Thurgau
«Nicht akzeptabel»: Kantonsrätin kritisiert Haltung der Regierung zum Thema saubere Luft im Schulzimmer

Lüften ist eine der zentralen Massnahmen, um die Verbreitung des Coronavirus in Schulen zu stoppen. Doch nicht alle Zimmer lassen sich gut durchlüften. SP-Kantonsrätin Marianne Sax ist enttäuscht von der Passivität des Regierungsrats.

Larissa Flammer
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Nicht alle Fenster lassen sich gleich gut öffnen.

Nicht alle Fenster lassen sich gleich gut öffnen.

Bild: Britta Gut

Spätestens nach jeder Lektion müssen Schulzimmer fünf bis zehn Minuten lang gut durchlüftet werden. Das hat das Thurgauer Departement für Erziehung und Kultur in Zusammenhang mit der Coronakrise festgelegt. Doch viele Schulzimmer können nur schlecht gelüftet werden, schreibt SP-Kantonsrätin Marianne Sax (Frauenfeld) in einer Einfachen Anfrage. Sie hätten kleine Fenster, nur welche auf einer Seite des Raumes oder die automatische Lüftung würde nicht richtig funktionieren.

«Oft werden die Räume vom Lüften nur kalt statt frisch.»
Marianne Sax.

Marianne Sax.

Bild: Andrea Stalder

Sax verweist auf eine Studie, die das Bundesamt für Gesundheit 2019 zu CO2-Werten in Schulzimmern veröffentlicht hatte. Fazit: In zwei Dritteln war die Luftqualität schlecht, bei der Hälfte davon liess sich die Qualität auch mit Lüften nicht verbessern. Die Kantonsrätin wollte vom Regierungsrat wissen, was der Kanton zusammen mit den Schulgemeinden unternehmen könne, um die Luftqualität zu verbessern. Dabei verwies sie auch auf die Möglichkeit von Raumlüftern oder Luftfilter.

Mathematisches Modell für wirkungsvolles Lüften

«Die finanzielle Verantwortung für die Schulbauten liegt in der Verantwortung der Schulgemeinden», antwortet der Regierungsrat. Direkte kantonale Zahlungen für eine bessere Luftqualität seien systemfremd und nicht angezeigt. Die Schulgemeinden und die Lehrer seien für das Thema Lüften sensibilisiert worden. Ein vom Bund erarbeitetes mathematisches Modell für ein wirkungsvolles Lüftungsverhalten stehe allen Schulen kostenlos zur Verfügung.

Weiter habe das Hochbauamt die Hauswartungen der kantonalen Verwaltung, der kantonalen Betriebe und Schulen bereits im Mai 2020 auf ein Merkblatt betreffend Betrieb und Nutzung der Gebäudetechnik zur Verhinderung der Ausbreitung von Covid-19 aufmerksam gemacht.

Überprüfung aller Schulzimmer gefordert

Marianne Sax ist nicht zufrieden:

«Die Haltung des Kantons ist nicht akzeptabel.»

Die Antworten seien technisch und dünn, der Kanton lasse die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Schulgemeinden alleine. Gerade im Winter sei häufiges Lüften nicht praktikabel, weil es im Schulzimmer schlicht zu kalt werde.

Die Kantonsrätin fordert, dass mindestens überprüft und gemessen wird, wie gut man die verschiedenen Schulzimmer lüften könne. Wo es nicht in genügendem Ausmass möglich sei, soll der Kanton zudem die Hand zur Unterstützung reichen, um die Luftqualität zusammen mit den Schulgemeinden anderweitig zu verbessern.

«Das ist auch nach Corona noch wichtig.»

Eine Einfache Anfrage wird im Parlament nicht weiter thematisiert. Sax wird sich überlegen, eventuell weitere Schritte einzuleiten.