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Thurgau: Gemeinsam bei Meditation und Momos

Im Tibetisch-Buddhistischen Zentrum fanden am Donnerstagabend Menschen verschiedener Glaubensrichtungen zum interreligiösen Dialog zusammen. Während einer Meditation teilten sie die Stille – und anschliessend ein veganes Essen
Ursula Ammann
Die buddhistische Nonne Tsunma Konchok Jinpa Chodron erläutert anhand des Lebensrades die sechs Daseinsbereiche. (Bild: Ursula Ammann)

Die buddhistische Nonne Tsunma Konchok Jinpa Chodron erläutert anhand des Lebensrades die sechs Daseinsbereiche. (Bild: Ursula Ammann)

Eine bunte Welt offenbart sich beim Betreten des ehemaligen Restaurants Landhaus in Kreuzlingen. Rollbilder in satten Farben, sogenannte Thangkas, schmücken die Wände. Auch eine Fotografie des Dalai Lama hängt dort. Der Duft von Räucherstäbchen erfüllt den Raum. Die einstige Gaststube an der Nationalstrasse ist heute ein Tibetisch-Buddhistisches Zentrum – und diesjähriger Austragungsort der Jahresversammlung des interreligiösen Arbeitskreises im Kanton Thurgau (siehe Kasten).

Rund 25 Personen sind der Einladung gefolgt. Ob Moslem, Buddhist oder Christ – eines ist bereits auf den ersten Blick allen gleich: Sie kommen in Socken daher. Denn es ist Brauch, den Tempel ohne Schuhe zu betreten.

Parallelen zum Rosenkranz

In einer Ecke stehen liebevoll verzierte rituelle Blasinstrumente, in Form und Grösse einer Klarinette ähnelnd. Wie die Besucherinnen und Besucher erfahren, sind diese von ihrer Lautstärke her aber eher für die Weiten des Himalaja gemacht als für ein ruhiges Kreuzlinger Quartier. Auch kleine Trommeln und andere Ritualgegenstände befinden sich im Raum.

Das Verbindende verstehen

Der interreligiöse Arbeitskreis im Kanton Thurgau besteht seit 2010. Er zählt 26 Einzelmitglieder und neun Kollektivmitglieder, die verschiedenen Glaubensrichtungen angehören. Die Jahresversammlung beginnt jeweils mit einem öffentlichen Teil, bei dem die Teilnehmer eine Religion näher kennen lernen können, sei es durch den Besuch einer Kirche, einer Moschee, eines buddhistischen Zentrums oder einer anderen religiösen Stätte. Sinn und Zweck sei nicht, die anderen vom eigenen Glauben zu überzeugen, sagt Präsident Matthias Loretan. «Vielmehr geht es darum, das Verbindende zu verstehen.» Der Verein hat das Ziel, den Dialog zwischen den Religionen im Kanton zu fördern. Er setzt sich deshalb auch für interreligiöse Aktivitäten in der Region ein. (uam)
Hinweis: www.thurgau-interreligioes.ch

Bergit Fischer vom Tibetisch-Buddhistischen Zentrum erklärt, was es mit diesen auf sich hat. Sie nimmt eine Gebetskette mit Holzperlen in die Hand. Diese sei eine Art Zählinstrument, sagt sie. «Immer, wenn man ein Mantra aufgesagt hat, schiebt man eine Perle weg, bis man einmal rund herum ist.» Dies stelle durchaus eine Parallele zum Rosenkranz im Christentum dar.

Daseinsbereiche als Geisteszustände

Nun nehmen die Gäste auf den Kissen im Tempelraum Platz, den Blick nach vorne gerichtet. Ihre Aufmerksamkeit gilt der buddhistischen Nonne Tsunma Konchok Jinpa Chodron aus dem Weltkloster in Radolfzell. Sie gewährt den Anwesenden Einblicke in die Lehre Buddhas, nimmt sie mit in die sechs Daseinsbereiche, die sie anhand des Lebensrads erläutert. Etwa den Bereich der hungrigen Geister, die mit dünnen Hälsen dargestellt sind. «Die dünnen Hälse stehen nicht für Not, Elend oder Hunger, sondern für eine nicht zu stillende Gier, ein ständiges Verlangen und das Gefühl, niemals gesättigt zu sein», erklärt Tsunma Konchok Jinpa Chodron. Solche Momente seien wohl den meisten nicht fremd.

Die Bereiche beschreibt die Nonne denn auch als Geisteszustände, die man als Mensch erfahren könne. «Der Geist kreiert die Realität.» Durch Meditation lassen sich diese Geisteszustände verändern. Die Meditation gilt als Weg zum Selbst, zum inneren Frieden, zur Befreiung von unangenehmen Gefühlen wie Angst, Neid oder Hass. Drei Gongschläge ertönen. Tsunma Konchok Jinpa Chodron leitet zu einer Meditation an.

Die Herausforderung besteht nun darin, ganz bewusst zu atmen und nicht an alltäglichen Gedanken festzuklammern. Gar nicht so einfach für Ungeübte. Fünf Minuten lang sitzen die Anwesenden still da, bis die Gongschläge zum Ende der Meditation erklingen. Der Geist ist ruhig. Zeit, sich um den Bauch zu kümmern.

In der kleinen Küche nebenan wird ein Buffet aufgebaut. Alles ist vegan. Dies aus zweierlei Gründen, wie Bergit Fischer erklärt. Einerseits deshalb, weil es im Buddhismus darum gehe, das Leid – auch Tierleid – in der Welt zu lindern. Anderseits, weil diese rein pflanzliche Ernährungsform auf jede religiöse Richtung passe. So finden die Anwesenden an diesem Abend auch beim Essen zum gemeinsamen Nenner. Bei Reis, Salat und Momos tauschen sie sich aus, bevor es zum geschäftlichen Teil der Versammlung übergeht.

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