Thurgau
Im Winter reicht der Strom nicht mehr: Ein Vorkämpfer der erneuerbaren Energie will das Förderprogramm anpassen

Der Fischinger CVP-Kantonsrat Josef Gemperle hat bei der Förderung der erneuerbaren Energien schon viel erreicht. Nun verlangt er Korrekturen in der kantonalen Energiepolitik.

Thomas Wunderlin
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Windkraftwerk auf dem Mont-Soleil: Der Wind könnte im Winter dazu beitragen, die Lücke des Solarstroms zu schliessen, doch im Thurgau tut sich nichts.

Windkraftwerk auf dem Mont-Soleil: Der Wind könnte im Winter dazu beitragen, die Lücke des Solarstroms zu schliessen, doch im Thurgau tut sich nichts.

Key/ Valentin Flauraud

Trotz dem gescheiterten CO2-Gesetz kämpft Josef Gemperle (CVP, Fischingen) unbeirrt gegen den Klimawandel. Dabei möchte er den Kanton Thurgau mitnehmen, auch wenn dem Bund weiterhin die Schlüsselrolle zur Reduktion des CO2-Ausstosses zukomme, wie Gemperle in der Begründung einer Interpellation schreibt.

Josef Gemperle (CVP).

Josef Gemperle (CVP).

Bild: Reto Martin

Mit seinem «breiten Förderprogramm Energie» befinde sich der Thurgau in einer guten Ausgangslage, um einen namhaften Beitrag zur Erreichung der Klimaziele zu leisten.

Der Vorkämpfer der erneuerbaren Energie im Thurgau sieht heute eines der zentralen Probleme darin, dass der notwendige Ausbau der Fotovoltaik das Stromangebot im Winter verknappt, während er das Überangebot im Sommer vergrössert.

Führte die Schweiz in den Jahren 1999 bis 2018 insgesamt mehr Strom aus als ein, lieferte sie in den Winterhalbjahren allein seit 2003 nichts mehr in andere Länder. Diese Problematik nimmt laut Gemperle zu, da in Frankreich zukünftig alte Kernkraftwerke und in Deutschland Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden.

Wärme statt Strom aus Seewasser holen

Er und 67 Mitunterzeichner regen eine Anpassung des kantonalen Förderprogramms an, damit besonders im Winter mehr Energie aus erneuerbaren Quellen produziert wird. So soll im Bereich der Gebäude die Stromerzeugung im Winter optimiert werden; dies dürfte insbesondere durch Solarstromanlagen möglich sein.

Der Interpellant will auch grundsätzlich die Stromproduktion diversifizieren. In der Diskussion über die Nutzung des Seewassers steht nach seiner Meinung fälschlicherweise die Produktion von Strom im Vordergrund der Diskussion, dabei habe auch die Nutzung als Wärmelieferant grosses Potenzial.

Windstille bei Windkraftwerken

Wärmepumpen, die Wärme mit Erdsonden aus dem Boden holen, brauchen weniger Winterstrom als Luft/Wasser-Wärmepumpen. Der Regierungsrat soll aufzeigen, wie die Förderung angepasst werden könnte.

Gemperle sieht auch Potenzial bei Blockheizkraftwerken, die mit Holz aus Thurgauer Wäldern gefüttert werden. Bezüglich der Windenergie bedauert er:

«Noch immer sind keine Projekte in Sicht.»

Der Regierungsrat soll die Elektromobilität mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur fördern. Hier sieht Gemperle offenbar keine Möglichkeit, die Nachfrage vom Winter auf den Sommer zu lenken. Hingegen soll der Regierungsrat zeigen, wie sie über den Tag verteilt werden könnte.

Die Ladung erfolgt nämlich vorwiegend abends, wenn schon Lastspitzen bestehen und im Winter kein Solarstrom zur Verfügung steht.

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