Stromversorgung
Der Gemeinderat Frauenfeld bewilligt den Bau eines Batteriespeichers für knapp zwei Millionen Franken mit viel Wohlwollen und einem knurrenden Magen

Einstimmig hat das Frauenfelder Stadtparlament Ja gesagt für den Bau eines neuen Batteriespeichers zur Netzstabilisierung. Kritik gab es lediglich zum fehlenden Vergleich zu einer Mietvariante in der Botschaft. Ein Antrag in der Kommission blieb jedoch chancenlos.

Samuel Koch
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Blick ins Innere eines Batteriespeichers von Arbon Energie.

Blick ins Innere eines Batteriespeichers von Arbon Energie.

Bild: PD

Tadel hat den Stadtrat bloss nach den Voten aus den Fraktionen ereilt. Zu geschlossen standen die Gemeinderatsfraktionen am Mittwochabend hinter der Botschaft zum Bau eines Batteriespeichers zur Netzstabilität im Osten der Stadt, wo sich Geisskopf- und Langfeldstrasse treffen. Vor der einstimmigen Beschlussfassung über den 1,95-Millionen-Franken-Kredit zuhanden von Thurplus aber geizte GLP-Gemeinderat Stefan Leuthold im eigenen Namen nicht, seine Kritik zu platzieren. Ein Batteriespeicher sei das geeignete Element, betonte er. Trotzdem monierte der Befürworter der Energiewende, dass der Stadtrat als Vergleich zur Kaufvariante nichts über eine Miet- oder Auslagerungslösung geschrieben hatte. Leuthold sagte:

«Eine Gegenüberstellung hätte ich in der Botschaft schon erwartet.»
Stefan Leuthold, Gemeinderat GLP.

Stefan Leuthold, Gemeinderat GLP.

Bild: PD

Sein Antrag auf Zurückweisung scheiterte jedoch bereits in der Geschäftsprüfungskommission (GPK) Bau und Werke, den er im Rat zurückhielt. Mit leisen Zweifeln und Bedenken sowie «einem leisen Knurren im Magen» stimmte aber auch er dem Kredit zu.

Zu Leutholds Antrag äusserte sich auch Ralf Frei in seinem einläutenden Votum als GPK-Sprecher. Da Thurplus zu günstigen Konditionen Kapital habe, fahre man mit der Kauflösung besser, sagte Frei zu den Argumenten des Stadtrates und von Thurplusleiter Peter Wieland. Und weiter: «Beim Kauf sei Eigenkapital gebunden, bei der Miete sei Fremdkapital beteiligt, welches mit der Miete entschädigt werde.»

Ralf Frei, Sprecher der GPK Bau und Werke sowie Gemeinderat SP.

Ralf Frei, Sprecher der GPK Bau und Werke sowie Gemeinderat SP.

Bild: PD

Vergleich zum Fussballspiel gegen Frankreich

Heinrich Christ zog eine Analogie zum Fussballspiel der Schweizer Nati gegen Frankreich herbei und sagte für seine Fraktion CH/Grüne/GLP:

«Wenn die Nati gewinnt, freut man sich und sagt Ja.»
Heinrich Christ, Gemeinderat CH.

Heinrich Christ, Gemeinderat CH.

Bild: PD

Ähnlich verhalte sich das bei Thurplus, das Projekt sei ökologisch, ökonomisch und bezüglich Versorgungssicherheit überzeugend. Trotzdem stellte er einzelne Fragen in den Bürgersaal zur Höhe der Kosten oder zur Nachhaltigkeit. Christ glaube aber an ein gewinnbringendes Geschäft für die Stadt. Denn es sei wie bei der Nati. «Thurplus spielt für die Stadt und ist Teil des grossen Teams», sagte er.

Ein bestehender Grossbatteriespeicher des Elektrizitätswerks des Kantons Zürich (EKZ) im zürcherischen Volketswil.

Ein bestehender Grossbatteriespeicher des Elektrizitätswerks des Kantons Zürich (EKZ) im zürcherischen Volketswil.

Bild: PD
Romeo Küng, Gemeinderat SVP.

Romeo Küng, Gemeinderat SVP.

Bild: PD

Wegen des energiepolitischen Kurses, den die Schweiz eingeschlagen hat, brauche es Anpassungen, sagte Romeo Küng für die Fraktion SVP/EDU. «Wer A sagt, sollte auch B sagen», ergänzte er und bezeichnete den Bau eines Batteriespeichers als «unumgänglich». Einzig das ausgereizte Kostendach von zwei Millionen Franken hat wie in vielen Fraktionen zu Diskussionen geführt, zumal die Finanzkompetenz ab zwei Millionen Franken beim Stimmvolk läge.

Pascal Frey, Gemeinderat SP.

Pascal Frey, Gemeinderat SP.

Bild: PD

Pascal Frey kalkulierte für die SP-Fraktion vor, dass der Kredit für den Bruch der Leistungsspitzen wegen des Anstiegs der Fotovoltaikanlagen nur der erste Schritt sei. «Thurplus soll das Geld auf der hohen Kante nutzen, um sich für die Energiewende fit zu machen», sagte Frey.

Sandro Erné, Gemeinderat FDP.

Sandro Erné, Gemeinderat FDP.

Bild: PD

Für die FDP-Fraktion betonte Sandro Erné, dass mit dem Speicher jährlich rund 265'000 Franken an Stromkosten eingespart werden können. Er sagte: «Stellt man die Erstellungskosten diesen Einsparungen gegenüber, so werden die Investitionen in rund sechs bis acht Jahren amortisiert sein.» Dieser Meinung schloss sich Gemeinderat Christoph Regli für die Fraktion CVP/EVP an, indem er sagte: «Wir haben etwas an den Kosten.»

Christoph Regli, Gemeinderat CVP.

Christoph Regli, Gemeinderat CVP.

Bild: PD

Stadtrat Hugentobler: «Botschaft nicht frisiert»

Von einer Chance, die man heute nutzen wolle, sprach der zuständige Stadtrat Fabrizio Hugentobler und argumentierte für die Kreditfreigabe, unter anderem mit dem Abfangen der Volatilität auf dem Energiemarkt, mit dem Bruch der Leistungsspitzen und der Wirtschaftlichkeit. Über die Kritik zur Summe knapp unter der Zwei-Millionen-Marke sagte er:

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Departementsvorsteher für Freizeitanlagen, Sport und Werke.

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Departementsvorsteher für Freizeitanlagen, Sport und Werke.

Bild: Andrea Stalder
«Die Botschaft ist nicht frisiert, der Gemeinderat hat die nötige Kompetenz für einen Entscheid.»

Diesen nutzte er und stimmte dem Kredit für den Bau des Batteriespeichers mit 36 Ja einstimmig gut.

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