Thurgau
200 Franken für eine Idee, die noch nicht umgesetzt worden ist

Im ersten Jahr des Ideenmanagements haben Mitarbeiter der Thurgauer Kantonsverwaltung 147 Verbesserungsvorschläge eingereicht. Ein Drittel davon ist prämiert worden.

Thomas Wunderlin
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Wer im kantonalen Verwaltungsgebäude in Frauenfeld eine gute Idee hat, der kann damit Geld verdienen.

Wer im kantonalen Verwaltungsgebäude in Frauenfeld eine gute Idee hat, der kann damit Geld verdienen.

Reto Martin

Ein Mitarbeiter des Migrationsamts erhielt die erste Prämie. Manuel Schweiss, Teamleiter Zentrale Dienste, hatte die Idee, dass die Lohnsystematik im Rahmen einer Schulung erklärt werden soll. Dafür erhielt er 200 Franken, wie die «Leuetatze», die Personalzeitschrift der Thurgauer Kantonsverwaltung, meldete.

Um gute Ideen ihrer Mitarbeiter nutzbringend anzuwenden, hat der Kanton im Januar 2020 ein Ideenmanagement eingeführt. Das erste Jahr galt als Versuchsphase, wie die Leiterin des Personalamts Martina Boron auf Anfrage erklärt. Sie ist zurzeit an der Auswertung.

Bei der ersten prämierten Idee, die Lohnsystematik zu erklären, handle es sich um «einen Input für den Einführungstag». Allerdings ist er noch nicht umgesetzt. Wegen der Coronakrise war das Personalamt im vergangenen Jahr stark damit beschäftigt, die Einführungsveranstaltung für neue Mitarbeiter digital umzusetzen.

Prämien bis zu 300 Franken

Im Budget sind für das Ideenmanagement 50000 Franken enthalten. Die ausbezahlten Prämien bewegen sich aber laut Boron nur im Bereich von 100, 250 oder 300 Franken.

Mitarbeiter können Ideen online eingeben. Die Meldung geht zuerst an den Amts- oder Betriebsleiter, der sie bewertet. Er muss auch angeben, ob die Idee umgesetzt wird. Falls sie nicht sein Amt betrifft, leitet er sie ans zuständige Amt weiter. Dies war auch der Fall bei der ersten prämierten Idee, die von einem Mitarbeiter des Migrationsamts kam, aber das Personalamt betraf.

Die Bewertung des Amtsleiters löst im System einen Vorschlag einer Anerkennungsprämie aus. Das Personalamts prüft den Vorschlag, ändert ihn allenfalls, und die Prämie wird mit dem nächsten Lohn ausbezahlt.
Bis Ende 2020 wurden laut Boron 139 Ideen eingereicht. Davon sind 46 prämiert und ebenfalls 46 nicht prämiert worden. 47 Ideen sind von den Amtsleitungen noch nicht bewertet worden.

Schweiss war auf die prämierte Idee gekommen, weil ihn seine Mitarbeiter zur Lohnsystematik und zur Lohnentwicklung befragten, wie er der «Leuetatze» sagte:

«Ich konnte ihnen leider nicht erklären, wie die Einreihungen genau zustande kommen.»

Auch nach einem Gespräch mit seiner Vorgesetzten sei ihm die Thematik noch nicht klar geworden. Er halte es für sehr wichtig, dass die Mitarbeiter der Kantonsverwaltung verstehen, wie der Lohn zustande komme.

Mit dem Ideenmanagement will der Regierungsrat die betriebliche Leistungsfähigkeit erhöhen. Vor der Einführung besichtigte eine Projektgruppe drei Firmen, die eine solche Ideenbörse betreiben.

20-Prozent-Stelle für die Koordination

Jürg Wiesli (SVP) hatte die Idee des Ideenmanagements.

Jürg Wiesli (SVP) hatte die Idee des Ideenmanagements.

Reto Martin

Für die Umsetzung wurde im Personalamt eine Koordinationsstelle mit einem 20-Prozent-Pensum geschaffen. Die Idee eines Ideenmanagements geht auf den Dozwiler SVP-Kantonsrat Jürg Wiesli zurück, der 2015 mit einer Interpellation ein Prämiensystem nach dem Beispiel der Bischofszell Nahrungsmittel AG (Bina) anregte.