Theater Jetzt feiert in Sirnach eine gelungene Premiere von «D'Familie Addams»

Kinder mit einer Säge im Kopf und eine Grossmutter im Kompostgut. Das und vieles mehr bietet das neue Werk von «Theater Jetzt» in Sirnach.

Christoph Heer
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Die Schauspieler vom Theater Jetzt zeigen sich in den Räumlichkeiten des Sirnacher Ööli-Areals in Hochform. (Bilder: Christoph Heer)

Die Schauspieler vom Theater Jetzt zeigen sich in den Räumlichkeiten des Sirnacher Ööli-Areals in Hochform. (Bilder: Christoph Heer)

Die Familie Addams und Weihnachten, ein absolutes No-Go. Da kommt die Idee von Cousin Itt (Robin Neher) genau zum richtigen Zeitpunkt:

«Ihr müsst jemanden einladen, den ihr so richtig hasst.»

Aber aufgepasst, wer das im Sinne von Cousin Itt macht und eins zu eins in sein Privatleben adaptiert, dem blühen mit Bestimmtheit die unterhaltsamsten, blutigsten und doch irgendwie liebevollsten Weihnachten seit Erdengedenken.

Wie das ausgehen kann, zeigt das Theater Jetzt mit Oliver Kühn in der Rolle des Gesamtleiters; und im Scheinwerferlicht in derjenigen des fremdgehenden Gomez. Das 90 Minuten dauernde, äusserst unterhaltsame Stück, nimmt den Besucher mit auf eine Reise zur Familie Addams. In ihr kaltes Heim, weit weg von Liebe und Sympathie, fern ab von Herzenswärme und Freundschaft.

Dafür mit Minus 40 Grad Celsius in den Schlafzimmern, Schimmelpilzen und Kindergruften. Ob da ein Fest der Liebe – «oh, welch ein Graus» – überhaupt möglich ist? Die Spannung steigt, die Vorfreude auf die finale Auflösung der Geschichte ebenso.

So ein Krippenspiel gab es noch nie.

So ein Krippenspiel gab es noch nie.

Stille Nacht, frostige Nacht

Das alte Fabrikgelände des Ööli-Areals dient als Kulisse, der Warenlift transportiert die Besucher und Kerzen machen aus der Lagerhalle eine gespenstische Lokalität. Eine wärmende Jacke mit dabei zu haben lohnt sich, nicht nur, weil das kalte Auftreten von Butler Lurch (Mathias Ott) einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Schlussendlich aber, feiert die Familie Addams mit ihren eigentlich verhassten Freunden, der Familie Schwendimann, doch noch ein unglaubliches Weihnachtsfest. Beim Krippenspiel fehlt es an nichts, schon gar nicht an Geschenken. Und das Jesuskind? – das weiss man jetzt – lag lediglich 30 Minuten in der warmen Krippe, sein Hunger war zu gross, um noch länger sinnlos darin zu liegen. An der Premiere am Donnerstagabend gab es unzählige Lacher, lang anhaltende Applause für Schauspieler, Ton- und Lichttechniker, Musiker, Maskenbildner.

Mehr zum Stück «D'Familie Addams»

Informationen und Reservation unter www.theaterjetzt.ch.

Eine Frage bleibt an dieser Stelle unbeantwortet. Gomez ist spurlos verschwunden. Keiner weiss, wo er sich aufhält, auch seine Frau Morticia (Martina Flück) nicht. Wie diese Geschichte ausgeht, und ob Gomez gesund und munter wieder auftaucht, kann an weiteren Aufführungen bis am Samstag, 22. Dezember, im Ööli-Areal miterlebt werden.

KULTUR: Seine Bühne ist ein Linienbus

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Christoph Heer