Supersaugfähig macht Wasser rein: Die Frauenfelder Werkbetriebe ersetzen ihre Aktivkohlefilter

Das Herzstück der städtischen Wasseraufbereitung befindet sich in der Anlage Geisschopf. Lastwagen transportieren dafür spezielle Kohle aus den Benelux-Staaten nach Frauenfeld.

Mathias Frei
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Brunnenmeister Peter Langhart zeigt die neue Aktivkohle.

Brunnenmeister Peter Langhart zeigt die neue Aktivkohle.

(Bild: Mathias Frei)

Es geht hier nicht um Läuterung im religiösen Sinn, obwohl «Leading in Purification» auch das bedeuten könnte. Die Aufschrift auf den beiden Silo-Lastwagen mit belgischen Autokennzeichen bezieht sich vielmehr auf Wasseraufbereitung, «Purification» im Sinne von Reinigung. Von einem LKW führt ein Schlauch ins Innere der Frauenfelder Wasseraufbereitungsanlage Geisschopf. Aktivkohle in Granulatform wird mit Hilfe von Wasser in den zweiten Filterraum gespült.

In der Anlage Geisschopf gegenüber des Paketpostzentrums werden 97 bis 98 Prozent des Frauenfelder Trinkwassers aufbereitet. Und:

«Die beiden Aktivkohlefilter bilden das Herzstück der Anlage.»
Modell des Filters: oben Aktivkohle, in der Mitte Quarzsand, unten Quarzkies.

Modell des Filters: oben Aktivkohle, in der Mitte Quarzsand, unten Quarzkies.

(Bild: Mathias Frei)

Das sagt Peter Langhart. Er arbeitet seit 2003 bei den Frauenfelder Werkbetrieben, ist heute Brunnenmeister. «Der Tätschmeister in Sachen Wasser», wie er sagt. Der Ersatz der Aktivkohle ist also gewissermassen eine zweiteilige Operation am offenen Herz, im laufenden Betrieb. Der letzte Ersatz habe 2005 stattgefunden, sagt Langhart. Zuerst erfolgt die Leerung des ersten Filterraums mit 75 Kubikmetern alter, abgenutzter Aktivkohle. Dann wird der 60 Quadratmeter grosse Raum wieder gefüllt mit neuem Granulat. Derweil übernimmt der zweite, gleich grosse Filter die ganze Reinigungsarbeit.

Im Winter, da der Wasserverbrauch tief ist, reicht für eine gewisse Zeit ein Filter für die Aufbereitung. Auf lange Frist braucht es aber zwei funktionstüchtige Aktivkohlefilter. Für den Aktivkohlewechsel haben die Werkbetriebe rund 230'000 Franken budgetiert. Ende Januar fand der erste Ersatz statt, nun Mitte Februar der zweite.

Die Silo-Lastwagen aus Belgien.

Die Silo-Lastwagen aus Belgien.

(Bild: Mathias Frei)

Aus den USA über Benelux nach Frauenfeld

Die beiden belgischen Lastwagen kamen schnell durch den Zoll, waren deshalb schon am Vorabend in Frauenfeld. Seit 8Uhr morgens wird die Aktivkohle «gewässert», eben in den Filterraum gespült. Langhart sagt:

«Nach drei Stunden sind die beiden Tanklastwagen leer.»

Aktivkohle ist ein wundersames Material. In Granulatform hat ein Gramm eine Fläche von einem durchschnittlich grossen Fussballplatz, also etwa 5000 Quadratmeter, wie Langhart erklärt. Durch diese riesige Fläche ist die Aktivkohle sehr saugfähig, filtriert und adsorbiert, bindet also Verunreinigungen. Grundstoff für die Aktivkohle bildet Steinkohle aus den USA. Eine niederländische Firma verarbeitet das Material, der Vertrieb läuft über Belgien.

Blick in den vollen Aktivkohle-Filterraum.

Blick in den vollen Aktivkohle-Filterraum.

(Bild: Mathias Frei)

Brunnenmeister auf täglichem Kontrollgang

An sich läuft die Anlage Geisschopf automatisch. Langhart ist aber täglich auf Kontrollgang. Die Wasseraufbereitung in Frauenfeld läuft dreistufig. In einem ersten Schritt wird das Wasser mit zugefügtem Ozon desinfiziert. Das tötet Bakterien und Viren ab. Zweite Stufe: Aktivkohle. Das Wasser fliesst mit maximal 7,7 Meter pro Stunde durch den Filter aus Aktivkohle, Quarzsand und -kies. Bei der dritten Stufe wird der pH-Wert korrigiert und das Wasser mit einer geringen Menge Chlordioxid versetzt.

Die volle Leistungsfähigkeit hat die Aktivkohle nach 48 Stunden im Kontakt mit Wasser erreicht. Dann wird abgerahmt, also der Kohlebrei an der Wasseroberfläche entfernt. Sodann steht der Filter drei Tage in Betrieb, das Wasser wird aber verworfen, also als Abwasser abgeleitet. Von diesem Wasser werden Proben genommen, die der Kanton untersucht. Langhart sagt:

«Die Resultate nach dem Ersatz des ersten Filters waren einwandfrei.»
Die belgischen Chauffeure bei der Arbeit.

Die belgischen Chauffeure bei der Arbeit. 

(Bild: Mathias Frei)
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