Interview

Tanzende Räbeliechtli im Untersee in Steckborn: Ein Umzug unter Wasser

Die Tauchinstruktorin Sandra Büchi aus Matzingen begleitet jedes Jahr zum nächtlichen Taucherlebnis, welches auch Gefahren birgt. 

Interview: Laura Sachers
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Die beleuchteten Räben ziehen Kleinlebewesen an. (Bild: PD)

Die beleuchteten Räben ziehen Kleinlebewesen an. (Bild: PD)

Sie gehen nachts bei einer Wassertemperatur von zehn Grad im November freiwillig tauchen?

Sandra Büchi: Ja, tauchen ist meine Leidenschaft. Ich habe schon auf den Malediven und Ibiza Tauchunterricht gegeben, aber ein Räbeliechtliumzug unter Wasser ist etwas ganz Spezielles. Dafür steige ich jeweils auch im November in Steckborn in den See, wie vergangenen Mittwoch.

Mit der Kälte haben Sie also kein Problem?

Durch meinen Trockentauchanzug dringt kein Wasser, daher wird mir auch nicht kalt. Man kühlt am Kopf und auch an den Händen aus, aber die leuchtenden Räben lassen mich die Kälte vergessen. Eistauchen bei Minustemperaturen ist aber um einiges schlimmer .

2017 haben Sie zum ersten Mal einen Räbeliechtli-Tauchgang organisiert. Wie kamen Sie auf die Idee?

Die Taucherei entwickelt sich ständig weiter. Diverse Events finden unter Wasser statt. Als Kind liebte ich den Räbeliechtliumzug. Schnell kam ich auf die Idee, beides zu kombinieren.

Sandra Büchi, Organisatorin Räbeliechtli-Tauchgang (Bild: PD)

Sandra Büchi, Organisatorin Räbeliechtli-Tauchgang (Bild: PD)

Welche Vorbereitungen haben Sie treffen müssen?

Jede Taucherin und jeder Taucher bringt seine selbst geschnitzte Räbe mit. Danach gibt es ein erstes Briefing, bei dem wir festlegen, wer mit wem und wann ins Wasser steigt. Am Schluss werden die Tauchlampen in die geschnitzten Räben gesteckt und dann geht es in den kühlen Untersee. Ich selbst filme alle Taucher mit den Räben.

Wie kann man sich einen nächtlichen Tauchgang vorstellen?

Ähnlich wie ein Waldspaziergang in der Nacht.

Wie viele Taucher haben sich ins kalte Wasser gewagt?

20 ausgebildete Taucher. Die meisten wurden durch Facebook auf diesen Event aufmerksam. Für Anfänger ist dieser Tauchgang aber nichts. Ein Brevet und nächtliche Taucherfahrungen sind für den Tauchgang Pflicht. Es braucht eine gewisse Erfahrung.

Weshalb ist es für Anfänger zu gefährlich?

Weil die Erfahrung fehlt. Die Umgebung im Wasser ist stockdunkel. Dies könnte unerfahrene Taucher in schlimme Panik versetzen. Tagsüber sieht man den Grund. Nachts besteht die Gefahr, die Orientierung zu verlieren. Zuschauer konnten das Geschehen aber vom Land aus beobachten.

Was fasziniert Sie am Tauchen?

Auf dem Land können wir uns nur zweidimensional bewegen. Wir gehen immer nach vorne und zurück, nach rechts und nach links. Unter Wasser kann ich mich zusätzlich nach oben oder unten bewegen und bin somit komplett frei, als würde ich schweben. Die Unterwasserwelt ist unheimlich faszinierend.