Beim Konzert des Frauenfelder Coro Mille Voci fliegen Käse und klingen tausend Stimmen

Für ein Konzerterlebnis der ganz besonderen Art sorgten der Coro Mille Voci und Hackbrettvirtuose Nicolas Senn. Stimmgewaltig und ausdrucksstark gelang es ihnen, die Besucher glücklich zu machen.

Christoph Heer
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In der Kirche Kurzdorf: Sängerinnen des Coro Mille Voci hören Nicolas Senn am Hackbrett zu. (Bild: Christoph Heer)

In der Kirche Kurzdorf: Sängerinnen des Coro Mille Voci hören Nicolas Senn am Hackbrett zu. (Bild: Christoph Heer)

«Es wörzigs Bröckli Appezöller Chäs», ein Titel aus dem aktuellen Tonträger von Nicolas Senn, sorgte schon zu Beginn für riesiges Gelächter. Eine Besucherin, die wohl eher einen anderen Käse bevorzugt, rief ihre Vorliebe zum Emmentaler von der Empore herunter. «Leider falsch. Gemeint ist doch der würzige Appenzellerkäse», stellte Senn richtig und warf ihr eine Portion von besagtem Gaumenschmaus nach oben, wofür er zwei Versuche brauchte – umso herzhafter die Lacher. Es war nur ein Höhepunkt von vielen am Samstagabend in der Kirche Kurzdorf. Zum Bersten voll, einige wenige Besucher drehten sogar ab und gingen wieder nach Hause: So zeigte sich das Gotteshaus. Jung und Alt wurden Zeugen eines zuerst melodiösen, aufweckenden Konzerts. «Life is Life», «Más que nada», oder «Hit the Road Jack» brachten Stimmung und Beine zum Mitwippen. Und der weihnachtliche Teil sollte später nicht zu kurz kommen.

In der oft etwas zu zurückhaltenden Schweiz sind im positiven Sinn ausufernde Konzerte Mangelware. Gerade im Gospel wird aber immer wieder dazu aufgefordert, mitzumachen, mitzuklatschen, die Musik zu erleben. Auch der gesangliche Part des Coro Mille Voci gehörte in diese Sparte. Voller Leidenschaft, lebhaft und temperamentvoll sangen die rund 30 Mitglieder unter der Leitung von Paolo D’Angelo. In Amerika wäre das Publikum wohl ausgeflippt ob so viel Wohlklang und animierenden Songs. Die lang anhaltenden Applause durften die Protagonisten gewiss als grosses Lob der allgemeinen Zufriedenheit entgegennehmen. Augen zu und Weihnachtsstimmung aufsaugen, hiess es zum Schluss. «Hallelujah» oder «Feliz Navidad» entliessen die Zuhörer in den dritten Advent. Das war ein wunderbares Konzerterlebnis mit einigen Brocken Humor, gepaart mit Hackbrettklängen vom Feinsten. Weihnachten kann kommen.