Unbefriedigend für Initianten der Frauenfelder Sandsporthalle: Systemfehler in Bundesbern verzögert «The Beachhouse»

Die Baugesuch-Unterlagen für die geplante Frauenfelder Sandsporthalle sind beisammen. Aber die Bundesgelder lassen auf sich warten. Die Initianten hoffen unter anderem auf zwei Thurgauer Bundesparlamentarierinnen.

Mathias Frei
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Eine Visulalisierung: Aussenansicht der geplanten Sandsporthalle während einer Veranstaltung. (Bild: PD)

Eine Visulalisierung: Aussenansicht der geplanten Sandsporthalle während einer Veranstaltung. (Bild: PD)

Unbefriedigend: So präsentiert sich die Situation für die Initianten der Frauenfelder Sandsporthalle «The Beachhouse». Denn die Frage ist nicht mehr, ob es Bundesgelder gibt – in dieser Hinsicht gibt es positive Zeichen aus Bern. Vielmehr geht es nun darum, wann sich der Geldtopf des Nationalen Sportanlagenkonzepts (Nasak) ein nächstes Mal öffnet. Im schlimmsten Fall verzögert sich das Projekt um zwei bis drei Jahre.

Vereinspräsident Markus Müller und Vorstandskollege Sascha Heyer sind eigentlich guten Mutes.

«Wir sind bereit. Oder besser: Wir wären bereit.»
Markus Müller, Präsident Verein Sandsporthalle. (Bild: Mathias Frei)

Markus Müller, Präsident Verein Sandsporthalle. (Bild: Mathias Frei)

Das meint Müller. Die Baugesuch-Unterlagen für die Sandsporthalle mit Gastronomie, Fitnesscenter und Unterkunft hinter der Turnfabrik sind vorhanden. Das Gesuch könnte sofort eingereicht werden. In einem halben Jahr könnte Baustart sein. «Wir haben ein Betriebskonzept, das ‹verhebet›, das Beachhouse würde kostendeckend laufen», sagt Heyer. Für Müller ist aber klar:

«Wir reichen das Baugesuch erst ein, wenn die Finanzierung gesichert ist.»

Leider hängt viel an den Bundesgeldern. So konnten die Initianten einen Elementebau des Altersheims Stammertal nicht wie geplant übernehmen, obwohl der Verkaufspreis sehr vorteilhaft gewesen wäre. In der Folge ist die Planung überarbeitet worden. «Alle Funktionen, die wir brauchen, sind im jetzigem Konzept enthalten. Zudem besteht die Möglichkeit, die Kapazität später zu erweitern», sagt Heyer. Weil die günstige Übernahme des Elementbaus wegfällt, kostet das Projekt aber nicht weniger. Grundsätzlich sieht es finanziell aber gut aus. Rund 2,5 Millionen Franken sind gesichert. Heyer sagt:

«Dem Kanton Thurgau und der Stadt Frauenfeld sind wir sehr dankbar für die Unterstützung.»

Müller rechnet mit 3,5 bis 3,8 Millionen an Gesamtkosten. Vom Bund sind aus dem Nasak-Programm des Bundesamts für Sport ein Zuschuss von bis zu 25 Prozent der Gesamtkosten zu erwarten.

Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Projekts «The Beachhouse» in Frauenfeld. EX-Beachvolleyball-Profi Sascha Heyer (Vorstandsmitglied Verein Sandsporthalle), Markus Müller (Präsident Verein Sandsporthalle) und Ex-Beachvolleyball-Profi Patrick Heuscher. (Bild: Reto Martin)

Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Projekts «The Beachhouse» in Frauenfeld. EX-Beachvolleyball-Profi Sascha Heyer (Vorstandsmitglied Verein Sandsporthalle), Markus Müller (Präsident Verein Sandsporthalle) und Ex-Beachvolleyball-Profi Patrick Heuscher. (Bild: Reto Martin)

Terminlich keine Chance für Nasak-Programm 4

Die Problematik ist aber folgende: Das Nasak-Programm 4 ist mit einem letzten Bundesbeschluss von Anfang 2018 (für das neue Eishockeystadion in Lausanne) ausgeschöpft. Das Beachhouse hatte vom Terminplan her, keine Chance ins Nasak-Programm 4 zu kommen. Nach 4 kommt 5. Wie Markus Müller erklärt, hat der Bundesrat diesen Juli die Botschaft zu Nasak 5 in Auftrag gegeben. Bis diese aber vorliegt, kann es ein Jahr dauern. Dann müssen National- und Ständerat darüber befinden: ein weiteres Jahr mehr.

