Thurgau darf für 39,8 Millionen einen Ergänzungsbau zum Regierungsgebäude bauen – Carmen Haag: «Ich habe nie mit einer sehr hohen Zustimmung gerechnet»

Hinter dem Regierungsgebäude in Frauenfeld kann ein Ergänzungsbau entstehen. 300 bestehende Arbeitsplätze der kantonalen Verwaltung werden dort untergebracht, dadurch kann der Kanton Mietobjekte verlassen. Die Bevölkerung sagt mit 54,39 Prozent Ja zum Objektkredit.

Larissa Flammer
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Regierungsrätin Carmen Haag und Kantonsbaumeister Erol Doguoglu mit dem Modell für den geplanten Ergänzungsbau.

Regierungsrätin Carmen Haag und Kantonsbaumeister Erol Doguoglu mit dem Modell für den geplanten Ergänzungsbau.

Bild: Reto Martin

Am Abstimmungssonntag wurde Baudirektorin Carmen Haag doch noch nervös: «Je näher der Mittag kam.» Vorher habe sie ein gutes Gefühl gehabt, es habe wenig Widerstand gegeben und wirtschaftlich sei der geplante Bau eine gute Sache.

Als das Resultat am späteren Sonntagnachmittag da war, zeigte sich Haag dankbar:

«Wenn man in der heutigen Zeit fast 40 Millionen Franken für den Bau eines Gebäudes für die kantonale Verwaltung erhält, ist das nicht selbstverständlich.»

Damit spricht sie die wirtschaftlich unsicheren Zukunftsaussichten wegen der Coronapandemie an.

Die Zustimmung in der Thurgauer Stimmbevölkerung fiel mit 54,39 Prozent zwar nicht knapp, aber auch nicht überdeutlich aus. «Mit einer sehr hohen Zustimmung habe ich nie gerechnet», sagte Carmen Haag. Sie habe etwa 55 bis 60 Prozent erwartet, es wurde ein bisschen weniger. «Ein grosser Anteil der Leute hat den Kredit als zu teuer empfunden», vermutete die Regierungsrätin.

In Frauenfeld war die Zustimmung am höchsten

In 64 der 80 Gemeinden war der Ja-Stimmen-Anteil grösser, darunter in allen Städten (Arbon, Weinfelden, Romanshorn, Amriswil, Kreuzlingen und Frauenfeld). Nein sagten die Bewohner von Egnach, Hauptwil-Gottshaus, Uttwil, Dozwil, Sommeri, Birwinken, Bürglen, Kemmental, Wäldi, Raperswilen, Homburg, Basadingen-Schlattingen, Amlikon-Bissegg, Braunau, Wuppenau und Schönholzerswilen.

Quelle: wahlen.tg.ch

Quelle: wahlen.tg.ch

«Man sieht einen Stadt-Land-Graben», bilanzierte Carmen Haag. Sie freut sich aber, dass auch die Bevölkerung in den Oberthurgauer Städten den Bau in der Hauptstadt befürwortet. «Das ist nicht selbstverständlich.» Es wäre schön, wenn das West-Ost-Denken passé wäre, sagte Haag auf eine entsprechende Frage.

Die deutlichste Zustimmung erhielt der Objektkredit in Frauenfeld (61,41 Prozent). Das habe mit der physischen Nähe zum Bau zu tun, sagte die Regierungsrätin. Die Frauenfelder würden die Verhältnisse vor Ort kennen und könnten dadurch den Bau besser einordnen. «Ausserdem wurde das Projekt vielleicht als Aufwertung für die Stadt wahrgenommen.»

Sehr hohe Stimmbeteiligung

Die Stimmbeteiligung lag bei 51,9 Prozent, was für eine kantonale Vorlage ein sehr hoher Wert ist. «Sie profitierte von den nationalen Vorlagen», sagte Carmen Haag und ergänzte: «So ist das Ergebnis breiter abgestützt.» Ob die Stimmbeteiligung das Ergebnis knapper oder deutlicher ausfallen liess, sei schwierig zu sagen.

Mit dem Ja zum Objektkredit im Rücken kann der Kanton nun das konkrete Bauprojekt ausarbeiten und auflegen.

«Wenn alles gut läuft, können wir in einem oder eineinhalb Jahren anfangen zu bauen und Ende 2024 einziehen.»

Unser Kommentar zum Abstimmungsresultat: Passive Strategie ging auf

Larissa Flammer.

Larissa Flammer.

Bild: Reto Martin

Es hätte peinlich werden können. Wenn das Stimmvolk den Objektkredit von fast 40 Millionen Franken nicht genehmigt hätte, würde sich das Ja-Komitee mit Vorwürfen konfrontiert sehen. Denn ein solches Komitee gab es. Es trat nur kaum in Erscheinung. Keine Medienkonferenz, an der die Argumente präsentiert wurden, keine Plakate am Strassenrand und nur einige wenige Inserate in Lokalblättern. Weil kein Widerstand zu spüren sei, halte man die Aktivität auf einem tiefen Niveau, hiess es im August.

Die Strategie ging auf. Das Stimmvolk sagte Ja, ohne dass Tausende Franken für einen Abstimmungskampf ausgegeben wurden. Doch die Stimmbeteiligung war auch bei der kantonalen Vorlage hoch. Und kurz vor dem Abstimmungssonntag schienen sich erst wenige mit dem Kredit auseinandergesetzt zu haben. Wenn sich also ein signifikanter Teil der Stimmbürger erst beim Ausfüllen des Wahlzettels mit der Ausgabe von 40 Millionen beschäftigt, kann so etwas auch ins Auge gehen.