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Thurgau: Frühfranzösisch im Praxistest

Französisch wird im Thurgau weiterhin ab der Primarschule unterrichtet. Ob die nach dem Sprachenstreit eingeleiteten Verbesserungsmassnahmen wirken, prüft das Amt für Volksschule mit einer Studie.
Sebastian Keller
An Thurgauer Schulen wird Französisch weiterhin ab der fünften Klasse unterrichtet. (Bild: Mareycke Frehner)

An Thurgauer Schulen wird Französisch weiterhin ab der fünften Klasse unterrichtet. (Bild: Mareycke Frehner)

Es hat fast geblendet. Das mediale Scheinwerferlicht war derart stark auf den Thurgau gerichtet, als dieser drauf und dran war, das Frühfranzösisch abzuschaffen. Wir schreiben den 3. Mai 2017. In der ersten Lesung sind die Abschaffungsbefürworter im Grossen Rat mit 64 zu 53 Stimmen in der Mehrheit. Tags darauf fallen Bäume der Entrüstung aus dem nationalen Blätterwald auf den Thurgau nieder. Als Totengräber des nationalen Zusammenhaltes wird er verschrien. Die Rede ist gar von einer Bundesintervention: Bleibe der Thurgau auf Abschaffungskurs, greife Innenminister Alain Berset ein.

Mitte Juni 2017 behandelt das Kantonsparlament erneut die Sprachenfrage. Die Scheinwerfer der Nation sind wieder da. Sie beleuchten den Meinungsumschwung: 62 Kantonsräte votieren für die Beibehaltung des Frühfranzösisch, 60 für die Abschaffung.

Lebensrettende Sofortmassnahmen

Ob die lebensrettenden Sofortmassnahmen fürs Frühfranzösisch, die Erziehungsdirektorin Monika Knill zwischen den zwei Sitzungen konkretisiert hatte, zum Umschwung führten, ist Spekulation. Fakt ist: Seit die Glocke das Schuljahr 2018/2019 eingeläutet hat, wird Französisch immer noch ab der fünften Klasse unterrichtet.

Die Massnahmen, die den Französischunterricht auf der Primarschule verbessern sollen, kommen in den Schulzimmern an (siehe Kasten).
Ob das neue Lehrmittel und der Halbklassenunterricht, zwei der vier Massnahmen, Früchte tragen, will das Thurgauer Amt für Volksschule genau überprüfen. Dies ist im «Bildungsbericht Thurgau 2018» zu lesen. Amtschef Beat Brüllmann bestätigt, dass eine vergleichende Studie im Gang ist. Der erste Teil der Studie wurde im Juni durchgeführt: Rund 300 Sechstklässlern im ganzen Kanton, die noch nicht in den Genuss der Massnahmen gekommen sind, nahmen an den Tests teil. «Die Stichprobe wurde zufällig ausgewählt», sagt Brüllmann.

Zweite Testreihe im Juni 2020

Im Juni 2020 treten erneut rund 300 Schülerinnen und Schülern zum Test an. Sie haben dannzumal mit dem neuen Lehrmittel gearbeitet und werden mindestens während einer Lektion im Halbklassenverband unterrichtet. «Es geht zum Beispiel um die Bereiche Schreiben oder Hörverständnis», sagt der Amtschef. Die Tests werden zusammen mit der Pädagogischen Hochschule St. Gallen und der Universität Zürich durchgeführt. «Diese Institutionen verfügen über entsprechendes Testmaterial und Erfahrungen.»

«Da es sich um eine vergleichende Studie handelt, liegen noch keine Resultate vor», sagt Beat Brüllmann. Nach der zweiten Tranche im Jahr 2020 will das Amt über die Resultate informieren. «Das entspricht einem Wunsch aus dem Grossen Rat.» Denn: Frühfranzösischgegner zweifelten in der Grossratsdebatte an der Wirksamkeit der Verbesserungen.

Mehr Austausch mit der Romandie

Sollten die Massnahmen nicht den erhofften Erfolg bringen, würden weitere geprüft. Denkbar ist laut Brüllmann eine Intensivierung von Austauschmöglichkeiten. Diese bestehen heute schon – sie reichen von Brieffreundschaften über verlängerte Schulreisen bis zu Klassenlagern in der Romandie. Das Amt für Volksschule stellt die Angebote zur Verfügung und leistet – etwa für Lager – einen finanziellen Beitrag. «Es besteht aber keine Pflicht», sagt Brüllmann.

Ein Ziel wurde dennoch formuliert. Es ziert den Flyer «Mini Schwiiz isch aussi ta Suisse»: Bis ins Jahr 2020 haben mindestens 20 Prozent der Thurgauer Schüler mindestens einmal eine Form des Austauschs mit einer anderen Sprachregion der Schweiz erlebt.

Einfachere Dispensation, neues Lehrmittel

Mit vier Massnahmen soll der Französischunterricht auf der Primarschule verbessert werden. «Zu Beginn dieses Schuljahres wurde mit diesen Verbesserungen begonnen», sagt Beat Brüllmann, Chef des Amtes für Volksschule. «Einzelne Massnahmen brauchen etwas Zeit.» So gilt seit Sommer eine einfachere Dispensationsregel: Die Schulleitung kann in Absprache mit der Lehrperson und den Erziehungsberechtigten über eine Dispensation entscheiden. Die zweite Massnahme: Für den Übertritt in die Sekundarschule haben die Leistungen in Französisch und Englisch keine Bedeutung mehr. Die dritte Massnahme unterstützt der Kanton finanziell: Mindestens eine Lektion in der 5. und 6. Klasse wird in Halbklassen abgehalten. Die vierte Massnahme ist die Einführung des neuen Französischlehrmittels «dis donc!» für die Primar- und Sekundarstufe. «Erste Schulen haben das Lehrmittel bereits im Einsatz», sagt Brüllmann. (seb.)

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