Tausend und eine Farbe in der Frauenfelder Stadtgalerie Balerie

Farben sind ihr Leben, und aus Tausenden von Farben schafft sie ganze Welten. Annette Grunert aus Frasnacht zeigt ihre Bilder und Skulpturen in der Stadtgalerie Baliere in Frauenfeld.

Dieter Langhart
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Jugenderinnerung: Annette Grunert mit einem Bazooka-Kaugummi vor ihrem gleichnamigen Bild. (Bild: Andrea Stalder)

Jugenderinnerung: Annette Grunert mit einem Bazooka-Kaugummi vor ihrem gleichnamigen Bild. (Bild: Andrea Stalder)

«Das erinnert mich an meine Kindheit.» Annette Grunert zeigt auf das Bild aus Dutzenden von Papierchen. Jedes hat einen andern Farbton, als Ganzes und gerahmt strahlen sie jenes süsse, unbeschwerte Gefühl aus, das Annette Grunert empfand, wenn sie mit dem Kaugummi riesige Blasen blies oder armlange Fäden zog. «Bazooka war der beste Kaugummi», und darum nennt sie ihr Bild auch so.

Gleich links vom Eingang zur Galerie hängt es, dominiert die Wand. Dabei ist «Bazooka» gar nicht so typisch für ihre Arbeiten. Nur drei Dinge braucht Annette Grunert: Quadrate, Kreise, Farben. Daraus schafft sie vor allem jene Werke, die sie Weltenbilder nennt. Leicht und luftig sind sie, und jeder Betrachter soll in ihnen seine eigene Welt sehen.

Drei vollkommene Formen: Kugel, Kreis, Quadrat

Was aber so leicht und luftig aussieht, ist das Ergebnis tagelanger Arbeit. Hunderte von kleinen Quadraten, auf Papierstreifen gemalt, waagrecht und senkrecht ineinander geflochten, bis die raffinierten Farbverläufe eine fast plastische Weltkugel ergeben und zu einem schillernden Grundton verschmelzen: pink, blau, grün. Die Kugel scheint vor einem gedämpft farbigen Quadrat zu schweben, das auf weitere geflochtene Quadrat-Streifen gemalt ist. Erst wer nahe vors Bild steht, erkennt die minutiös geplanten und gemalten Pixel der Welt. Und im Treppenhaus zum oberen Stockwerk wartet eine Überraschung: In drei Bildern meint man aus dem All auf Kontinente und Meere zu blicken.

«Kugel, Kreis und Quadrat sind vollkommene Formen»

sagt die Künstlerin Annette Grunert. Die ausgebildete Textildesignerin hat 25 Jahre gearbeitet, im In- und Ausland, vor vier Jahren hat sie ihr Atelier in einem ehemaligen Bootshaus bei Arbon eingerichtet. «Das Atelier ist wie ein Schalter zu meiner eigenen Welt», sagt Annette Grunert. «Sie ist leicht und besteht aus der Unendlichkeit der Farben, die ich selbst mische.» Sie ist in einem Atelierhaus aufgewachsen (beide Eltern waren Designer), inmitten von Farben und Bilderbüchern. Sie malt, seit sie Kind ist, malte weiter neben ihrer Arbeit, jetzt freiberuflich. Und sie malt nicht nur Weltenbilder.

Da ist «Bazooka» mit den ungewohnten Rechtecken. Da sind Taburettli, überzogen mit Stoff – Stoff aus den gewohnten geflochtenen Streifen. Und da sind gar weisse Turnschuhe, mit feinen Farbtupfern gesprenkelt.

Das Entwerfen und Malen ist wie Meditation

Sie plant ihre Bilder minutiös, hat ein sehr gutes Vorstellungsvermögen, braucht absolute Konzentration. «Ich bin kein geduldiger Mensch, das Entwerfen und Malen ist für mich wie Meditieren», sagt sie. «Die Herausforderung ist vor dem Malen: Ich muss wissen, welche Farbe wohin kommt.» Sie habe zwanzig Jahre gebraucht, bis sie die gewünschte Perfektion erreicht habe. Zwei, drei Monate braucht sie für ein grosses Weltenbild. Am Schluss versiegelt sie es mit einem Lack, der die plastische Wirkung noch verstärkt.

Dreidimensional wird es im Keller. Da hat sie Papierstreifen über Drähten zu einem Globus geformt, der von innen beleuchtet wird. Dahinter hängen kleinformatige Bilder auf Plexiglas: «Meine kleinen Welten, in denen jeder seine eigene Welt sehen kann.» So könne aus Düsternis ein gutes Gefühl entstehen.

Vernissage: Freitag, 19 Uhr, Einführung Carole Isler; bis 30.9. Do 17–20, Sa/So 10–16 Uhr