Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Chrampfe & Hirne fordert: Tempo 30 statt Tunnel ohne Mehrwert

Eine Stadtentlastungsstrasse in Frauenfeld braucht es nicht, ist man bei Chrampfe & Hirne überzeugt. Dafür setzt die politische Gruppierung auf flächendeckende Verkehrsberuhigung in der Innenstadt. Ihre Variante «Frauenfeld plus» könnte schneller realisiert werden als ein Tunnel.
Mathias Frei
Eine Tempo-30-Zone, wie sie CH grossflächig in der Innenstadt fordert. (Bild: Stefan Schaufelberger)

Eine Tempo-30-Zone, wie sie CH grossflächig in der Innenstadt fordert. (Bild: Stefan Schaufelberger)

«Weil es um die Substanz geht, ums ‹Lebige›», sagt Charles Landert. Deshalb engagiere sich Chrampfe & Hirne (CH) so intensiv in der aktuellen Debatte um Stadtentwicklung und Verkehrsplanung. Den Begriff der Stadtentlastung hört CH-Präsident Landert nicht gern. Weil der vom Stadtrat präferierte Vorstadttunnel – oder allgemein: jede neue Strasse – das Verkehrsaufkommen nicht verkleinere, sondern nur verteile. Der Gegenwert für die Autofahrer sei im Verhältnis zu den Kosten vernachlässigenswert. Und für ÖV, Velofahrer oder Fussgänger würde sich gar nichts verbessern. Im Übrigen stagniere das Verkehrsaufkommen an neuralgischen Orten im Stadtzentrum oder sei sogar rückläufig. Landert kann dies mit Zahlen des Kantons für die Jahre 2005 bis 2015 belegen.

Ein Entlastungstunnel in Frauenfeld ist definitiv "für d'Füchs".

Der Fundamentalismusvorwurf ist in jüngerer Vergangenheit da und dort zu hören, wenn es um CH als Tunnelgegner geht. Der Vorwurf prallt an Landert ab. Weil vieles belegbar ist, was CH sagt und will. «Wir arbeiten mit Experten zusammen.» CH-intern wird viel Vorarbeit geleistet, bis etwas publik gemacht wird. Ein Beispiel: die blaue Broschüre von CH, die kürzlich in alle Frauenfelder Haushalte ging. 14000 Exemplare wurden gedruckt. Die wenigsten Leute hätten die Zeit, um sich ausreichend mit so komplexen Themen zu befassen, sagt Landert. «Mit der Broschüre wollen wir deshalb auch sensibilisieren.»

Flüssigerer Verkehr und weniger Lärm

Verkehr war bei CH schon immer ein Thema. Landert hat das Referendum gegen den Ausbau der Häberlinstrasse in den 1970er-Jahren miterlebt. Einer der Auslöser für die Gründung von CH in den 1980ern war die Abstimmung gegen eine Murguferstrasse im Verkehrsrichtplan. «Danach gab es mit der Breitenstrasse und der F21 noch zwei weitere Verkehrsabstimmungen. Und immer hat das Stimmvolk Nein gesagt», stellt Landert fest. Bei der aktuellen Debatte gehe es für CH aber um Grundsätzlicheres. «Wohin gehen wir mit Frauenfeld, was ist die Aufgabe der Stadt, was kann der Kanton beitragen?» Wenn man heute Frauenfelder fragte, was ihnen wichtig wäre, würden viele antworten: weniger, aber flüssigerer Verkehr und weniger Lärm. Davon ist Landert überzeugt. Und hier kommt Tempo 30 ins Spiel. CH sieht in der Innenstadt flächendeckend Verkehrsberuhigung als Lösung. Landert spricht von einem grosszügigen Perimeter. Das heisst für ihn: Holdertorkreisel, Thundorferstrasse bis Chappenzipfelkreisel, Ringstrasse, die Zeughaustrasse runter bis zum Schweizerhofkreisel, Zürcherstrasse ab Ringstrasse bis Kreuzplatz, Schlossmühlestrasse, Altweg, die Rheinstrasse runter bis zum Roseneck als ungefähre Grenzen. Dazu gehört die Umgestaltung des Strassenraums. Auch Einbahn-Verkehrsregimes stehen zur Diskussion. CH nennt diese Variante «Frauenfeld plus», andere sprechen von der Variante Null. Landert rechnet mit deutlich günstigeren Kosten im Vergleich zu einem Vorstadttunnel, die Massnahmen wären auch schneller realisiert. Dafür bräuchte es keine «massiven Eingriffe ins Stadtbild» wie beim Vorstadttunnel. Die Bäume auf der Promenade müssten nicht gefällt werden, es bräuchte keine Tunnellüftungsschächte, die irgendwo aus dem Boden kämen. Und der Marktplatz als Entwicklungsgebiet würde nicht zur stark befahrenen Zubringerstrasse für die Altstadt, sagt Landert.

Der Stadtrat manövriert sich sonst in eine Sackgasse, die spätestens bei 51 Prozent Nein zu einem Tunnel deutlich wird.

Nach Einschätzung von CH würde das Verkehrsaufkommen auf dem ganzen Stadtgebiet im Jahr 2035 mit der Variante «Frauenfeld plus» im Vergleich zu heute stagnieren. An wenigen Stellen würde es weniger Verkehr haben, an ebenso wenigen Stellen gäbe es leichten Mehrverkehr. Und dies, obwohl der Stadtrat einen Verkehrszuwachs von einem Prozent pro Jahr prognostiziert. «CH fordert deshalb, dass der Stadtrat unseren Vorschlag so sorgfältig prüft wie die sieben Varianten aus der Machbarkeitsstudie.» Sodann soll nebst einer Tunnelvariante auch für «Frauenfeld plus» ein Vorprojekt erarbeitet werden. «Der Stadtrat manövriert sich sonst in eine Sackgasse, die spätestens bei 51 Prozent Nein zu einem Tunnel deutlich wird», meint Landert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.