgau betreibt seit einiger Zeit eine Hotline für Fragen rund um das Virus. «Diese haben wir nochmals verstärkt», sagt Komposch. Sie werde rege genutzt und daher weiterbetrieben. Die Hotline ist täglich von 8 bis 18 Uhr unter 0583453440 erreichbar.

Der kantonale Führungsstab sei permanent am Arbeiten. Diese Taskforce werde demnächst ein Schreiben an die Gemeinden versenden. «Darin sollen die Gemeinden aufgeklärt werden, was der Kanton genau macht», sagt Komposch. Informationen seien ein grosses Bedürfnis.

Der Thurgauer Regierungsrat hatte am Freitag den Führungsstab mit weiteren Finanzkompetenzen ausgestattet. So kann er über einmalige Ausgaben bis zu 200000 Franken eigenständig verfügen. Für sämtliche Massnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat die Regierung ein Kostendach von einer Million gesprochen.