Thurgau Akutspitäler müssen bis Freitag Covid-19-Kapazitäten hochfahren

Die Spital Thurgau AG und das Herz-Neuro-Zentrum Bodensee müssen per Freitag 21 Intensivplätze für Coronapatienten bereithalten. Als nächstens Schritt müssten auch Kliniken Fachpersonal an die Akutspitäler entsenden.

Sebastian Keller
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Ein Covid-19-Patient wird auf einer Intensivstation eines Schweizer Spitals behandelt.

Ein Covid-19-Patient wird auf einer Intensivstation eines Schweizer Spitals behandelt.

Arthur Gamsa

Aktuell sind im Thurgau 56 Coronapatienten hospitalisiert; neun davon müssen intensivmedizinisch behandelt werden. Regierungsrat Urs Martin, Chef des Departementes für Finanzen und Soziales, rechnet in den nächsten Tagen mit steigendem Bedarf an Intensivplätzen. «Weil die Spitalauslastung nachgelagert zu den hohen Fallenzahlen kommen und die Belegung der Intensivplätze noch später.» In den vergangenen zwei Wochen kamen täglich rund 150 Neuinfizierte dazu.

Ein Blick auf die Statistik zeigt: Die Hospitalisierungsrate der 70- bis 79-jährigen beläuft sich auf 24,1 Prozent. Jene der 50- bis 59-jährigen auf 3,96 Prozent. Letztere Altersgruppe wird mit leichtem Abstand am häufigsten positiv auf das Virus getestet. Den Anteil der Intensivpatienten pro Altersgruppe weist die Statistik nicht aus.

Urs Martin, Thurgauer Gesundheitsdirektor.

Urs Martin, Thurgauer Gesundheitsdirektor.

Reto Martin

Damit die erhöhten Kapazitäten spätestens am Freitag bereitstehen, hat Martin einen departementalen Entscheid gefällt, den er dieser Zeitung auf Anfrage zugestellt hat. Dieser besagt, dass die Spital Thurgau AG mit ihren beiden Akutspitälern in Frauenfeld und Münsterlingen 18 Intensivplätze für Coronapatienten zur Verfügung stellen muss. Das Herz- Neuro-Zentrum Bodensee (HNZB) in Kreuzlingen muss zum selben Zeitpunkt drei bereithalten. Als Listenspital ist das HNZB zur Mithilfe verpflichtet. In einem früheren Entscheid ist zu lesen, dass in Kreuzlingen sechs intensivmedizinische Behandlungsplätze mit Beatmung für Covid-19-Patienten vorhanden sind.

Als nächstes geht es auch um das Fachpersonal

Gesundheitsdirektor Martin hat einen Entscheid vom Oktober angepasst. Damals hiess es, dass weitere Leistungserbringer wie etwa Privatkliniken den Akutspitäler ihr Fachpersonal für den Betrieb der Intensivplätze zur Verfügung stellen müssen – im Bedarfsfall. So weit ist es aber noch nicht, weil sich die Wachstumsgeschwindigkeit der Fallzahlen abgeschwächt habe.

Neu gilt: Ab einem noch zu definierenden Zeitpunkt haben die Kliniken drei Tage Zeit, ihr Fachpersonal an die Akutspitäler zu entsenden. Weiter müssten die Spital Thurgau AG acht, das HNZB drei zusätzliche Intensivplätze zur Verfügung zu stellen. Urs Martin erklärt:

«Wann das der Fall sein wird, kann man heute noch nicht sagen.»

Entscheiden sei die epidemiologische Lage. Unverändertes gilt für die auf der Pflegeheimliste des Kantons geführten Institutionen. Sie sind verpflichten, Patienten von den Spitälern zu übernehmen, welche «keiner akutmedizinischer Betreuung mehr bedürfen». Rund 50 Institutionen stehen auf dieser Liste.

Eingriffe nach Möglichkeit weiterhin durchführen

Wie Martin erklärt, hätten sich die Spitäler bereits seit längerem auf die sich anbahnende Situation eingestellt: «Die Akutspitäler machen gewisse Eingriffe dosiert», sagt er. Als Beispiel nennt er einen Magenbypass. Viele Eingriffe sollten und könnten aber weiterhin stattfinden. Vor allem solche, die kaum eine intensivmedizinische Behandlung nach sich ziehen. Zu denken ist etwa an einen Leistenbruch oder eine Knieoperation.

Zudem seien gewisse Operationen auch einfach zwingen, um Leben oder Lebensqualität zu erhalten. Im Frühling war es anders: Der Bundesrat untersagte – legitimiert durch die von ihm ausgerufene ausserordentliche Lage – nicht dringliche Operationen. Durch das Verbot stapelten sich bei den Spitälern die Pendenzen und gewissen Personalgruppen fehlte die Arbeit. Urs Martin spricht sich gegen einen neuerlichen Eingriff des Bundesrates bei Wahleingriffen aus.

«Dazu fehlt im derzeit auch die gesetzliche Grundlage.»

Die allgemeine Coronalage beurteilt der Gesundheitsminister insgesamt als «besser als auch schon». Die Fallzahlen seien auf hohem Niveau stabil, ja gar leicht rückläufig. Er geht davon aus, dass die Corona-Massnahmen des Bundes ihre Wirkung entfalten.