Thurgauer Gärtner wollen 200 Lebensräume für Insekten schaffen

Im März und April gestalten die Thurgauer Gärtner den Botanischen Garten in Frauenfeld um. Mit Pflanzenboxen machen sie auf ihr Projekt zur Förderung der Biodiversität aufmerksam.

Larissa Flammer
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Eine der Pflanzenboxen, die der Unternehmerverband der Thurgauer Gärtner vermietet. (Bild: PD)

Eine der Pflanzenboxen, die der Unternehmerverband der Thurgauer Gärtner vermietet. (Bild: PD)

Die Thurgauer Gärtner haben der Steinzeit den Kampf angesagt. Flachdächer ohne Begrünung und graue Vorgärten sind ihnen ein Dorn im Auge. Vor bald zwei Jahren hat sich der Unternehmerverband Jardin Suisse Thurgau die Biodiversität zuoberst auf die Fahne geschrieben. Sein Hauptvorhaben: Den Botanischen Garten in Frauenfeld aufzuwerten.

Er soll ein Vorzeigeprojekt für die Artenvielfalt werden, sagte Verbandspräsident Viktor Gschwend vor einem Jahr an einer Medienorientierung. Nun steht das Projekt, das Geld ist da. Gschwend sagt: «Im März geht es los.»

Um auf das Projekt und das Thema Biodiversität allgemein aufmerksam zu machen, vermieten die Thurgauer Gärtner Pflanzenboxen. Das Holz für die Hochbeete kommt aus dem Thurgauer Wald, die Wände wurden im Kanton zusammengebaut, die Erde stammt aus Frauenfeld und die Samen von einheimischen Pflanzen, die im Thurgau gezogen wurden. Der Verbandssekretär Stefan Zöllig sagt dazu:

«Nochhaltig bis an Haag abe.»
Viktor Gschwend, Präsident Jardin Suisse Thurgau.(Bild: Donato Caspari)

Viktor Gschwend, Präsident Jardin Suisse Thurgau.(Bild: Donato Caspari)

Eine Pflanzenbox bietet einen Quadratmeter Biodiversität und damit Lebensraum für Schmetterlinge und andere Insekten. Jardin Suisse Thurgau bringt die Box im Frühling an den gewünschten Standort und holt sie am Ende der Gartensaison wieder ab. Kostenpunkt: 399 Franken.

Neben der einen Quadratmeter grossen Variante gibt es auch kleinere Gefässe. «Insektencafé», nennt sie der Verbandspräsident. Gschwend hofft, 100 oder gar 200 Pflanzenboxen im ganzen Kanton verteilen zu können. Der Erlös aus der Vermietung fliesst in das Biodiversitätsprojekt im Botanischen Garten.

Das Projekt könnte ins Fernsehen kommen

Auch das Schweizer Fernsehen thematisiert nächstes Jahr die Biodiversität, wie Gschwend weiss. Unter anderem sollen Projekte zur Förderung der Artenvielfalt in der ganzen Schweiz vorgestellt werden. Der Verbandspräsident sagt: «Wir wären stolz, Teil der Sendung zu sein.» Chancen hat das Projekt seines Verbands durchaus, wie er sagt. Ganz alle Pläne können die Gärtner nächsten Frühling nicht umsetzen. Die ursprünglich für den Botanischen Garten geplante Lehmstampfmauer kommt zum Beispiel vorerst nicht zu Stande. Gschwend sagt: «Vielleicht gibt es eine zweite Phase für das Projekt.»

Stefan Zöllig, Sekretär Jardin Suisse Thurgau. (Bild: PD)

Stefan Zöllig, Sekretär Jardin Suisse Thurgau. (Bild: PD)

Neben der Aufwertung des Botanischen Gartens und der Vermietung der Pflanzenboxen stellen die Gärtner ihr Biodiversitätsprojekt noch auf ein drittes Standbein. Sie ziehen 50 verschiedene Arten von einheimischen Wildstauden; Wegwarte oder wilder Majoran zum Beispiel. Diese sollen im Frühling unter dem Aspekt der Artenvielfalt verkauft werden. Zöllig ergänzt: «Wir tragen auch Informationen zu den Pflanzen zusammen: Wo sie am besten wachsen, welche Insekten sie anziehen und wie man sie nutzen kann.» Wegwarte und Majoran zum Beispiel sind Heilpflanzen.

Der Unternehmerverband will möglichst viele Thurgauer dazu anregen, im Garten oder auf dem Balkon einige einheimische Pflanzen zu haben und damit auch zum Lebensraum der Insekten beizutragen. Mehr Biodiversität im Siedlungsraum, lautet das Ziel.

Hinweis: www.läbesruum-tg.ch

Bäume im Botanischen Garten bleiben bestehen

(lsf) 5000 Quadratmeter des Gartens hinter dem Obergericht in Frauenfeld will Jardin Suisse Thurgau aufwerten. Das Budget beträgt 62000 Franken. Der Löwenanteil kommt vom Kanton – er besitzt den Botanischen Garten – und vom Thurgauer Verband der Raiffeisenbanken. Die Aufwertung ist von März bis Mitte April vorgesehen. Der Baumbestand bleibt bestehen. Der Garten soll neben Pflanzen auch mit Strukturelementen wie Totholz und Steinhaufen ergänzt werden. Die offizielle Eröffnung ist im Juni geplant.

FRAUENFELD: Einheimische statt Exoten

Der Botanische Garten inmitten der Stadt soll als Vorzeigeprojekt für die Förderung von Biodiversität florieren. Dafür sucht der kantonale Verband der Gärtner noch moralische und finanzielle Unterstützung.
Samuel Koch