Thurgau führt als erster Kanton elektronische Hausverkäufe ein

In ein bis zwei Jahren sollen 80 Prozent der jährlich 5000 Handänderungen über ein neues digitales System laufen.

Thomas Wunderlin
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Werner Möckli, Six Terravis AG, und Linus Schwager, Grundbuch- und Notariatsverwaltung, erläutern das neue System.

Werner Möckli, Six Terravis AG, und Linus Schwager, Grundbuch- und Notariatsverwaltung, erläutern das neue System.

Andrea Stalder

Die Mitarbeiter der Thurgauer Grundbuchämter lernen zur Zeit, den Liegenschaftenhandel elektronisch abzuwickeln. Im Februar startet der Kanton Thurgau als erster Kanton die digitale Zahlungsabwicklung der Handänderungen. An einer Informationsveranstaltung im Weinfelder «Thurgauerhof» gab Linus Schwager, Inspektor der Grundbuch- und Notariatsverwaltung, das Ziel vor: In ein bis zwei Jahren sollen 80 Prozent der jährlich über 5000 Handänderungen im Kanton elektronisch laufen.

Schwager erinnerte daran, dass der Thurgau 1991 auch beim elektronischen Grundbuch zu den Pionieren gehörte. Das Thurgauer Terris-System wird heute auch von zahlreichen andern Kantonen verwendet.

Bei der Einführung der elektronischen Handänderung beteiligen sich bereits zwölf Banken, wie René Allenspach, Leiter des Grundbuchamts und Notariats Kreuzlingen, sagte. Die Banken haben eine Schlüsselrolle: Sie stehen in der Regel auf Seiten des Käufers wie auch des Verkäufers.
Die Plattform, auf der die elektronischen Handänderung abgewickelt wird, kommt von der Six Terravis AG.

Die Firma gehört in die Six-Gruppe, die unter anderem die elektronische Börse betreibt. Laut Geschäftsführer Werner Möckli, sind mehrere Kantone daran, elektronische Handänderung einzuführen; der Thurgau sei voraus, Bern und Aargau würden folgen.

Zahlungsversprechen kommt über Plattform

Der Sachbearbeiter des Grundbuchamts hat dank der Plattform die Übersicht, wie weit die notwendigen Dokumente vorliegen. Unter anderem sieht er, ob die Käuferbank das unwiderrufliche Zahlungsversprechen ins System eingeben hat. Bisher musste die Verkäuferbank dieses der Käuferbank schriftlich abgeben. Wenn alle Unterlagen da sind, löst das Grundbuchamt die Zahlung aus.

Aus ersten Erfahrungen kennt Allenspach die häufigsten Versäumnisse, die zu Verzögerungen führen. So werden beim Ausfüllen des elektronischen Formulars keine Angaben zur Schuldablösung gemacht. Auch fehlen häufig Kopien von Ausweisen.

Nadja Santini von der Raiffeisenbank Altnau sieht den Vorteil des neuen Systems in der erleichterten Abwicklung. Und:

«Anders als auf der Post kann nichts verloren gehen.»

Dominique Rohrbach von der Thurgauer Kantonalbank rühmt die «relativ grosse Ersparnis» des Aufwands. Der Ablauf «sieht einfach aus», sagte Grundbuchinspektor Schwager, «aber es steckt relativ viel dahinter.»

Die Digitalisierung bringe Sicherheit. Kaum eine Branche oder ein Lebensbereich, die von der Digitalisierung nicht erfasst werden. Der Regierungsrat habe erkannt, dass er eine Digitalisierungsstrategie formulieren müssen, sagte Regierungsrätin Cornelia Komposch den 200 Tagungsteilnehmern; darunter befanden sich viele Mitarbeiter von Grundbuchämtern.

Regierungsrat reagiert mit Strategie

Die Regierung wolle sich der «unaufhaltsamen Transformation» stellen. Wenige kantonale Ämter seien so weit bei der Digitalisierung wie das Amt für Grundbuch- und Notariatswesen. Komposch räumte ein, an dem «operativem fachtechnischen Anlass» nicht alles verstanden zu haben.

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