Interview

Thundorfs neuer Gemeindepräsident hat sich gut eingelebt und macht sich stark für den kontrovers diskutierten Windpark

Nach 125 Tagen fühlt sich Dani Kirchmeier in Thundorfs Gemeindehaus angekommen. Zu tun gibt’s noch genug. Das grosse Wachstum bringe genügend Aufgaben mit sich. Zudem plädiert er klar für den umstrittenen Windpark.

Samuel Koch
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Die Windenergieanlage in Oldis in Haldenstein. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Die Windenergieanlage in Oldis in Haldenstein. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Sind Sie schon nervös?

Dani Kirchmeier: Nein, warum sollte ich?

Im Januar leiten Sie Ihre erste Bechtelisversammlung als Gemeindepräsident.

Ah, nein. Derzeit fühle ich mich sehr wohl. Die Nervosität dürfte aber kurz vor der Versammlung noch kommen.

Dani Kirchmeier, Gemeindepräsident Thundorf. (Bild: Samuel Koch)

Dani Kirchmeier, Gemeindepräsident Thundorf. (Bild: Samuel Koch)

Kommt Ihr Privatleben seit dem Sommer nicht zu kurz?

Nein. Zwar verbringe ich seither anderthalb Tage im Gemeindehaus. Im Geschäft läuft’s aber problemlos weiter. Einerseits dank meinem Sohn, der nach seinen Wanderjahren zurückgekehrt ist, jedoch noch eine berufsbegleitende Ausbildung macht. Andererseits dürfen wir auf die Dienste eines langjährigen Mitarbeiters zurückgreifen. Und meine Frau hat sich seit dem Sommer auch nicht bei mir beschwert. (lacht)

Gab es seit Ihrem Amtsantritt Rückmeldungen aus der Bevölkerung?

Ich bin viel auf meine ersten Tage angesprochen worden, was ich sehr schätze.

Wie haben Sie Ihre ersten Wochen erlebt?

Im Grossen und Ganzen läuft alles gut, weil mir aufgrund meiner Arbeit im Gemeinderat seit 2007 nicht alles komplett fremd ist. Wesentlich verändert haben sich die Themen. Als Werkevorsteher kümmerte ich mich vorher nur um Strom und Wasser. Jetzt hat sich der Fächer geöffnet, und ich bin für alle, teils komplexe Bereiche zuständig.

Vor Ihrem Amtsantritt bedauerten Sie, dass heutzutage alle nur noch egoistisch denken würden. Konnten Sie diesbezüglich etwas Gegensteuer geben?

Das ist extrem schwierig. Als Gemeindepräsident kommen kritische Kommentare ungefiltert.

Und man muss auch mal zwischen zwei Streithähnen vermitteln können.

Früher als Gemeinderat konnte ich sie an meinen Vorgänger verweisen. Jetzt wird von mir gefordert, dass ich die Probleme selber anpacke.

Das haben Sie auch bei der Bauverwaltung getan?

Ja. Dort arbeitet seit Anfang Oktober Werner Strasser in einem 20-Prozent-Pensum, der gleichzeitig bei der Bauverwaltung in der Gemeinde Warth-Weiningen tätig ist. Für unsere Gemeinde steht damit ein neuer Fachexperte mit Rat und Tat zur Seite, vor allem nachdem der bisherige Gemeinderat Markus Rüegg seine Wiederwahl als Überzähliger verpasste.

Das Bauwesen ist ein gutes Stichwort für eine bevorstehende Herausforderung.

Das ist so. Derzeit sind Dutzende Wohnungen im Bau, diverse weitere sind in Planung. Und das bevorstehende Wachstum bringt weitere grosse Aufgaben mit sich.

Welche?

Ein grosser Lupf kommt sicher auch mit der Zonenplanrevision auf uns zu, die zuletzt aufgrund der vielen Wechsel im Gemeinderat etwas ins Stocken geraten ist. Zudem sollten wir den Schutzplan mit wertvollen und erhaltenswerten Gebäuden überarbeiten.

Wie läuft die Arbeit im neu zusammengesetzten Gemeinderat?

Sehr erfreulich. Die vier neuen Gemeinderäte zeigen sich sehr motiviert und gewillt, sich in ihre Ressorts und Dossiers einzuarbeiten. Zudem wirkt sich auch die Neubesetzung mit zwei Gemeinderätinnen positiv aufs Klima aus.

Als grosses «Pièce de Résistance» gilt der vom Kanton im Richtplan vorgesehene Windpark?

Ja. Obwohl sich im Dorf bereits ein Verein gegründet hat und sich zuletzt auch Gegner aus anderen Windpotenzialgebieten im Kanton gemeldet haben, befürworte ich den Bau einer Windkraftanlage in Thundorf.

Was stört Sie am meisten bei der Opposition?

Alle wollen Strom für elektrisch betriebene Autos, Velos oder Scooter. Niemand will aber etwas für die Stromproduktion geben. Stünde die Frage im Raum, ob man im Jura 50 Windkraftanlagen bauen sollte, würden in Thundorf vermutlich alle zustimmen. Wir müssen den Wechsel auf erneuerbare Energien anpacken, auch bei uns vor der Haustüre.