Thurgau
Der Kanton überlässt das Lüften den Schulen – das Amt für Gesundheit muss sich nicht darum kümmern

Der Grosse Rat lehnt die Motion «Frische Luft gegen Viren» mit einer Zweidrittelmehrheit ab.

Thomas Wunderlin
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In der Frauenfelder Rüegerholzhalle, wo der Grosse Rat tagt, ist die Luftfeuchtigkeit im Winter oft zu tief.

In der Frauenfelder Rüegerholzhalle, wo der Grosse Rat tagt, ist die Luftfeuchtigkeit im Winter oft zu tief.

Benjamin Manser

Schulen und Heime bleiben weiterhin allein für frische Luft in ihren Innenräumen verantwortlich. Das Amt für Gesundheit erhält nicht die Aufgabe, sich auch darum zu kümmern. Der Grosse Rat hat eine entsprechende Motion mit 63 Nein zu 40 Ja abgelehnt.

In der Debatte war nicht bestritten, dass eine gute Lüftung wesentlich dazu beiträgt, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Laut Regierungsrat Urs Martin (SVP) befasst sich aber das Amt für Gesundheit mit Prävention sowie psychischen und sexuell übertragbaren Krankheiten:

«Jetzt soll es auch für Luft zuständig sein?»

Wenn schon, müsste sich das Amt für Umwelt um Luftreinhaltung kümmern oder die Bauexperten des Hochbauamts. Der Kanton engagiere sich durchaus an den Schulen, nämlich mit den repetitiven Tests. Die Positivitätsrate betrage derzeit 0,6 Prozent. Der Thurgau verfüge auch über die notwendigen Laborkapazitäten.

Wichtige Aufgabe für CO2-Messgeräte

Die Motionäre wollten es dem Amt für Gesundheit überlassen, wie es die Aufgabe erfüllt. Eine grosse Bedeutung wurde CO2-Messgeräten zugesprochen, die zugleich die Belastung durch Aerosole anzeigen. Wenn diese zu gross wird, sollte gelüftet werden.

Eine zentrale Beschaffung solcher Geräte wäre für die einzelnen Schulen günstiger, regte die Mitmotionärin Christine Steiger (SP, Steckborn) an. Da sie verhindert war, verlas Marina Bruggmann (SP, Salmsach) ihr Votum. Messgeräte und Luftfilter seien eine sinnvolle Ergänzung zum Zertifikat, meinte Mitmotionärin Marianne Sax (SP, Frauenfeld); da sie seit Einreichung der Motion zurückgetreten ist, wurde ihr Votum von Dominik Diezi (Mitte, Arbon) vorgetragen.

«Das Aufreissen der Fenster hat einen schweren Stand», sagte Christian Stricker (EVP, Oberaach). In einer Gruppe gebe es immer Mitglieder, die empfindlicher auf eine Abkühlung reagierten als andere. Messgeräte seien deshalb sinnvoll.

Laut Christian Mader (EDU, Frauenfeld) wird die Bedeutung der Luftfeuchtigkeit unterschätzt. Damit die Schleimhäute nicht austrocknen, sollte sie sich zwischen 40 und 60 Prozent bewegen.

Die GLP unterstützte die Motion mehrheitlich. Sie finde aber, CO2-Messgeräte müssten nicht flächendeckend eingesetzt werden, sagte Jorim Schäfer (Bischofzsell).

Wecker kann ans Lüften erinnern

Man könne sich auch mit einem Wecker ans Lüften erinnern, meinte Oliver Martin (Leimbach), der die Motion namens einer einstimmigen SVP ablehnte. Auch Sandra Stadler (Mitte, Güttingen) lehnte ab: «Nicht alles, was gut ist, muss vom Kanton finanziert werden.»

Die Vorstösser hätten sich vermutlich in einem engen unbelüftetem Raum befunden, als sie die Motion verfassten, sagte Paul Koch (SVP, Oberneunforn). Es gebe im Kanton genug Fachleute für Liegenschaften: «Wollen Sie allen vorschreiben, wie sie mit der Luftqualität umgehen?»