Eine Mini-Beachhouse mit 60 Tonnen Sand

Die Initianten der Frauenfelder Sandsporthalle bringen den Strand und das Beachhouse in kleiner Ausführung mitten in die Stadt. Zwischen dem 31. August und dem 15. September gibt es auf dem Platz hinter dem Einkaufszentrum Schlosspark täglich einen Beachhouse-Betrieb mit Bar, Lounge, Musik, einem Sandspielfeld aus 60 Tonnen Quarzsand und diversen Sport-Showspielen. Werktags ist am Vormittag die Kita Bärenhöhle im Sand. An den Sonntagen findet jeweils ab 9.30 Uhr ein Brunch statt. An den Wochenenden gehen Day-Dances über die Bühne. Zudem laden verschiedene Frauenfelder Sportvereine zu Partys ein. Nebst anderem gibt es von den Ex-Profis Heyer/Chevallier/Bellaguarda & Friends einen Beachvolley-Showmatch. Die Winti-Panthers zeigen eine Beachsoccer-Show. Und die Schweizer Natispielerin Nadja Leuenberger präsentiert, wie Tennis auf Sand funktioniert. (ma)

Das Programm im Detail: www.the-beachhouse.ch

Das Positive am Ganzen ist aber: Anfang Juli wurde der bundesrätliche Bericht zum Postulat des jurassischen SP-Ständerats Claude Hêche öffentlich. Dabei geht es um die Bedarfsplanung mit Blick auf das Nasak-Programm 5. Und das Beachhouse ist in dieser Planung enthalten, die Eingabe erfolgte über Swiss Volley. Der nationale Verband hat Investitionsbedarf von bis zu zehn Millionen angemeldet. «Das ist für uns ein positives Signal», sagt Müller. Aber eben: Dem Verein Sandsporthalle wäre diese Unterstützung übermorgen lieber als erst in zwei Jahren.

Brigitte Häberli und Diana Gutjahr wollen helfen

Brigitte Häberli, Thurgauer CVP-Ständerätin. (Bild: Reto Martin)

Brigitte Häberli, Thurgauer CVP-Ständerätin. (Bild: Reto Martin)

Hier kommen zwei Thurgauer Bundesparlamentarierinnen ins Spiel, mit denen Müller bereits Kontakt aufgenommen hat: Nationalrätin Diana Gutjahr (SVP) und Ständerätin Brigitte Häberli (CVP), beide gehören in ihren Kammern der für das Nasak-Programm zuständigen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) an. Das Beachhouse sei auf jeden Fall unterstützungswürdig, sagt Gutjahr. Sie werde sich sicherlich für das betriebswirtschaftlich nachhaltige Projekt einsetzen, das für sie Ausstrahlung auf die ganze Ostschweiz hat. Auch Häberli will für die Frauenfelder Sandsporthalle weibeln. Und sie hat eine gute Nachricht. In der ständerätlichen WBK sei mit der zuständigen Bundesrätin Viola Amherd über die grossen Zeitspannen zwischen den Nasak-Programmen diskutiert worden.

«Die Politik hingegen will einen nahtlosen Übergang von der einen zur nächsten Programmgeneration.»
Diana Gutjahr, Thurgauer SVP-Nationalrätin. (Bild: Donato Caspari)

Diana Gutjahr, Thurgauer SVP-Nationalrätin. (Bild: Donato Caspari)

So würden nicht auf einmal die ganzen zur Verfügung stehenden Mittel gesprochen, sondern dies fände kontinuierlich statt. Die aktuelle Handhabe bezeichnet Häberli als Fehler im System, der verzögere oder sogar verhindere. «Eine Lösung dieser Problematik ist in Aussicht gestellt», sagt Häberli. Im besten Fall kann das Beachhouse noch von einer neuen Zwischenfinanzierung 2020/21 profitieren.

Innenansicht der geplanten Sandsporthalle. (Bild: PD)

Innenansicht der geplanten Sandsporthalle. (Bild: PD)

Müller und Heyer erhoffen sich Erfolg auf dem politischen Weg, bleiben selber aber nicht untätig. Man habe anfangs zu stark auf Beachvolleyball fokussiert.

«Dabei ist das Beachhouse der einzige Ort in der Schweiz, wo alle gängigen Sandsportarten in offizieller Wettkampfinfrastruktur betrieben werden können.»

Das meint Heyer. Das biete grosses Potenzial in Nutzung und Abstützung der Sandsporthalle. Müller ist deshalb derzeit damit beschäftigt, die nationalen Verbände von Fussball, Tennis, und Handball mit ihren Sandvarianten vom Beachhouse zu überzeugen.

Frauenfeld: Politisch kein Sand im Getriebe

Ein wichtiger Schritt für die Stiftung Sandhalle: Für Land auf der Kleinen Allmend, auf dem eine Beachvolleyball-Anlage entstehen soll, hat der Gemeinderat am Mittwoch einen vergünstigten Baurechtszins genehmigt. Diskussionen gab es nur zum Restrisiko.
Mathias Frei