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Frauenfelder Vogelinventar: Suche nach fliegenden Untermietern

Ziel ist eine Karte aller Gebäudebrüter-Niststandorte auf Stadtgebiet. Deshalb untersuchen Freiwillige bis in den Frühherbst 7000 Gebäude auf diese Vogelarten. Am Montagabend fand eine Probe-Begehung statt.
Mathias Frei
Fütterung bei Familie Mehlschwalbe. (Bild: PD/Sandra Schweizer, NVV Frauenfeld)

Fütterung bei Familie Mehlschwalbe. (Bild: PD/Sandra Schweizer, NVV Frauenfeld)

Keine Sorge. Das sind keine Einbrecher, die Wohnungen ausspionieren. Wenn in den kommenden drei bis vier Monaten Leute mit Feldstecher auf Gebäude halten, sind es freiwillige Helfer des Natur- und Vogelschutzvereins Frauenfeld (NVVF). Sie halten Ausschau nach Niststandorten von Gebäudebrütern, also Vogelarten, die an Hausfassaden oder unter Dächern Nester bauen für ihre Brut. Wer auf Nummer sicher gehen will: Alle Helfer des NVVF tragen persönliche Ansteck-Ausweise.

Mathis Müller, Biologe und Projektleiter des Gebäudebrüter-Inventars. (Bild: PD)

Mathis Müller, Biologe und Projektleiter des Gebäudebrüter-Inventars. (Bild: PD)

Der Natur- und Vogelschutzverein unterstützt die Stadt beim Aufbau eines Gebäudebrüter-Inventars. Dieses und nächstes Jahr protokollieren die Helfer zwischen Juni und Oktober Niststandorte auf Stadtgebiet. Ziel ist eine öffentlich zugängliche (Online-)Karte, auf der alle Niststandorte dieser zunehmend bedrohten Vogelarten eingetragen sind. Konkret handelt es sich dabei um Mehl- und Rauchschwalben, aber auch Alpen- und Mauersegler, Turmfalken und andere mehr – Arten, die zumindest während der Brutzeit oder im Falle der Mehlschwalbe sogar ganzjährig geschützt sind. Das Gebäudebrüter-Inventar soll für die Thematik dieser speziellen Nistplätze sensibilisieren und nicht zuletzt eine Hilfestellung für betroffene Hausbesitzer darstellen, etwa wenn es um eine Fassadensanierung geht (siehe Kasten).

Zu aktuell bekannten Niststandorten im Langdorf

Am Montagabend hat das Inventarisierungsprojekt begonnen. Der Biologe Mathis Müller als Projektleiter, Daniel Schöpfer vom städtischen Amt für Hochbau und Stadtplanung sowie Rolf Niederer vom kantonalen für Raumentwicklung haben mit den 16 Helferinnen und Helfern eine Probe-Begehung unternommen. Nachdem die Helfer mit Flyern und Ausweisen ausgerüstet sind, geht’s im Lindenpark los Richtung altes Langdorf zu aktuell schon bekannten Niststandorten. Laut Schöpfer gibt es auf Stadtgebiet 7021 Gebäude, davon sind rund 4500 bewohnt. Alleine oder zu zweit sind die Freiwilligen verantwortlich für einen der elf Perimeter.

"Ihr müsst nicht jeden einzelnen Schwanz zählen."
(Mathis Müller, Biologe und Projektleiter des Gebäudebrüter-Inventars)

Die Helfer werden bis Oktober fünf bis sechs Begehungen machen zu jeweils zwei bis drei Stunden. Für einzelne Arten biete sich ein Rundgang in den Abendstunden an, sagt Projektleiter Müller. Etwa ab Mitte Juni seien die allermeisten Jungen schon geschlüpft, aber noch nicht flügge, das sei deshalb eine ideale Zeit für eine erste Begehung. «Nur regnen sollte es nicht», sagt er. Gerade an diesem Montagabend schüttet es aber zeitweise wie aus Kübeln. Der Rundgang wird abgekürzt. Trotzdem sind Gebäudebrüter zu beobachten, zum Beispiel am Allmendweg, wo es an einer Liegenschaften sieben künstliche Schwalbennester hat. «Ihr müsst nicht jeden Schwanz zählen», erklärt Müller den Helfern. Es spiele weniger eine Rolle, ob es nun sechs oder sieben Vögel seien. Wichtiger seien die Anzahl Nistplätze an einem Standort und die Vogelart. Darüber hinaus werden in den Protokollen Datum, Uhrzeit und die Ausrichtung der Nester festgehalten. Ältere Gebäude würden von Gebäudebrütern bevorzugt, es brauche dafür nur kleine Zwischenräume oder den Zugang neben einem leicht verrückten Ziegel. Nicht weniger attraktiv seien auch Neubauten, deren Fassaden grobkörnige Oberflächen haben. «Das Ausfüllen der Protokolle ist keine Hexerei», meint der Biologe. Schwieriger sei es, die teils versteckten Nistplätze zu erkennen.

Der Ausweis eines Helfers. (Bild: PD/Sandra Schweizer, NVV Frauenfeld)

Der Ausweis eines Helfers. (Bild: PD/Sandra Schweizer, NVV Frauenfeld)

Ein Helfer zeigt auf die künstlichen Schwalbennester und meint, man könnte hier Kotbretter zum Fassadenschutz installieren und um den Kot auszuwerten. Wenn Hausbesitzer schlecht zu sprechen seien auf Gebäudebrüter, liege es nicht selten an der Fassadenverschmutzung, sagt Mathis Müller. «Da sind wir auf den Good-Will der Eigentümer angewiesen.» Denn ganzjährig geschützt sei ja nur die Mehlschwalben.

Helfer für das Kartieren sind willkommen und melden sich bei Projektleiter Mathis Müller (mathis.mueller@bluewin.ch).

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