Serie
Bei Familie Zuber in Frauenfeld macht der Swimming-Pool Ferien

Sommerserie «Jemand zu Hause?»: Berufsschullehrer Roger Zuber lebt mit seiner Familie im Dorf in der Stadt Frauenfeld. Ein Gespräch über Wodka, Pädagogik und Hühner.

Mathias Frei
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Der neue Pool ist mit Wasser gefüllt, jetzt geht’s für Roger Zuber und seine Familie an die Umgebungsarbeiten. (Bild: Reto Martin)

Der neue Pool ist mit Wasser gefüllt, jetzt geht’s für Roger Zuber und seine Familie an die Umgebungsarbeiten. (Bild: Reto Martin)

Das ist spontane Willkommenskultur. Bei Zubers daheim steht der Hausherr vor einem, bevor man überhaupt läuten kann. Oben ohne, Shorts, das ist an diesem Tag Roger Zuber.

«Herzlich willkommen, wir machen Bauferien.»

Und im nächsten Moment bietet er einem das Du an. Es sei von Vorteil, in seinem Beruf eine gewisse Offenheit zu leben, sagt er. Den Schülern vorzuleben. Der 45-Jährige ist Berufsschullehrer. Zu Fuss hat er zwei Minuten von seinem Daheim an der Laubgasse 48 zum Bildungszentrum für Technik (BZT). An der Laubgasse lebt er mit seiner Frau Daniela, Tochter Lia (13) und Sohn Noa (11) in einem modernen Holzhaus. 2013 sind Zubers in ihr erstes Eigenheim gezogen. Das Land gehörte einer Grosstante von Daniela Zuber.

Roger Zuber ist ein Kurzdörfler durch und durch. «Seit 45 Jahren, also schon mein ganzes Leben lang, lebe ich in Frauenfeld.» Aufgewachsen ist er an der Thurstrasse, seine Grosseltern führten das Restaurant Einkehr inklusive Metzgerei an der Rheinstrasse.

«Es ist schön ländlich im Kurzdorf, und trotzdem sind wir mitten in der Stadt.»

Zubers haben Hühner im Garten – und neu einen Swimming-Pool.

Die Zuber’sche Jungmannschaft hat das Klingelschild beschriftet. (Bild: Reto Martin)

Die Zuber’sche Jungmannschaft hat das Klingelschild beschriftet. (Bild: Reto Martin)

Letztes Jahr in Peru, zuvor oft am Lido di Jesolo

Einen Teil der Hühner hat Pepe Lienhard der Familie Zuber geschenkt – nachdem der Fuchs im Quartier unterwegs gewesen war. «Man kennt und schätzt sich in der Nachbarschaft, kommt einander aber nicht zu nah», meint Roger Zuber. Das passt ihm. Leben und leben lassen. Und hier lässt es sich wahrlich gut leben. Man sitzt auf der überdachten Veranda auf Spaghettistühlen an einem Tisch. Ein Köpfler in den neuen Swimming-Pool . Das sind also Bauferien. Vergangenes Jahr war die Familie in Peru. Ein Wunsch von Zubers Schwiegermutter. «Vorher haben wir ein paar Jahre lang Sommerferien am Lido di Jesolo gemacht.» Heuer bildete das Projekt Swimming-Pool den Fokus der Ferien. Alles in Eigenbau.

«Mit den Kindern ist das so eine Sache. Mal sind sie vollmotiviert, und eine Stunde später haben sie keine Lust mehr.»

Die grösste Arbeit sei aber sowieso der Aushub für den Pool gewesen. Der Bagger kam von einem Freund. Gebaggert haben Ehefrau Daniela und Roger Zuber.

Zusammen mit Rolf Fringer in der Trainerausbildung

Üblicherweise wird bei Zubers aber mehr geturnt als gebaggert. Roger Zuber ist Trainer in der Turnfabrik und seit anderthalb Jahren Präsident des Vereins Turnfabrik. Die beiden Kinder sind im Kunstturnen aktiv. «Manchmal sehen wir uns gleich oft in der Turnfabrik wie daheim», meint Roger Zuber, der mit der Show-Turntruppe «Seppä – Urchige Akrobaten» regelmässig auf Bühnen steht. Und Zuber hat eine Berufstrainer-Ausbildung bei Swiss Olympic gemacht – zusammen mit dem ehemaligen Fussball-Natitrainer Rolf Fringer. Beim gemeinsamen Fussballspielen habe man Fringer den Trainer gut angemerkt.

«Er hat auf dem Platz vor allem dirigiert.»

Mit der Swiss-Olympic-Lizenz könnte Zuber mit angehenden Turnstars arbeiten. Aber der Elektroingenieur HTL ist vor elf Jahren in die Pädagogik eingestiegen. «Als Berufsschullehrer kann ich mit Technik arbeiten und zugleich junge Menschen entwickeln, zuvor habe ich Technik entwickelt.» Man müsse die Jugendlichen ernst nehmen, sagt er. «Wenn sie nicht mehr für die Note lernen, sondern für ihre Zukunft, dann habe ich gewonnen.»

Sohn Noa Zuber füttert die Hühner. (Bild: Reto Martin)

Sohn Noa Zuber füttert die Hühner. (Bild: Reto Martin)

Im Zug von St. Petersburg bis nach Peking

Zuber ist nie aus Frauenfeld weggezogen. «Ich habe nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.» Er wirkt so, als ginge ihm die nötige Weitsicht nicht ab. Vielleicht hat ihn auch die halbjährige Weltreise geprägt. Vor 15 Jahren reiste er mit seiner Frau von St. Petersburg nach Peking, dann weiter nach Australien und Bali. Bis Peking ging’s mit der Transsibirischen Eisenbahn, in Australien kauften sie ein Auto. «Je weiter weg wir von Moskau waren, desto entspannter waren die Menschen», erinnert er sich. Und die beiden Russen, mit denen sie die ersten zwei Tage das Zugabteil teilten, sind ihm auch geblieben. «Im Zug war eigentlich Alkoholverbot.» Aber wenn die Abteiltür geschlossen sei, dürfe man Wodka trinken, hätten die Russen gemeint. «Das war eine süffige Nacht.»