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Superfood aus dem Thurgau

Trendgemüse  Nahrungsmittel erleben einen regelrechten Boom. So auch die Süsskartoffel. Vor drei Jahren war sie vielen noch unbekannt, in Wilen bei Neunforn wird sie seither angebaut.
Florian Beer
Konrad und Matthias Hagen sortieren auf ihrem Hof in Wilen bei Neunforn Süsskartoffeln. (Bild: Reto Martin)

Konrad und Matthias Hagen sortieren auf ihrem Hof in Wilen bei Neunforn Süsskartoffeln. (Bild: Reto Martin)

«Das ‹Buure› muss mehr als nur ein Beruf, sondern gleichzeitig auch ein Hobby sein, sonst klappt das nicht», sagt Matthias Hagen. Die Tätigkeit als Landwirt sei ein Fulltime-Job mit unregelmässigen Arbeitszeiten, vielen Arbeitsstunden und wenig Zeit für Ferien. «Eine Woche pro Jahr kriegen wir hin.» Das wird sich in Zukunft wohl auch nicht ändern, denn vor drei Jahren hat sich die Familie Hagen eine echte Herausforderung auf ihren Bauernhof in Wilen bei Neunforn geholt:

Seit 2015 bauen sie hier nicht nur Getreide, Mais, Zuckerrüben, Spargel, Zwiebeln, Rüebli, Aprikosen, Weintrauben und normale Kartoffeln an, sondern auch Süsskartoffeln. «Bis dahin hatte ich noch nie von Süsskartoffeln gehört», gibt Hagen zu. Als er in einer Regionalzeitung einen Bericht über einen Bauer las, der diese exotische Knolle anbaut, wurde Hagen neugierig und kontaktierte den Branchen-Kollegen.

Das drittmeist konsumierte Nahrungsmittel

Er sei generell sehr innovationsfreudig und immer auf der Suche nach etwas Neuem. Als Matthias Hagen hörte, dass die Süsskartoffel das am drittmeisten konsumierte Nahrungsmittel der Welt sei, habe ihn das zusätzlich angespornt, die Herausforderung anzunehmen.

«Es war von Anfang an ein Risiko, in dieses Geschäft einzusteigen, denn die Arbeit ist zeitaufwendig und teuer,»

sagt der Landwirt, der dieses Jahr den Bauernhof von seinen Eltern zusammen mit seiner Frau Mary übernommen hat.

Er wusste nichts über den Anbau von Süsskartoffeln und tüftelt noch bis heute an der perfekten Methode. «Die Klimaerwärmung macht den Anbau von exotischem Gemüse in unseren Breitengraden möglich und es ist cool, dass der Anbau dieses eigentlich tropischen Gewächses auch klappt.» Dennoch sei der Frost im Frühjahr ein Risiko. Die Süsskartoffel, die nicht mit der normalen Kartoffel verwandt ist, sei sehr empfindlich und könne nur bei einer Temperatur von über 10 Grad heranwachsen. «Die Pflanzen sind sehr teuer und es kann sein, dass wir nach einer fünfstelligen Investition kaum eine Ernte haben», sagt Hagen. Ein solches Szenario sei aber zum Glück noch nicht eingetroffen.

Gepflanzt werden die Süsskartoffelpflanzen, die im Unterschied zu normalen Kartoffeln keine Nachtschattengewächse, sondern Windengewächse sind, im Mai. Die Erntezeit dauert von Ende August bis Mitte Oktober. «Die Süsskartoffel ist arbeitsaufwendiger als die Kartoffel», sagt Hagen. Das Unkraut müsse von Hand entfernt werden, was einen Zeitaufwand von 100 Stunden bedeute. Zudem wird mehrmals pro Jahr das Feld gehackt, gedüngt und bewässert. Neben dem Frost und Unkraut stellen auch Schnecken, Mäuse und Drahtwürmer eine Gefahr für die Knolle dar. In der Schweiz gelten strenge Auflagen, was den Pflanzenschutz betreffe. Deshalb müsse man das Unkraut von Hand entfernen und könne nicht auf die Maschinen und Pestizide aus den USA setzen. «Hierzulande ist kaum ein wirksames Mittel erlaubt», sagt Hagen. Und bisher gäbe es kaum technischen Erntemaschinen, die den Qualitätsanforderungen genügten. «Ich arbeite aber an einer Maschine, mit der die Arbeit leichter und schneller geht.»

Rund 50 Prozent der Ernte ist Abgang

Die geernteten Süsskartoffeln werden anschliessend eine Woche lang bei 27 bis 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit erwärmt, damit sie eine bessere Haut bekommen, süsser und bis zu einem Jahr lang lagerfähig werden. 2017 wurden in Wilen bei Neunforn etwa 20 Tonnen an Süsskartoffeln geerntet. Dieses Jahr werden es mehr sein, denn man hat die Anbaufläche vergrössert. «Ich erwarte zwischen 30 und 40 Tonnen», sagt Hagen. Es sei wegen der Hitze und Trockenheit aber ein schwieriges Jahr gewesen.

Rund 50 Prozent der Ernte sei Abgang, denn die Anforderungen seien hoch. «Die Süsskartoffeln sollen eine gleichmässige Form haben und dürfen keine Löcher, Mausfrass oder Schäden durch Ungeziefer aufweisen», sagt Hagen. Die Hälfte des Abgangs wird an die hofeigenen Mastrinder verfüttert, an einer Lösung für den zweiten Teil wird gearbeitet. Als Wiederverwertung werden von einem Thurgauer Betrieb zum Beispiel Süsskartoffel-Chips hergestellt.

Tochter mit Süsskartoffel aufgewachsen

Die brauchbaren Süsskartoffeln werden nach der Verarbeitung in die Verteilzentrale in Gossau geliefert. Von dort aus geht es in die Migros-Regale in der Ostschweiz. Ohne die Unterstützung von Matthias Hagens Eltern Monika und Koni Hagen sei die Arbeit gar nicht möglich. Die beiden sind seit diesem Jahr auf dem Hof angestellt und arbeiten tatkräftig mit.
Matthias Hagen lebt mit seiner Frau Mary und den beiden Töchtern Sarina und Melina auf dem Bauernhof in Wilen bei Neunforn, er selber ist hier geboren und aufgewachsen. Durch den Anbau von Süsskartoffeln landen diese mindestens einmal pro Woche auf dem Teller im Hause Hagen, entweder im Ofen als Pommes frites oder auf dem Grill in Scheiben geschnitten und mit Zwiebeln gedünstet. Die eineinhalb-jährige Melina sei mit Süsskartoffel-Brei aufgewachsen, die dreijährige Sarina kannte damals dieses tropische Gewächs noch nicht. «Vor Kurzem noch unbekannt und jetzt boomt es», sagt Hagen schmunzelnd. So schnell kann es gehen.

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