Sturer Grind, noch lange nicht leer: Beat Brechbühl, Verleger und Schriftsteller aus Frauenfeld

Ehrung für Beat Brechbühl: Die Kantonsbibliothek Thurgau hat alle 217 Bodoni-Blätter des Frauenfelder Verlegers erworben und zeigt diese nun in einer Dauerausstellung.

Mathias Frei
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In der Kantonsbibliothek: Beat Brechbühl betrachtet mit Interesse seine Bodoni-Blätter. (Bild: Mathias Frei)

In der Kantonsbibliothek: Beat Brechbühl betrachtet mit Interesse seine Bodoni-Blätter. (Bild: Mathias Frei)

Er konnte nicht zeichnen, er konnte nicht malen. Darum wurde der junge Beat Brechbühl Schriftsetzer. Aber Brechbühl, dieser wunderbar Eigensinnige, Verleger und Schriftsteller, kann mit Sprache malen. Er macht Literatur zum Anschauen, fürs Auge. Das sind seine Bodoni-Blätter, eine Druckreihe von grafisch visualisierten literarischen Texten. Einfach schön, zum An-die-Wand-Hängen.

Seit 1988 entstehen bei Brechbühl im Atelier Bodoni eben solche Blätter. 217 sind es mittlerweile. Von den signierten Drucken gibt es jeweils 33 Exemplare. Die Kantonsbibliothek hat von jedem Blatt ein signiertes Exemplar erworben und stellt diese nun in einer Dauerausstellung aus.

Eine Aufwertung für den Bibliotheksbestand

«Das wertet unseren Bestand enorm auf», sagt Kantonsbibliothekar Bernhard Bertelmann an einer kleinen Feier am Donnerstagabend. Natürlich sind die 217 Blätter auch alle katalogisiert und können über den Online-Katalog gefunden werden.

Hansrudolf Frey. (Bild: Benjamin Manser)

Hansrudolf Frey. (Bild: Benjamin Manser)

Die besagte kleine Feier kann sich ebenso sehen lassen wie Brechbühls Bodoni-Blätter. Der Vortragssaal der Bibliothek ist gut gefüllt, Verleger Hansrudolf Frey ist für die Würdigung da, Journalist und Galgevögel-Frontmann Hansjörg Enz sinniert mit Brechbühl. Frey spricht von Brechbühls verlegerischer Sturheit, der Sturheit zu Gunsten der Qualität. BB (Beat Brechbühl) habe als Verleger den Willen, mit seinen Büchern etwas verändern zu wollen. Am wichtigsten sei es für einen Verleger aber, Zeit zu haben.

«Zeit für literarische Entdeckungen, für Autoren, für Projekte, die vielleicht doch nicht zu Stande kommen.»

Und Frey stellt fest. BB habe diese Zeit – und nutze sie geschickt. «Versprich’ uns, lieber Beat, dass du einfach weitermachst.»

Vor 33 Jahren passiert im Thurgau nicht viel

Hansjoerg Enz. (Bild: Urs Jaudas)

Hansjoerg Enz. (Bild: Urs Jaudas)

BB erzählt Hansjörg Enz von den Anfängen der Bodoni-Blätter. Als er vor 33 Jahren hier hinaus, also in den Thurgau, kam, stellte er fest: «Hier passiert nicht viel.» Und es gab bis dahin keine Literatur zum Anschauen. Also: Handdruck und gute Texte, von befreundeten Literaten oder aus Brechbühls eigenem Werk. Giambattista Bodoni ist für BB einer der umfassendsten Schriftgestalter. «Die Bodoni drückt als Schrift Wahrheit und Eleganz aus», meint er. Und: «Arial führen wir als Schrift nicht.» Als Schriftsetzer sei es üblich gewesen, eine Schmierskizze anzufertigen, heute mache er alles im Kopf. Wiederum machen Brechbühls Bodoni-Blätter etwas im Kopf des Betrachters, der zum Leser wird. Zum Beispiel die Nummer 27, «Silence intim». Es ist nicht leer. Es steht da:

«Ich höre eines deiner Haare auf den Teppich fallen.»

Auf Enz’ Frage, ob ihm die grosse Stille Angst macht, meint Brechbühl: «Wenn ich leer wäre, vielleicht. Aber ich bin nicht leer.»

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