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Thurgau beteiligt sich an Aktionswoche für Kinder von süchtigen Eltern

Im Beratungsalltag von Perspektive Thurgau ist das Thema Sucht allgegenwärtig. Abhängige auf die Betroffenheit ihrer Kinder anzusprechen, kann schwierig sein. Nächsten Montag startet eine Aktionswoche, damit die Kinder von Süchtigen nicht vergessen gehen.
Ursula Ammann
Alkoholsucht ist weit verbreitet. (Bild: Fotolia)

Alkoholsucht ist weit verbreitet. (Bild: Fotolia)

Einfach nur ruhig sein: Das hat Nina B. als Kind früh gelernt. «Durch die Medikamente und den Alkohol schlief meine Mutter ständig und mein Bruder und ich durften sie dabei nicht stören», sagt die junge Frau. Gestern sprach sie an der Pressekonferenz von Perspektive Thurgau über ihre Erfahrungen. Wie es ihr ergangen ist, geht es in der Schweiz schätzungsweise 100'000 Kindern.

Sie wachsen mit einem alkoholabhängigen Elternteil auf. Nicht in dieser Zahl eingerechnet sind diejenigen, deren Eltern an einer anderen Sucht leiden. Alle diese Kinder sollen nun eine Stimme erhalten.
Vom 11. bis 17. Februar findet eine nationale Aktionswoche für Kinder von suchtkranken Eltern statt.

Amerikanische Idee

Die Idee, jährlich in der Zeit um den Valentinstag eine Woche den Kindern suchtkranker Eltern zu widmen, geht auf die amerikanische National Association for Children of Alcoholics zurück. 2018 wurde die Aktionswoche auch in Deutschland, Grossbritannien und Schweden durchgeführt. 2019 schliesst sich die Schweiz dieser Bewegung an. Die gemeinnützige Stiftung Sucht Schweiz koordiniert hierzulande die Aktionswoche.

«Die Kinder dürfen nicht vergessen gehen», sagt Dirk Rohweder, Bereichsleiter Suchtberatung bei Perspektive Thurgau. «Uns ist es deshalb wichtig, auf dieses Thema aufmerksam zu machen.» Geplant sind Sensibilisierungsspots in Thurgauer Bussen, Postautos und Kinos sowie an Tankstellen.

Kinder aus der Verantwortung nehmen

In ihrem Beratungsalltag hat sich Perspektive Thurgau des Themas bereits vor einiger Zeit angenommen. Keine einfache Aufgabe: Es sei manchmal ein heisses Eisen, suchtkranke Eltern auf das Wohl ihrer Kinder anzusprechen, sagt Helen Lussmann, Suchtberaterin bei Perspektive Thurgau.

«Denn oft befürchten diese, dass das Erzählte Konsequenzen hat – zum Beispiel, dass wir sie zurechtweisen oder womöglich sogar die Kesb einschalten.» Um den Klienten diese Angst zu nehmen, komme jeweils eine separate Fachperson in die Beratungsstunde. Diese informiere die Mütter und Väter sachlich darüber, was sie tun können, um ihre Kinder zu entlasten, sagt Helen Lussmann. «Denn letztlich sind alle Eltern daran interessiert, dass es ihren Kindern gut geht.»

Darüber reden

Doch was können diese Eltern trotz ihrer Sucht tun, um die Situation zu verbessern? Es helfe alleine schon, das Tabu zu brechen und miteinander zu reden, sagt Helen Lussmann. Sie erinnert sich an einen alkoholkranken Vater, der Hemmungen davor hatte, seinen Söhnen – damals im Primarschulalter – zu erzählen, weshalb er trinkt und warum er deswegen immer wieder in der Klinik ist.

Als er das Thema angesprochen habe, sei es eine Erleichterung für alle gewesen. Kinder seien offen und tolerant, sagt Helen Lussmann. Und es sei wichtig, ihnen zu sagen, dass sie keine Verantwortung tragen für die Situation. Auch Nina B. hat sich oft die Schuld am Dilemma ihrer Mutter gegeben. Vor einiger Zeit hat sie sich mit ihr ausgesprochen.

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